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    Spektakuläre Aufholjagden und verrückte Wenden

    Der FC Arsenal gewann ein denkwürdiges Pokalspiel in Reading mit 7:5Der FC Arsenal gewann ein denkwürdiges Pokalspiel in Reading mit 7:5

    Einige Fußballspiele kann man auf rationale Art und Weise weder verstehen noch erklären, und Arsenals schier unglaublicher 7:5-Auswärtssieg in Reading gehört zweifelsohne dazu. Es war eine Mischung aus Chaos und Brillanz.

    Der Beweis, dass wir wahrhaftig Zeuge eines denkwürdigen Spiels wurden, war der Moment als Marouane Chamakh in der Nachspielzeit der Verlängerung das Tor zum 7:5 erzielte.

    Der Marokkaner, der zum ersten Mal seit Januar in der Startelf stand, hob den Ball gefühlvoll über Readings Torwart Adam Federici hinweg ins Tor. Das war der Schlusspunkt einer Partie, die in den Geschichtsbüchern des Fußballs ihren Platz sicher zu haben scheint.

    Dass es sich um ein besonderes Spiel handeln würde, war bereits frühzeitig abzusehen, Arsenal schickte eine Mischung aus Nachwuchstalenten und Ersatzspielern auf den Rasen. Dennoch: Wie konnte Arsenal gegen eine B-Mannschaft von Reading mit 0:4 in Rückstand geraten? Wie brachte es das Heimteam andererseits fertig diese Führung wieder zu verspielen - mit dem Ausgleichstreffer von Theo Walcott in der sechsten Minute der Nachspielzeit? Und wie haben es dann beide Teams wiederum geschafft, noch einmal vier Tore in der Verlängerung zu erzielen beziehungsweise zuzulassen?

    Dieser verrückte Spielverlauf schien auch die Köpfe der Akteure etwas durcheinander gewürfelt zu haben. Denn am Ende dieser pulsierenden 90 Minuten warfen Francis Coquelin und Olivier Giroud  freudetrunken  ihre Trikots in ihren jubelnden Fanblock, um wenig später die Anhänger bitten zu müssen, die Shirts doch möglichst wieder zu bekommen, da es anstatt eines Wiederholungsspiels mit einer Verlängerung weiterging.

    Es war zweifellos eines der unglaublichsten Spiele in der 16-jährigen Amtszeit von Arsene Wenger, aber es hatte auch das Potential einer der schwärzesten Momente seiner Trainerkarriere zu werden.

    Doch es gab noch einige unfassbare Spielverläufe mehr in der Fußball-Historie. Die "High 5" der spektakulärsten Aufholjagden der Geschichte:

    Platz 5: Zeytinburnuspor - Galatasaray Isatanbul, Türkische Süper Lig 1995, Ergebnis: 3:7

    Die Saison 1994/95 begann für Galatasaray Istanbul ganz anders als gewünscht. Nach drei Niederlagen wurde der deutsche Trainer Reinhard Saftig entlassen. Dadurch verpasste er am letzten Spieltag der Saison das wohl denkwürdigste Spiel von Galatasaray.

    Bei Zeytinburnuspor geriet der Meister der vorherigen beiden Jahre schnell mit 0:3 ins Hintertreffen. Nachdem kurz vor dem Seitenwechsel der Anschlusstreffer gelang, kam der türkische Traditionsklub wie verwandelt aus der Pause und fegte wie ein Orkan über den Gegner hinweg. Saffet mit einem Hattrick und Hakan Sükür machten gemeinsam mit ihren Teamkollegen in der zweiten Halbzeit aus dem 1:3 noch einen 7:3-Kantersieg.

    Platz 4: VfL Bochum - FC  Bayern München, Bundesliga 1976, Ergebnis: 5:6

    Auch in der Bundesliga gab es unglaubliche Wenden, liegt die spektakulärste von ihnen auch schon einige Jahre zurück. Der VfL Bochum erarbeitete sich im heimischen Ruhrstadion eine 4:0-Führung, ehe die heutigen Macher beim FC Bayern ihre sportlichen Qualitäten unter Beweis stellten. Neben Gerd Müller drehte vor allem ein glänzend aufgelegter Karl-Heinz Rummenigge die Begegnung zum 5:4. Bochum kam in Unterzahl noch einmal heran und glich aus, doch Uli Hoeneß machte mit dem 6:5 das Comeback des deutschen Rekordmeisters perfekt.

    Platz 3: Olympique Marseille - HSC Montpellier, Ligue 1 1998, Ergebnis: 5:4

    Viele Fans sind noch heute davon überzeugt, dass die Partie zwischen Marseille und Montpellier kurz vor der Heim-WM das beste Spiel aller Zeiten in Frankreich war. Das Olympique-Starensemble um Robert Pires, Florian Maurice und Christophe Dugarry geriet daheim mit 0:4 in Rückstand, ehe die Elf von Rolland Courbis eine bemerkenswerte Aufholjagd startete. Eric Roy erzielte nach glänzender Vorarbeit von der "Grauen Feder" Fabrizio Ravanelli den Ausgleich zum 4:4. Dem heutigen französischen Nationaltrainer Laurent Blanc war es dann vorbehalten mit dem 5:4 in der Nachspielzeit die Partie endgültig zugunsten von OM zu drehen.

    Lionel Messi musste sich im Clasico 2007 in harten Zweikämpfen behauptenLionel Messi musste sich im Clasico 2007 in harten Zweikämpfen behaupten

    Platz 2: FC Barcelona - Real Madrid, La Liga 2007, Egebnis: 3:3

    Heute ist er DER Superstar im Weltfußball. Natürlich war Lionel Messi auch damals kein Unbekannter mehr, doch der Stern des argentinischen Dribblers ging beim FC Barcelona so richtig während des Clasicos 2007 auf. In dieser Nacht im Camp Nou stemmte sich Messi beinahe im Alleingang gegen die übermächtig erscheinenden Erzrivalen von Real Madrid. Dreimal gingen die Königlichen in Führung, dreimal war es das Wunderkind aus Argentinien, das in unnachahmlicher Manier den Ausgleich erzielte. Spätestens seit diesem Spiel war sich das argentinische Fußballvolk sicher, den legendären Nachfolger von Diego Maradona gefunden zu haben.

    Platz 1: FC Energie Cottbus - Karlsruher SC, 2. Bundesliga 2010, Ergebnis: 5:5

    Jeder Fußballfan, der dieses Spiel nicht sehen konnte, hat etwas verpasst. Die auf den ersten Blick unspektakulär anmutende Begegnung zwischen Cottbus und Karlsruhe in der 2. Bundesliga hatte einen einmaligen Spielverlauf zu bieten. Bereits nach 19 Sekunden schoss der heutige Bremer Nils Petersen Energie in Führung, Marc-Andre Kruska  erhöhte nach einer Viertelstunde. Vollkommen überraschend riss dann aber der Faden im Cottbuser Spiel und der KSC spielte groß auf. Mit schnell vorgetragenen Angriffen verwandelte der KSC den Rückstand in eine 4:2-Pausenführung, die Tim Staffeld in der zweiten Halbzeit sogar auf 5:2 erhöhte. Doch ebenso überraschend wie in der ersten Halbzeit sollte sich die Begegnung ein zweites Mal entscheidend wenden. Die Hausherren bekamen mit dem 3:5 von Jiayji Shao die berühmte zweite Luft. Jules Reimerink gelang schließlich der Ausgleich zum 5:5. Nach diesem Torfestival hatte der Spielverlauf auch noch eine letzte Überraschung parat: In der Schlussviertelstunde fiel kein weiteres Tor mehr, so dass es beim 5:5 blieb.

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