Wird Ninis zum DFB-Schreck?
"Nur wer attraktiv spielt, wird auch Europameister." Jogi Löw war sich vor der EURO sicher, dass die Tage des ergebnisorientierten Fußballs vorbei sind. Da wusste der Bundestrainer noch nicht, dass es die DFB-Elf im Viertelfinale mit Griechenland zu tun bekommt. Ein Offensiv-Feuerwerk ist von den Hellenen nicht zu erwarten, wie ihre drei Spiele in der Vorrunde bewiesen.
Zehn Mann verteidigten, vorne sollte es Theofanis Gekas richten, mehr fiel ihnen oftmals nicht ein. Dabei besitzt Griechenland nach der Ära Otto Rehhagel durchaus Fußballer, die den Zuschauern ein Spektakel bieten können.
Spieler: Sotiris Ninis
Geburtsdatum : 3. April 1990
Geburtsort: Himara, Albanien
Nationalität: Griechenland
Größe: 1,73 m
Fuß: rechts
Position: Offensives Mittelfeld
Derzeitiger Klub: Panathinaikos Athen (seit Juli 2006)
Rückennummer: 18
Nach dem überraschenden Einzug Griechenlands in die Runde der letzten Acht drehte sich alles um Georgios Karagounis. Im Herbst seiner Karriere erlebte der 35-jährige Kapitän seinen zweiten Frühling. In seinem 120. Länderspiel zog er mit dem bisherigen Rekordhalter gleich und krönte dieses Jubiläum mit dem Treffer des Tages zum 1:0-Sieg über Russland.
Nach einer Fehlentscheidung des Unparteiischen fehlt er gegen Deutschland gelbgesperrt. Die Geschichte des tragischen Helden, man hätte sie im Vorfeld nicht passender schreiben können. Nun ruhen die Hoffnungen der Griechen auf Sotiris Ninis.
Der Körper spielt nicht immer mit
Bereits zweimal als Griechenlands Talent des Jahres ausgezeichnet, kam er bei der EURO noch nicht richtig in Tritt. Lediglich 53 Minuten stand er bisher in Polen und der Ukraine auf dem Platz, und konnte dabei nicht annähernd sein Potenzial abrufen.
Als Jahrhunderttalent gefeiert, gab er bereits 2008 sein Debüt in der Nationalmannschaft. Zu diesem Zeitpunkt war er 18 Jahre alt und benötigte lediglich fünf Minuten für seinen ersten Treffer.
Doch dem ganz großen Karrieresprung stand bisher Ninis' Körper im Weg, der immer wieder streikte und für eine beachtliche Krankenakte in der noch jungen Karriere sorgte. Als im September 2011 sein Kreuzband riss, war Griechenland entsetzt. Auf dem Ausnahmekönner ruhte die stille Hoffnung, den Europameister-Coup von 2004 zu wiederholen, und das Image des unattraktiven Mauer-Fußballs abzulegen.
Es droht Gefahr aus der Distanz
Die spielerischen Fähigkeiten dazu besitzt er zweifelsohne. Bereits mit 16 Jahren debütierte er in der Super League und begeisterte Fans und Fachpresse mit spektakulärem Fußball. Mit eleganter Leichtigkeit ließ er Gegenspieler reihenweise wie Slalomstangen stehen und spielte anschließend den tödlichen Pass. Dank seiner Übersicht entwickelte er sich zu einem vielversprechenden Spielmacher, der eine im modernen Fußball schon fast vergessene Kunst beherrscht: den Distanzschuss.
In einer Zeit, in der es viele Mannschaften dem Welt- und Europameister Spanien gleichtun, und den Ball über die Torlinie tragen wollen, sucht Ninis gerne den Abschluss aus der Distanz. Dank seiner starken Technik nagelt er auch mal einen Dropkick aus über 25 Metern unter den Querbalken.
Im Viertelfinale gegen Deutschland wird er Karagounis auf der "Zehn" hinter der einzigen Spitze Gekas vertreten. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig benötigt nur wenige Chancen für einen Treffer, und Ninis besitzt das Passspiel und die Technik, ihn aussichtsreich in Szene zu setzen.
Von Christoph Volk
