"So wie er sich in der Endphase der vergangenen Saison gegeben hat, konnten wir wenig mit ihm anfangen", begründete Leverkusens Coach Sascha Lewandowski im Sommer die Überlegung, Karim Bellarabi nach nur einem Jahr unter dem Bayer-Kreuz wieder ziehen zu lassen.
Nach sieben Bundesliga-Spieltagen ist die Situation nun eine völlig andere: In jedem der sieben Spiele stand der 22-Jährige für Leverkusen auf dem Platz. Außerdem gelang ihm der Sprung in die deutsche U21-Nationalmannschaft
Spieler: Karim Bellarabi
Geburtsdatum: 8. April 1990
Geburtsort: Berlin, Deutschland
Nationalität: Deutschland/Marokko
Größe: 1,83 m
Fuß: rechts
Position: Rechtsaußen
Derzeitiger Klub: Bayer 04 Leverkusen (seit Juli 2011)
Rückennummer: 38
Vorherige Klubs: Eintracht Braunschweig
"Karim ist eine absolut positive Überraschung. So, wie er sich jetzt macht, wird er der Mannschaft sicherlich weiter helfen können." Bereits während der Vorbereitung auf die aktuelle Saison erkannte Lewandowski, welch' fataler Fehler ihm im Sommer beinahe unterlaufen wäre. Mit guten Leistungen im Training und bei Testspielen war Bellarabi gewillt, sein erstes - bestenfalls durchwachsenes - Jahr im Bayer-Dress vergessen zu machen.
Nachdem er mit acht Toren und 16 Vorlagen maßgeblichen Anteil am Braunschweiger Aufstieg hatte, wechselte er im Sommer 2011 nach Leverkusen. Am Ende seiner ersten Spielzeit in der Beletage des deutschen Fußballs war sein Arbeitszeugnis übersichtlich: Für zehn Kurzeinsätze eingewechselt, kam er auf ganze 181 Minuten Spielzeit. Zwar erzielte er dabei einen Treffer gegen den FC Bayern, doch verständlicherweise war er damit nicht zufrieden.
Er hielt, was André Schürrle versprach
In der Vorbereitung profitierte er vom Trainingsrückstand Sidney Sams. Sein Konkurrent um die Position auf dem rechten Flügel fiel nach einem Muskelbündelriss bereits seit Februar aus. Dadurch war Bellarabi bereits in der Rückrunde zu seinen Einsätzen gekommen, konnte aber erst im Sommer wirklich Kapital daraus schlagen.
Genau wie der zwei Jahre ältere Sam zeichnet sich Bellarabi durch seine Antrittsschnelligkeit und Wendigkeit aus. Ob mit Ball am Fuß oder ohne, er scheint nur ein Tempo zu kennen: Vollgas. Damit avancierte der Flügelflitzer zu einem gefürchteten Gegner im Eins-gegen-Eins und entzog sich dem Zweikampf auch auf engstem Raum sehr geschickt. Im Grunde bot er in der noch jungen Spielzeit 2012/13 genau das, was sich die Bayer-Bosse von André Schürrle auf dem linken Flügel erhofften.
"Mit seiner Power, seiner Dynamik und seiner Schnelligkeit ist er für uns ein Gewinn", erklärte Lewandowski, warum der Deutsch-Marokkaner außer in der Europa League gegen Trondheim in jedem Pflichtspiel zum Einsatz kam. Dank seiner Leistungsexplosion debütierte er Mitte August für die deutsche U21-Nationalmannschaft. Beim 6:1-Kantersieg gegen Argentinien absolvierte er den ersten von bisher drei Einsätzen für den DFB-Nachwuchs.
Deutschland, Marokko oder Ghana?
Ob er eines Tages auch für die A-Nationalmannschaft spielen wird, ist noch fraglich. Der Sohn einer Marokkanerin und eines Ghanaers wird bald die Qual der Wahl haben: Beide Fußballverbände haben bereits die Fühler nach dem Rechtsfuß ausgestreckt, und auch Deutschland plant bereits eifrig für die Ära nach Miroslav Klose.
Eine Entscheidung hat Bellarabi aber noch nicht getroffen. Damit ist er auch gut beraten, sein Augenmerk sollte momentan nur auf das Sportliche gerichtet sein. Neben dem Liga-Alltag mit Leverkusen wartet vor allem mit dem deutschen Nachwuchs eine große Aufgabe auf den quirligen Angreifer: die Qualifikation zur U21-Europameisterschaft 2013 in Israel.
Christoph Volk
