WAS IHRE FREUNDE LESEN

    Um Reifenbreite

    Mitarbeiter des Monats

    Wie eine Ersatzfamilie kommen einem die Fahrer
    nach drei Wochen Tour vor: So viel hat man über sie gelesen, gehört und
    erzählt. So lange hat man sie von den Poldern bis zu den Pyrenäen begleitet,
    durch Gluthitze und Nebelbänke.

    Deshalb zum Abschluss eine Würdigung all'
    jener, die den Juli 2010 auf spezielle Weise für mich geprägt haben: Subjektiv,
    unvollständig & nicht immer ernst.

    Sylvain
    Chavanel
    : Das Comeback der Saison - zwei Monate nach
    Schädelbruch zweifacher Etappensieger, zweimal im "maillot jaune" und
    "Super-Kämpfer": Eine der großen Geschichten dieser Tour.

    Xavier
    Florencio
    : Muss man auch erst mal schaffen: Abgereist,
    bevor die Tour auch nur anfing. Ersparte sich, dem Team und uns aber so einen
    möglichen Dopingfall, in dem der Erklärungsversuch für fürchterlichste Kalauer
    gesorgt hätte. 

    Robbie
    McEwen
    : Sturz, Tetanus-Impfung, Bodycheck vom
    TV-Helfer im Ziel: Er hatte wahrlich schwer einzustecken. Mächtig Respekt also
    vor dem Altmeister, der dabei dennoch schneller sprintete als viele jüngere
    Rivalen mit Teamunterstützung. Grandios sein Wheelie am Gipfel des Tourmalet
    nach überstandener Qual in den Bergen.

    Chris
    Horner
    : Tja, wer hätte gedacht, dass in Paris nur ein
    Fahrer von RadioShacks Starensemble in den Top Ten landet - bitte melden! Und
    wer dabei auf den 37-Jährigen tippte: Hut ab!

    Cadel
    Evans
    : Was für ein Drama um den zweifachen Zweiten -
    wer hat nicht mit dem Australier gelitten, der Gelb so tragisch abgeben musste?
    Er steht aber auch für alle (und das waren diesmal viele), die sich mit Brüchen
    über die Etappen quälten. 

    Jeremy
    Hunt
    : Tour-Debüt mit 36: Glückwunsch zur erfolgreich
    absolvierten Premiere. Gilt für alle Neulinge, auch jene, die seine Kinder sein
    könnten.

    Bert
    Grabsch
    : Neben der Liste der meisten
    Ausreisser-Kilometer sollte auch ein Klassement der ausdauerndsten
    "Kilometerfresser" vorne im Feld geführt werden. Da wäre der
    Zeitfahr-Spezialist zusammen mit Teamkollege Svitsov ganz vorn dabei. Hätten dafür mal
    die "rote Rückennummer" verdient gehabt.

    Carlos
    Barredo
    : Sein Einsatz eines Laufrades als
    Argumentationshilfe im Duell mit Rui Costa ist schon jetzt ein Klassiker. Seine
    wahre Strafe: Wurde in Pau nach 40 Kilometer Einzelzeitfahren kurz vor dem Ziel
    eingeholt. 

    Christian
    Vandevelde
    : Bleibt der große Pechvogel unter den
    Top-Rundfahrern der letzten Jahre. Ich hätte gerne gesehen, wie der Kampf ums
    Podium mit ihm und natürlich auch Frank Schleck ausgegangen wäre.

    Niki
    Terpstra
    : Bitter, dass sich der niederländische
    Meister vor seinen Fans nicht zeigen konnte und die Tour nach nur drei Tagen
    krank verlasen musste. Milrams Tour-Bilanz hätte ihn gut brauchen können.

    Tony
    Martin
    : Einerseits weit hinter den Erwartungen zurück.
    Aber eben in den Zeitfahren auch zweimal der einzige echte Rivale für
    Cancellara. Hätte irgendwie einen der Siege verdient gehabt.

    Ryder
    Hesjedal
    : Die Entdeckung der Tour. Vertrat seinen
    ausgefallenen Kapitän bestens. Wiggins dürfte höchst neidisch sein eigenes Abschneiden
    mit dem des Kanadiers verglichen haben.

    Tyler
    Farrar:
    Ist, falls das irgendwie unterging in den letzten drei
    Wochen, Sprinter im Team Garmin-Transitions...

    Christophe
    Moreau
    : Die längste Zunge Frankreichs wird mir fehlen.
    Nach der 15. Tour sagt er "adieu": Trotz des Sprints auf Etappe 10
    nach Bergpunkten, die es nicht mehr gab - er hat sich stark verkauft.

    Anthony
    Charteau
    : Chapeau Chartrix - der kleine unbeugsame
    Gallier nahm es mit Anstiegen jeder Art in allen Gebirgszügen auf. Wer wäre vor
    vier Wochen auf ihn als Bergkönig gekommen?

    Fabian
    Cancellara
    : Definitiv ohne Hilfsmotor der Zeitfahrsieger,
    endlich auch mal über die Langdistanz bei der Tour. Stellte sich in Spa und
    Arenberg mustergültig in den Dienst seiner Kapitäne, das muss auch jeder
    Kritiker seiner Neutralisierung anerkennen.

    Thor
    Hushovd
    : Bei allen Diskussionen über Schlecks Kette
    & die Folgen: Wäre in Spa gesprintet worden, hätte der Norweger in Paris
    wieder Grün getragen.

    Andy
    Schleck
    : Danke für eine tolle Tour mit einem Duell bis
    zum Schluss. Kletter- und nervenstark, dazu angriffslustig und leidensfähig -
    der Luxemburger wird sicher nicht als "ewiger Zweiter" enden.

    Alberto
    Contador
    : Tränen und Schwächen haben den Dominator von
    2009 menschlicher und damit sympathischer wirken lassen. Dank Klasse &
    Cleverness wieder der Sieger - doch nochmal kommt er so knapp nicht davon.

    Mark
    Cavendish
    : Man muss ihn nicht mögen, aber seine
    Extraklasse ist einfach ein Ereignis. Respekt, wie er dem immensen Druck
    standhielt, später auch ohne Anfahrer dominierte - und mit seinen Tränen auch
    mal einen Blick hinter die Fassade des großmäuligen Rüpels gab, der er vielleicht gar
    nicht ist.

    Mark
    Renshaw
    : Immer wieder wird gefordert, die Leute sollen
    mit Köpfchen fahren. Aber wenn sie's dann machen, schmeißt man sie raus.

    Jens
    Voigt
    : Glück im Unglück bei einem üblen Sturz.
    Stellte sofort den Highscore an Verletzungen bei dieser Tour auf, obwohl die
    Messlatte diesmal sehr hoch lag. Das Foto des geschundenen Recken auf dem
    kleinen gelben Ersatzrad ist eines der Bilder dieser Tour.

    Nicolas
    Roche
    : "Wenn John Gadret heute tot in seinem
    Hotelzimmer gefunden wird, bin ich wahrscheinlich der Hauptverdächtige."
    Mein Zitat der Tour.

    Und wer waren Ihre "Helden der
    Arbeit", wer hat sie in diesen drei Wochen überrascht, begeistert,
    aufgeregt?

     

    Ich verabschiede mich von der Tour 2010: Danke
    an dieser Stelle für drei Wochen Interesse, Diskussionen und Kritik! Ich werde mich
    hier natürlich weiter zu Wort melden - aber die Frequenz ein wenig reduzieren,
    auch wenn Schlaf überbewertet wird...

     

    Viele Grüße aus Paris, Andreas Schulz

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