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    Clásico: Geisteskrank bis Schweinekopf

    Bernd Schuster 1989 im Trikot von Real Madrid.Alle Augen der Fußball-Fans richten sich an diesem Wochenende in die katalanische Hauptstadt. "El Clásico" wirft einen gewaltigen Schatten voraus. Die Brisanz dieses Duells nahm in der Madrider-Ära unter Trainer José Mourinho weiter zu und durch die Tabellenkonstellation in dieser Saison erreicht sie einen neuen Höhepunkt.

    Beide Teams sind gespickt mit absoluten Weltstars - allen voran Lionel Messi und Cristiano Ronaldo, die sich mit jeweils 41 Saisontoren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Torjäger-Krone liefern. Der "Clásico" hat viele große Spieler gesehen — hier fünf Auserwählte, die das Trikot beider Vereine trugen.

    1. Bernd Schuster

    Der "blonde Engel" wechselte nach einem Streit beim 1. FC Köln bereits als 20-Jähriger nach Barcelona. Von 1980 bis 1986 spielte Schuster bei den Katalanen. Zwei Jahre lang war sein Zimmergenosse Megastar Diego Armando Maradona. Angetrieben von den beiden genialen Mittelfeldspielern gelang Barca 1986 der Einzug ins Finale des Europapokals der Landesmeister. Coach Terry Venables nahm seinen Kapitän zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit vom Platz. Der Deutsche war außer sich, flüchtete aus dem Stadion und hörte in einem Taxi, wie sein Team das Spiel im Elfmeterschießen verlor. Schuster hatte in Barcelona noch einen Vertrag, saß jedoch die komplette folgende Saison nur auf der Tribüne. Die Führungsriege versuchte alles, um Schuster loszuwerden. Sogar ein psychologisches Gutachten wurde erstellt. Dieses sollte belegen, dass Schuster geisteskrank sei. Im Endeffekt klagte der in Ungnade gefallene Star gegen den Verein, spielte in der Spielzeit 1987/88 unter dem neuen Trainer Luis Aragones aber noch 30 Mal für die "Blaugrana", ehe er ausgerechnet zum Erzrivalen nach Madrid wechselte. In der Hauptstadt blühte der Augsburger auf und gewann an der Seite von Emilio Butragueño und Hugo Sanchez zwei Meisterschaften bevor er 1990 zum Stadtrivalen Atlético weiterzog.

    2. Samuel Eto'o

    Der Kameruner bestritt für die "Königlichen" in der Saison 1999/00 seine einzigen drei Einsätze. Insgesamt 56 Minuten Pflichtspielminuten, allesamt in der Champions League, absolvierte er im Real-Trikot ehe es ihn zu RCD Mallorca zog. Dort reifte der Stürmer zu internationaler Klasse und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Barcelona. Für die Katalanen erzielte der heute 31-Jährige in 196 Partien stolze 129 Tore. Für die Madrilenen, die sein Talent verkannten, hatte Eto'o auf der Meisterfeier 2005 einen Seitenhieb übrig: "Madrid, cabrón, saluda al campeón!" ("Scheiß-Madrid, huldige dem Meister").

    3. Luis Enrique

    Nach sechs erfolgreichen Jahren bei Real Madrid, in denen er vom Nachwuchs- zum Nationalspieler reifte, wagte er 1996 den Wechsel zum Erzrivalen. Die Fans standen dem neuen Mittelfeldspieler zunächst äußerst misstrauisch gegenüber. Als er 1997 im "Clásico" gegen seinen Ex-Club traf, schwand die Skepsis und Enrique wurde mehr und mehr zum Aushängeschild und Fan-Liebling der Katalanen. Selbst die Kapitänsbinde wurde ihm zuteil. Nach dem Karriereende 2004 pausierte der heutige Trainer des AS Rom, bis er dem Lockruf "seines" Vereins folgte und trainierte mit großem Erfolg seit 2008 die Reservemannschaft "Barcas".

    4. Ronaldo

    Der Brasilianer kam 1996 mit 19 Jahren als Torschützenkönig der holländischen Liga zum FC Barcelona und wurde auf Anhieb bester Torschütze Spaniens. Er blieb nur ein Jahr bei "Barca", erzielte in 44 Pflichtspielen stolze 39 Tore — darunter den Siegtreffer im Europapokal der Pokalsieger. Über Inter Mailand, wo der Brasilianer durch viele Verletzungen gebeutelt eine schwere Zeit hatte, kehrte er im Jahr 2002 nach Spanien zurück. Bei Real fand er schnell zu alter Stärke zurück und wurde erneut zum Weltfußballer des Jahres gewählt. In fünf Jahren im Dress der Madrilenen machte er 142 Spiele, in denen er 86 Mal traf. Sein Ende bei den "Königlichen" kam unter Fabio Capello, der auf Ruud van Nistelrooy im Sturmzentrum baute. Für "Il Fenomeno" unendlich lange 215 Tage traf der Brasilianer nicht für seinen Club und wechselte 2007 schließlich zum AC Mailand.

    5.  Luis Figo

    Der Rechtsaußen kam mit 22 Jahren für 2,5 Millionen Euro von Sporting Lissabon nach Barcelona. Fünf erfolgreiche Jahre später folgte der Wechsel für geschätzte 60 Millionen Euro zum Erzrivalen nach Madrid. Real-Präsident Florentino Pérez lockte die Identifikationsfigur der Katalanen mit einem saftigen Scheck und der Portugiese konnte nicht widerstehen. Die "Barca"-Fans ließen ihren ehemaligen Liebling bei seiner Rückkehr ins Camp Nou mehr als deutlichen spüren, was sie von ihm hielten. Im Jahr 2002 geht Figo im "Clásico" zum Eckball. Gegenstände flogen und Carlos Puyol war gezwungen, einzugreifen und die Anhänger zu beruhigen. Als der Portugiese letztlich zur Ecke schreitet, staunte er nicht schlecht, denn vor seinen Füßen lag ein Schweinekopf.

    Mal sehen, was der "Clásico" diesmal zu bieten hat. Starke Charaktere sind genug dabei, die der Begegnung die nötige Würze geben. Anstoß ist um 20:00 Uhr im Camp Nou und ab 19:30 Uhr geht es im Live-Ticker von eurosport.yahoo.de los!

    Sebastian Kunze

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