Serge Gnabry: Von Stuttgart nach LondonNie war ein deutscher Spieler bei seinem ersten Einsatz in der Champions League jünger - höchste Zeit also, hier Serge Gnabry unter die Lupe zu nehmen.
Wenn ein Verein einen 16-Jährigen verpflichtet, hängt man ihm gerne das Schild "Perspektivspieler" an. In der Jugend soll er sich langsam an das Niveau der Profis gewöhnen, um irgendwann die erste Mannschaft zu verstärken. Von "großem Potential" und "außergewöhnlichen Talent" schwärmen die Trainer dann gerne.
Keiner tat dies in den letzten Jahren so häufig wie der Trainer des FC Arsenal, Arsène Wenger. Und keiner behielt in den letzten Jahren so häufig Recht wie der Franzose. Mit Serge Gnabry schickt sich der Trainer der "Gunners" nun an, diese Serie weiter auszubauen.
Spieler: Serge Gnabry
Geburtsdatum: 14. Juli 1995
Geburtsort: Stuttgart, Deutschland
Nationalität: Deutschland
Größe: 1,73 m
Fuß: Rechts
Position: Rechtsaußen
Derzeitiger Klub: FC Arsenal (seit Juli 2011)
Rückennummer: 47
Als der damals 16-jährige Gnabry im vergangenen Sommer der U-17 des VfB Stuttgart den Rücken kehrte und sich der Jugendakademie Arsenals anschloss, war sein Wechsel lediglich eine mediale Randnotiz. Wahrscheinlich überschrieben mit "Arsenal angelt sich Stuttgart-Talent". Zu wenig war über den Deutsch-Ivorer bekannt, zu omnipräsent der spektakuläre Wechsel von Nationalspieler Per Mertesacker in die englische Hauptstadt.
Während sich der deutsche Blick auf Arsenal in den folgenden 12 Monaten auf die Abwehrkante fixierte, überzeugte Gnabry in der Reserve und bestätigte Wengers Verdacht, sich mit ihm das nächste verheißungsvolle Talent geangelt zu haben. "Serge ist eine große Hoffnung für die Zukunft. Wenn er sich weiter so entwickelt, wird er in dieser Spielzeit für die Profis auflaufen", prognostizierte das Arsenal-Urgestein im September. Er behielt Recht.
In Acht Minuten zur Hoffnung der Fans
Am achten Spieltag der Premier League gab der deutsche U-17 Nationalspieler sein Debüt für die "Gunners". Den Underdogs von Norwich City unterlagen die Londoner zwar überraschend mit 0:1, doch Gnabrys Auftritt ließ die Fans hoffen: Sie hatten den 17-Jährigen als "German Wunderkind" ausgemacht. Auch Wenger, vom gebürtigen Stuttgarter ehrfürchtig als "Boss" bezeichnet, schlug in dieselbe Kerbe: "Serge war nach seiner Einwechslung einer der gefährlichsten Spieler. Er war sehr auffällig, sein Spiel sah sehr interessant aus."
Zwar stand der Rechtsaußen nur acht Minuten auf dem Platz, doch in denen deutete er sein enormes Talent nachhaltig an. Pfeilschnell und technisch mit allen Wassern gewaschen, weckte er das zuvor eingeschlafene Offensivspiel der "Gunners" auf und suchte selbst den Abschluss. Mit seinem dynamischen Antritt und einer starken Übersicht empfahl er sich für weitere Einsätze.
Und auch wenn er gegen Schalke nicht seinen glücklichsten Auftritt hatte - seine Zeit wird kommen, er hat gute Chancen, bei Arsenal dem Weg vieler Talente zum Star zu folgen.
Ersetzt er Theo Walcott?
Das könnte sogar schneller gehen als gedacht: Theo Walcotts Vertrag läuft im kommenden Sommer aus und bisher ziert sich der Flügelflitzer, seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag zu setzen. Wie in den vergangenen Jahren droht Wenger damit der erneute Abgang eines etablierten Spielers, den er - wie so häufig - mit dem Vertrauen in ein hoffnungsvolles Juwel aufzufangen hofft.
Acht Minuten sind zwar definitiv zu wenig um die Premier-League-Tauglichkeit nachzuweisen, doch Gnabry hat seinem "Boss" gezeigt, dass er bereit ist für den nächsten Karriereschritt. Und dem scheint ihm Wenger zuzutrauen: Bereits im September meldete er den Rechtsfuß für die Champions League.
Christoph Volk
