Was war das eigentlich für eine Kehrtwende im Fall Rooney? Auch ich habe mich über die Geschehnisse bei Manchester United gewundert.
Meine Erklärung: Dem Verein wurden die möglichen Folgen eines Rooney-Abschieds erst bewusst, nachdem der Stürmer öffentlich seinen Weggang angekündigt hatte. Ohne ihn wäre es wohl umso schwerer gewesen, sich in Manchester gegen den aufstrebenden Rivalen City behaupten zu können. Außerdem hätte es dem Image dieses Top-Klubs arg geschadet, wenn er einen Spieler, der sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet, hätte abgeben müssen.
Dass er wegen seiner privaten Probleme den Verein hätte verlassen müssen, glaube ich nicht. Denn die Skandale interessieren doch nur die Klatschpresse, nicht aber die Fußball-Fans. Für die ist es wichtiger, was auf dem Platz passiert. Und als Fußballer ist er ein Vorbild. Er kann Dinge am Ball, die man selbst nicht kann. Deshalb bin ich mir auch sicher, dass ihn die United-Fans weiter lieben werden. Wenn du auf dem Platz außergewöhnliche Leistungen bringst, vergeben dir die Leute alles.
Wir bei Arsenal haben übrigens nie darüber nachgedacht, ihn zu verpflichten. Erstens sind wir im Sturm schon gut besetzt, und zweitens könnten wir ihn nicht im Traum bezahlen. Er wird also weiter versuchen, uns zu ärgern. Und wir schauen, dass wir ihn daran hindern.
Macht Zidane das Richtige?
Meinen Landsmann Zinédine Zidane zieht es ja mittlerweile auch wieder zurück auf den Platz. Da unterscheidet er sich nicht von vielen anderen ehemaligen Fußballstars. Manche arbeiten für die Medien, manche für Sponsoren, viele aber auch als Trainer. Ich habe den Eindruck, als ob er demnächst auch ins Trainergeschäft einsteigen will. Aber er muss das letztendlich für sich selbst entscheiden.
Meiner Meinung nach tun sich Trainer, die einmal großartige Spieler waren, häufig schwer in ihrem neuen Job. Vielen von ihnen fehlt die Geduld, mittelmäßige Spieler weiter nach vorn zu bringen. Vielleicht wäre es für Zidane ja wirklich das Beste, gleich bei einem ganz großen Klub anzufangen.
In der Champions League möchten wir uns mit Arsenal so schnell wie möglich für das Achtelfinale qualifizieren; am besten natürlich als Gruppensieger. Deshalb werde ich im nächsten Spiel bei Schachtjor Donezk auch meine stärkste Mannschaft aufbieten.
Zu den stärksten Spielern in der "Königsklasse" zählt für mich Gareth Bale von Tottenham Hotspur; und das nicht erst seit seinem Hattrick gegen Inter Mailand. Er ist ein Ausnahmespieler, von dem wir noch sehr viel hören werden. Wie lange ihn die Spurs halten können, vermag ich nicht zu sagen. Für mich haben sie jedenfalls das Zeug dazu, sich in ihrer Gruppe hinter Inter für das Achtelfinale zu qualifizierten. Ich sehe Tottenham im Kampf um Platz zwei gegen Werder leicht im Vorteil.
Milan fehlt die Balance
Etwas enttäuscht bin ich dagegen vom AC Mailand. Sie haben viele gute Offensivspieler, ihnen fehlt aber noch die richtige Balance zwischen Angriff und Verteidigung. Keiner bezweifelt die Fähigkeiten von Pato, Ibrahimovic, Ronaldinho, Pirlo oder Seedorf. Aber sie allein bilden noch keine ausgeglichene Mannschaft. Dennoch habe ich höchsten Respekt vor Milan. Sie haben viele erfahrene Spieler und sind vor dem Tor sehr effektiv.
Wenig Chancen auf das Achtelfinale räume ich den Glasgow Rangers ein, nachdem sie zu Hause gegen Valencia nur Remis gespielt haben. Die Spanier haben einfach mehr Qualität als die Schotten. Die Rangers haben das gleiche Problem wie Celtic. Sie leiden unter den geringen TV-Einnahmen der schottischen Liga und müssen sich daher hauptsächlich aus den Zuschauer-Einnahmen finanzieren. Das reicht aber nicht für den Europapokal.
In diesem Sinne, schöne Grüße
Arsène Wenger
