Der Typ war sauer, dazu musste man kein Experte sein. Ein Blick auf den blutverschmierten Tyler Farrar bei seiner langsamen Fahrt auf der Zielgeraden genügte. Was kann noch bitterer für einen Sprinter sein, als eine Sprintetappe als Letzter zu beenden?
Eben.
Stürze kommen vor, fast jeder seiner Rivalen hat das in der ersten Tour-Woche schon erleben müssen. Für den US-Profi aber war es auf der fünften Etappe bereits der vierte Bodenkontakt. Erst einen Sprint hat er bislang mitfahren können — und da wurde er mehrfach ausgebremst und am Ende Zehnter. Dass sein letzter Sieg seit gestern auch schon ein Jahr her ist, dürfte das Kraftpaket auch nicht gerade zusätzlich entspannt haben.
Nun also wieder nix — außer neuer Schmerzen. Sein Blick auf den letzten Metern hatte etwas von Michael Douglas in "Falling down": Ich. will. doch. nur endlich. mal. einen. Sprint. fahren!
Schuldig an seinem Sturz in Saint Quentin war aus Sicht des 28-Jährigen diesmal Tom Veelers aus der Argos-Mannschaft. Und dummerweise standen hinter dem Ziel dann die Teambusse von Garmin und Argos nebeneinander — und es kam, wie es kommen musste...
Schnurstracks marschierte Farrar zur mobilen Behausung der niederländischen Mannschaft und hatte schon einen Fuß auf der Treppe hinein in den Bus, bis ihn die Argos-Mannen zurückhalten konnten. Er wolle doch nur ein Gespräch unter Männern, so der Wahl-Belgier.
Doch bevor es dieses Kamingespräch geben konnte, waren auch schon Mitglieder der Garmin-Truppe an den Ort des Geschehens geeilt, angeführt von Teamchef Jonathan Vaughters. "Easy, Tyler" beruhigte er seinen Schützling — eine Klopperei hätte ihm am Tag des Wirbels über die Armstrong-Zeugenaussagen gerade noch gefehlt.
Und das "Ruhig, Brauner", wirkte, Farrar ließ sich zahm abführen, hinterließ nur noch als Botschaft dass "man sowas nicht macht". Wobei, offen gestanden, das Videostudium eher den Fehler bei Farrar selbst oder einem Lampre-Fahrer erkennen lässt als bei den Argos-Jungs — entscheiden Sie selbst:
War noch was?
Ja — fast hätten wir völlig unerwartet den ersten Ausreißer-Coup der Tour 2012 gesehen. Der Massensprint war schon gebucht, doch die vier Ausreißer gaben nicht auf und der Sturz im Feld verschaffte ihnen ein paar zusätzliche Sekunden. Matthieu Ladagnous muss das irgendwie bekannt vorgekommen sein: Bei seiner ersten Tour 2007 war er auch in einer Ausreißergruppe, die nach Compiègne fast das Feld vernascht hätte. Damals wurde er trotz langer Flucht noch Elfter, diesmal Zwölfter. "Wieder haben nur 50 Meter gefehlt", so der Franzose frustriert.
Tweet des Tages: Den steuert heute Greipels Teamkollege Adam Hansen bei. Der Australier verrät, weshalb die Lotto-Jungs so schnell sind:
Bis morgen,
Andreas Schulz

