Er ist der heimliche Held und der Dauerbrenner dieser ersten Tourtage: Auf jeder Etappe macht er sich auf den Weg, und in jedem Zielort klettert er dann aufs Podium und lässt sich feiern. Nein, ich spreche nicht von Bernard Hinault.
Das Tour-Debüt von Michael Morkov ist schon jetzt ein voller Erfolg. Der Däne hat sich mit cleverer und mutiger Fahrweise das Bergtrikot erst erobert und dann dafür gesorgt, dass er es die ganze erste Woche durch bis zur ersten Bergankunft tragen wird.
Denn mit seinen pausenlosen Attacken hat er schon jetzt so viele Punkte auf dem Konto, dass ihn bis zum 7. Teilstück niemand mehr entthronen kann. "Diesen Erfolg werde ich jetzt erst einmal bis Samstag genießen. Danach habe ich kaum noch Chancen auf das Trikot", so Morkov.
Ich frage mich aber eher, ob der 27-Jährige dann noch dabei ist. Denn so wie er hier ungebremst aufdreht, scheint er noch nicht im Tour-Modus zu sein, sondern wähnt sich vielleicht noch in seinem eigentlichen Element: Morkov ist ein absolutes Ass der Sechstage-Szene und donnert bislang durch die Tour, als wär er im üblichen Dauereinsatz auf einem Velodrom. Dass nach drei Tagen noch nicht Halbzeit ist, sondern noch fast 3000 Kilometer übrig sind, traut sich möglicherweise niemand dem mehrfachen Bahn-Weltmeister zu verraten.
"Ich hole ihn selbst zurück!"
An die Sixdays dürfte ihn das bunte Bergtrikot ja auch erinnern, da sind die wildesten Farbkombinationen mehr als üblich - nur langsam fragt er sich wohl heimlich, wann denn endlich die Ablösung kommt, wo nur sein Partner Alex Rasmussen bleibt...
Auch Teamchef Bjarne Riis schwankt zwischen Begeisterung und Verwunderung über seinen Schützling. "Es ist toll, wie er das Team ins Rampenlicht rückt. Er hätte sogar eine Etappe gewinnen können, aber das Bergtrikot zu haben ist vielleicht sogar noch besser." In jedem Fall ist es die perfekte Lösung für das Team, das ansonsten in der ersten Tour-Woche gegen Cancellara, Sagan und Cavendish keine Chance auf Tagessiege gehabt hätte - Erfolge aber so dringend wie kaum ein Rennstall braucht.
Riis droht aber Morkov auch, der sein Temperament zügeln muss, wenn er tatsächlich weiter als Tag sechs kommen will: "Ich wollte gestern schon nicht, dass er attackiert - aber er hat es trotzdem getan. Wenn er auf der 4. Etappe wieder angreift, steige ich aufs Rad und hole ihn selbst zurück!"
Vielleict ging es Morkov gestern als Frage der Ehre darum, endlich auch mal die rote Rückennummer für den kämpferischten Fahrer zu ergattern - das gelang dann auch tatsächlich im dritten Anlauf.
War noch was?
Ja, die Entlastung für einen der eifrigsten Angreifer der letzten Tour: Mickael Delage war wegen fragwürdigen Kortisonwerten unlängst zu zwei Wochen Pause gezwungen worden. Jetzt ergaben Analysen, dass er tatsächlich nur einen zugelassenen Asthma-Spray benutzte und das Kortison nicht aus anderen, verbotenen Quellen stammte. Die Tour verpasste er deswegen trotzdem, doch sein Ruf ist wieder hergestellt.
Tweet des Tages: Noch Fragen zum Thema Kampfgeist und Leidensfähigkeit? Robert Gesink preist mit Recht seinen Teamkollegen Marten Tjallingii.


