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    Um Reifenbreite

    Armstrong: Angeschlagen, aber nicht k.o.

    Siebenmal jubelte Lance Armstrong bei der Tour de France - und nun?"Wenn Armstrong sauber ist, ist es das größte Comeback. Wenn nicht, ist es der größte Betrug."

    Die endgültige Antwort auf Greg Lemonds nun schon über zehn Jahre altes Zitat scheint da. Durch den Hinterausgang versucht sich Lance Armstrong vor den Vorwürfen der USADA davonzustehlen.

    Wie ein beleidigtes Kind ruft er noch 'Ich mache nicht mehr mit, ihr und eure Regeln seid alle doof' und hofft irgendwie, dass damit alles aufhört. Dass ihm weiter jemand seine Geschichte vom einzigartigen Athleten glaubt, der in den wohl verseuchtesten Jahren des Radsports das wichtigste Rennen öfter als jeder andere zuvor gewann. "Es gab keine Abkürzungen, keine Sonderbehandlung", fügt er in seiner Erklärung noch einmal an.

    Natürlich wird ihm der harte Kern seiner Fans immer treu zur Seite stehen. Dazu kommen all jene, denen die vielen Feinheiten der endlosen Affären und Verfahren schon lange zu komplex geworden sind und die teilweise lieber Armstrongs einfache Erklärung einer "Hexenjagd" glauben mögen, als sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen.

    Nonsens? Notausgang!

    So kann Armstrong die Anschuldigungen als "Nonsens" bezeichnen, von "null Beweisen" schwadronieren und ein ermüdendes x-tes Mal die zahllosen Tests anführen, die er alle unbeschadet überstanden habe. Doch echte Argumente liefert er nicht.

    Deshalb ist der Mythos nun endgültig entzaubert. In die Ecke gedrängt hatte Armstrong nur noch die Wahl zwischen dem Notausgang der nun von ihm gewählten 'Teil-Kapitulation' oder dem Gang in einen Prozess, dessen Ausgang er wohl sehr gut absehen konnte.

    Denn niemand weiß besser als der Texaner selbst, was die von der USADA aufgebotenen Zeugen enthüllen könnten. Bevor es zum Showdown unter Eid kommt, entzieht er sich also lieber dem Verfahren, das trotz mancher Schwächen ja eben erst von der US-Justiz durchgewunken worden war — gegen seine Klage.

    Es ist ja noch nicht so lange her, dass Armstrong nach der sehr überraschenden Einstellung des Verfahrens der regulären US-Justiz gegen ihn angekündigt hatte, er werde sich nun nie mehr irgendwie mit den üblen Anfeindungen auseinandersetzen — um dann aber gegen die USADA alle Hebel in Bewegung zu setzen, um mit seinen Staranwälten die Antidopingagentur zu stoppen.

    Schadensbegrenzung statt Geständnis

    Und mal im Ernst: Wenn mir jemand ungerechtfertigt und mit wertlosen Beweisen, unglaubwürdigen Zeugen und schwächsten Indizien mein Lebenswerk zerstören will und dazu einen Prozess anstiftet, dann stelle ich mich doch diesem Verfahren und nehme die Gegenseite vor der versammelten Öffentlichkeit nach allen Regeln der Kunst auseinander. Gerade wenn ich Armstrong heiße und schon für viel weniger vor Gericht gezogen bin.

    Selbstverständlich sieht Armstrong in seinem Schritt alles andere als ein Schuldeingeständnis, selbst als Schadensbegrenzung würde er seine Erklärung wohl nie werten — auch wenn sie letztlich genau das ist. Der verzweifelte Versuch, zumindest vor einem Teil der Menschen noch das Gesicht zu wahren, die Legende weiter am Leben zu erhalten.

    Es ist noch lange nicht vorbei

    Spannend wird jetzt, wie der Fall weitergeht. Denn noch ist das Rennen nicht vorbei. Drei der mit Armstrong von der USADA Angeklagten haben im Unterscheid zum 40-Jährigen das Schiedsgerichtsverfahren angerufen. Mal sehen, ob insbesondere Johan Bruyneel auch dabei bleibt... Kommt es in einem der drei Fälle zum Showdown, dürften viele der auch Armstrong betreffenden Zusammenhänge ans Licht kommen. Bruyneel riskiert viel — eine lebenslange Sperre kann sich der Belgier kaum leisten, wenn er weiter im Radsport bei Topteams die Fäden ziehen will.

    Abzuwarten bleibt auch, wie die UCI vorgeht: Welche Ergebnisse und Siege wird Armstrong wirklich verlieren? Tatsächlich alles ab August 1998? Was passiert, wenn der eng mit Armstrong verbandelte Verband die Sicht der USADA nicht teilt? Welche Beweise kommen dann zur Klärung auf den Tisch?

    Und wenn die Tour-Siege offiziell fallen — wie reagieren dann Sponsoren, Konkurrenten, Geschäftspartner? Die Gesellschaft SCA hatte schon angekündigt, dann wohl wieder gegen Armstrong vorzugehen: Bei ihr hatte er einst eine Art millionenschwerer Wette auf seine Tour-Seriensiege abgeschlossen...

    Armstrong droht schon wieder

    Ich glaube nicht, dass wir den Endpunkt der Saga schon gesehen haben. Es ist nun ein Etappensieg auf einem entscheidenden Teilstück gewesen, doch die Champs Elysées sind noch nicht erreicht. Armstrong wird sich nicht zurückziehen und den Dingen ihren Lauf lassen. Er hat sich so lange und so tief in seine Lügengebäude verstrickt, dass ein Geständnis eine völlige Selbstentblößung wäre. Und so kämpft er weiter.

    Unter seiner Erklärung folgte eine ähnliche lange Abhandlung seiner Anwälte, in der das nächste Schlachtfeld schon abgesteckt wird. Abschließend heißt es dort verkürzt:

    "Sollte die USADA öffentlich behaupten gegen Mr. Armstrong eine Sanktion zu verhängen oder fälschlicherweise seine Gründe, kein Schiedsgerichtsverfahren zu beantragen, als etwas anderes darzustellen als die Anerkennung der Autorität und Rechtsprechung der UCI, wird die USADA dafür zur Verantwortung gezogen werden."

    Das passt irgendwie nicht so ganz zu Armstrongs "I turn the page. I will no longer address this issue, regardless of the circumstances", oder?

    Andreas Schulz

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