Unglaublich, aber wahr: Am Ende stand es zwischen Deutschland und Schweden 4:4Für die deutsche Nationalmannschaft war es eine Premiere. Einen 4:0-Vorsprung hatte zuvor noch niemand mit dem Adler auf der Brust verspielt. Umso bitterer war es, dass es am Dienstagabend in Berlin am Ende 4:4 gegen Schweden hieß.
"Das darf nie im Leben passieren", stöhnte Bastian Schweinsteiger. "Ich habe so etwas noch nie erlebt."
Auch der Vize-Kapitän konnte die Ordnung nicht aufrechterhalten. Schweinsteiger ging in seinem 97. Länderspiel mit all den anderen unter. "Man kassiert ein Tor, ein zweites hinterher, dann bricht alles zusammen. Das darf einer Spitzenmannschaft nicht passieren", schilderte Lahm.
Die Analyse des Kapitäns stimmte, den kollektiven Systemausfall und das Comeback der Schweden verhindern konnte er ebenfalls nicht.
Allein sind die DFB-Kicker mit ihrem Schicksal aber nicht. Die "High 5" der unglaublichsten Comebacks der Fußball-Geschichte:
Platz 5: Angola - Mali, Afrika Cup 2010, Ergebnis: 4:4
Den Fans aus Mali, die die Reise nach Angola angetreten hatten, nahm es niemand übel, dass sie zwölf Minuten vor Abpfiff das Stadion verließen. Ihre Mannschaft lag im Eröffnungsspiel des Afrika Cups 2010 mit 0:4 hinten.
Sie verpassten eine wahnsinnige Aufholjagd - und vier Tore innerhalb von elf Minuten. Seydou Keita (2), Frederic Kanoute und Mustapha Yatabare erzielten die Treffer und vermasselten damit dem Gastgeber die Auftaktparty.
Platz 4: ManUnited - FC Bayern, Champions-League-Finale 1999, Ergebnis 2:1
Jedem Bayern-Fan zerreißt es noch heute das Herz, wenn er an das Drama von Barcelona 1999 denkt. Noch nie gab es davor in so kurzer Zeit einen Wechsel zwischen grenzenloser Euphorie und totaler Verzweiflung.
Bayern führte durch das Tor von Mario Basler mit 1:0 und hatte das Spiel vollkommen im Griff - bis zur letzten Minute. Nach einer Ecke fiel der Ball dem eingewechselten Teddy Sheringham auf den Schlappen und bevor sich die Münchner ordnen konnten, verwertete Ole Gunnar Solskjaer die nächste Ecke.
Abwehrspieler Sammy Kuffour weinte bitterlich auf dem Rasen, United-Coach Sir Alex Ferguson fasste das dramatische Ende kompakt zusammen: "Football. Bloody hell."
Platz 3: Tottenham Hotspur - ManUnited, Premier League 2001, Ergebnis 3:5
Wieder eine Aufholjagd - wieder die "Red Devils". Tottenham, damals graue Maus in England, spielte befreit auf und den großen Favoriten in der ersten Halbzeit an die Wand. Les Ferdinand und Dean Richards waren erfolgreich - selbst Christian Ziege traf!
Nach dem Seitenwechsel trauten die Fans an der White Hart Lane ihren Augen nicht, weil sie ihre Mannschaft nicht wiedererkannten. Was eben noch lief, war nun desaströs. Andy Cole, Laurent Blanc und Ruud van Nistelrooy egalisierten mit ihren Toren die Partie kurzerhand. Die Treffer von Juan Sebastian Veron und David Beckham kamen weiteren Ohrfeigen gleich.
Platz 2: U17 Portugal - U17 Kamerun, WM 2003, Ergebnis: 5:5
Dieses Comeback ist nur sehr schwer zu toppen, auch wenn es letztlich kein Happy End gab. Portugal reichte ein Remis, um sich für das Viertelfinale zu qualifizieren. Kamerun musste gewinnen. Blöd für sie war nur, dass die Afrikaner bis zur 65. Minute mit 0:5 zurücklagen.
Es folgte das Unfassbare: Drei Tore in sechs Minuten brachten Kamerun plötzlich zurück ins Spiel. Joel Nguemo verkürzte zwei Minuten vor Ende auf 4:5, ehe Etoundi Mbia in der letzten Minute einen Volley zum Ausgleich in die Maschen hämmerte. Quasi mit dem Schlusspfiff kamen die "Löwen" noch einmal vor das Tor der Portugiesen - und der Ball klatschte an die Latte.
Platz 1: FC Liverpool - AC Mailand, Champions-League-Finale 2005, Ergebnis: 5:6 n.E.
Viel größer als ein Endspiel in der "Königsklasse" ist im Fußball kaum etwas. Warum sollte es also nicht Schauplatz für das unglaublichste Comeback sein?
Liverpool startete desaströs, durch Tore von Paolo Maldini (1.) und Hernan Crespo (39., 43.) lagen die Reds zur Halbzeit mit 0:3 hinten. Keiner hat geglaubt, dass sich die Italiener den Henkelpott noch aus der Hand nehmen lassen.
Doch mit dem eingewechselten Didi Hamann, gehandicapt durch einen angebrochenen Zeh, kam die Wende: Im zentralen Mittelfeld trieb er das Spiel an - Steven Gerrard (54.), Vladimir Smicer (56.) und Xabi Alonso (60.) schockten Milan. Mit letzter Kraft bäumten sich die Rossoneri auf, Keeper Jerzy Dudek vereitelte zwei Großchancen von Andrej Schewtschenko. Auch im Elfmeterschießen wuchs Dudek über sich hinaus wurde zum Matchwinner.
"Uns hat der Teamgeist angetrieben. Wir haben stets an uns geglaubt", erinnert sich Hamann heute an den Coup.
