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    Boateng: Das Gesicht der Krise

    Vom Superstar zum Buhmann - Kevin-Prince Boateng macht in Mailand schwere Zeiten durch

    Er sollte zum Symbol des neuen AC Milan werden, zu einem der neuen Anführer. Momentan ist er genau das Gegenteil - das Gesicht der Krise der Rossoneri: Kevin-Prince Boateng. Seine Dynamik, seine körperliche Stärke, seine Tempoverschärfungen - nichts davon war in dieser Saison bisher zu sehen.

    Dass es für die Rossoneri keine leichte Saison werden würde, war nach den Verkäufen der Topstars Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva, sowie der Abgänge von Antonio Cassano, Gennaro Gattuso, Alessandro Nesta, Clarence Seedorf oder Mark van Bommel zu erwarten.

    Dass der Liga-Auftakt aber so schlimm werden würde, das hätten sich wohl auch die größten Pessimisten unter den Milan-Fans nicht träumen lassen. Fünf Liga-Pleiten mussten die Mailänder bereits hinnehmen, mit sieben Punkten liegen sie auf  Rang 15 — punktegleich mit Aufsteiger Pescara, der auf dem ersten Abstiegsrang rangiert.

    Nach der Niederlage gegen Lazio am Samstag wurden die Spieler zu einer Woche Trainingslager im Sportzentrum Milanello verdonnert, Geschäftsführer Adriano Galliani hielt vor Mannschaft und Trainerstab eine gesalzene Ansprache. Der Tenor: Von allen Spielen müsse deutlich mehr kommen.

    Boateng leidet besonders unter dem Verlust von Ibrahimovic

    Klarerweise steht Trainer Massimiliano Allegri in der Kritik, mindestens gleich stark aber auch die Spieler — besonders Boateng, der sich zu Saisonbeginn mit viel Selbstvertrauen die Nummer zehn holte, die davor jahrelang den Rücken von Seedorf geschmückt hatte. Seitdem läuft es nicht mehr rund bei Boateng, der auch noch von einer Handverletzung behindert wurde.

    "Wie ein Fisch an Land" sei er, schrieb die italienische Presse über den Ex-Dortmunder, "von einem Jagdtier, das immer hungrig und bissig war, ist er zu einem Haustier geworden, das sich an Kabinettstückchen versucht, um applaudiert zu werden", hieß es weiter.

    Wie die ganze Mannschaft leidet Boateng unter dem Verlust von Ibrahimovic, der 25-Jährige aber speziell. Ex-Milan-Spieler Stefano Eranio sprach kürzlich von einem "taktischen Problem" Boatengs, der in den letzten Jahren sehr von Ibrahimovics Spielweise profitiert habe.

    "Ibra zog immer zwei Spieler auf sich und schuf so Freiräume, in die Boateng stoßen konnte", sagte Eranio, der es besser fände, Boateng von der Zehner-Position ins Mittelfeld zurückzuziehen. "Es ist unvorstellbar, dass er alles vergessen hat, was ihn in den letzten Jahren so stark gemacht hat", betonte Eranio.

    Unvorstellbar war bis vor Kurzem auch, dass Boateng nicht in der Milan-Startelf stehen würde. Das dürfte sich jetzt aber ändern: Gegen Malaga wird er nur auf der Bank sitzen, berichtet die "Gazzetta dello Sport".

    Christian Bernhard

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