Juventus hat am Sonntag in Catania gewonnen. Nichts außergewöhnliches für den Tabellenführer, möchte man meinen. Die Art und Weise, wie der Sieg zustande gekommen war, sorgte aber auch Tage danach für riesigen Diskussionsstoff. Im Mittelpunkt: Die Schiedsrichter und ein mysteriöses Facebook-Profil.
Aber der Reihe nach: Beim Stand von 0:0 wurde Catania ein reguläres Tor aberkannt. Linienrichter Luca Maggiani hatte den Treffer von Gonzalo Bergessio zuerst gegeben, nach 44-sekündiger Beratung mit dem Hauptschriedsrichter dann aber doch wegen Abseits aberkannt — eine klare Fehlentscheidung.
Die Juve-Bank habe den Treffer anulliert, polterte Catanias Präsident Antonino Pulvirenti nach dem Partie. "War es Pepe? Oder Giaccherini (beide Juve-Spieler, Anm d. Red)? Wer war es?", schimpfte Pulvirenti wie ein Rohrspatz. In der Tat waren einige Juve-Spieler Richtung Schiedsrichterassistent gestürmt. "Der Schiedsrichter hat sich nach der Partie bei mir entschuldigt", sagte der Catania-Präsident, ehe er zum harten Urteil kam: "Heute waren wir Zeugen vom Tode des Fußballs."
Diese bittere Erkenntnis lag wohl auch an Juves Siegtreffer. Bevor Arturo Vidal das Goldene Tor erzielte, stand Nicklas Bendtner, der die Szene mit seinem Schuss eingeleitet hatte, im Abseits.
Die mysteriöse Facebook-Seite
Richtig rund ging es dann am Tag danach. Pulvirenti war noch immer in Angriffslaune und erzählte einem Radiosender, dass auf der Facebookseite von Schiedsrichterassistent Maggiani das Logo von Juventus zu sehen sei. „Jeder hat das Recht, jede Mannschaft dieser Welt sympathisch zu finden. Aber sagen sie mir, was wir nach den gestrigen Vorfällen darüber denken sollen", fragte Pulvirenti. Obwohl immer noch nicht klar ist, ob die Facebook-Seite jene von Maggiani ist, verschwand im Laufe des Tages das Juve-Logo.
Die Causa Catania beherrschte nun alle sportlichen Schlagzeilen in Italien: Fußball-Verbandspräsident Giancarlo Abete, Luca Cordero di Montezemolo, Gianni Petrucci, der Präsident des Olympischen Komitee Italiens (Coni) - sie alle meldeten sich zu Wort.
Am Montagabend schaltete sich auch Juve-Präsident Andrea Agnelli in die Diskussion ein. Er habe in Catania ein Klima „absoluter Anspannung gegenüber Juventus" gesehen, sagte er, ehe er auf einen "unglaublichen Belagerungszustand" hinwies. Am Wochenende steht das Derby d'Italia zwischen Juventus und Inter an - das Antipathie-Duell schlechthin der letzten Jahre. Die stürmischen Serie-A-Wochen sind eröffnet.
Christian Bernhard
