Hoffentlich auch reich an Erfahrung...
Allein die Vorstellung hat schon reichlich Charme.
Die Gesichter unserer Nationalkicker wären definitiv Bilder für die Ewigkeit!
Ich denke gerade dran, wie es wäre, wenn man dem aktuellen Team die Erfolgsprämie der deutschen Weltmeister von 1954 aushändigen würde.
Wie groß wäre wohl die Freude von Özil, Schweinsteiger, Boateng und Co. über einen nagelneuen Schwarz-Weiß-Fernseher? Dazu noch ein schickes Lederköfferchen und einen schnittigen Motorroller für die Heimfahrt aus Warschau.
Natürlich hinkt der Vergleich. Immerhin haben die Jungs damals in Bern Monsieur Jules Rimet in handlichem Format mit nach Hause gebracht. Für das Halbfinal-Aus bei einer EM kassieren die deutschen Fußballer nun 58 Jahre später 100.000 Euro.
Den Stolz der Fans mit Füßen getreten
"Danke für nix!", denken sich jetzt nicht wenige. Das deutsche Gemüt ist ohnehin sehr empfänglich für die traditionelle Neid-Debatte. Mit Leidenschaft und höchstem Einsatz wird dann auf die "Luxus-Versager" eingeprügelt. Die Spieler werden als ein Haufen verzogener Lümmel dargestellt, die den Stolz der Fans besser treten als den Ball.
In der oberflächlichen Wahrnehmung mag das so wirken, ist aber viel zu kurz gedacht. Denn letztlich fängt der Fisch am Kopf zu stinken an. FIFA, UEFA und auch die nationalen Verbände haben über Jahre hinweg akribisch daran gearbeitet, den Fußball zu entwurzeln, um ihn in den Garten Eden der Turbo-Kommerzialisierung zu verpflanzen.
Für die Fans ist der Fußball eine heilige Kuh. Für die Verbände ebenfalls. Aber nur, weil man sie scheinbar endlos melken kann. Bei Großturnieren wie Welt- und Europameisterschaften bestätigt sich das in einer erschreckend dreisten Offenheit. Die Prämienzahlungen sind da aus ökonomischer Sicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aus Sicht der Fans aber bringt dieser Tropfen das Fass zum Überlaufen.
Nationalspieler im Ehrenamt
Schließlich muss man schon einmal die Frage stellen, warum es für den Erfolg im Nationaltrikot überhaupt einen finanziellen Anreiz geben muss. Das ist schwer vermittelbar. In den Länderauswahlen kickt eine Fußball-Elite, die sich ihre Arbeit in den Klubs schon ordentlich entlohnen lässt.
Da sollte es für den Zeitraum von vier Wochen doch mal möglich sein, sich einfach nur mit sportlichen Zielen zu motivieren sowie dem Bewusstsein um die Bedeutung dieses Trikots. Für die Nationalelf spielen zu dürfen sollte im Kern ein Privileg sein und nicht nur einer von unzähligen weiteren Nebenjobs einer Ich-AG.
Signal an den Nachwuchs, der die Stars vergöttert: es gibt sogar heutzutage noch Dinge, für die sich der Einsatz lohnt, ohne dass man sich dafür bezahlen lässt. Der Nationalspieler im Ehrenamt, wieso denn nicht? Auch so vermittelt man Werte. Mit Prämien-Verhandlungen entwertet man, indem man den Wert in Geld bemisst.
Sieger-Mentalität lässt sich nicht kaufen
Prämien gab es beim DFB zwar schon immer, doch bis auf vereinzelte Ausnahmen waren sich die Adler-Träger ihrer Verantwortung bewusst, die mit der ehrvollen Auszeichnung einer Nominierung einherging. Sieger-Mentalität lässt sich hier nicht erkaufen.
In einer sachwerteorientierten Alltagswelt wird dieses Bewusstsein aber scheinbar mit allerlei luxuriösem Ramsch zugemüllt und von Privilegien überlagert, bei denen nur der überzeugteste Asket in jungen Jahren noch die Bodenhaftung bewahrt. Laptop, Smartphone und Digicam als Begrüßungsgeschenk auf dem Danziger Hotelzimmer sind da nur Peanuts. Ebenso wie kostenlose Designer-Klamotten, limitierte Edel-Uhren oder nachgeschmissene Oberklasse-Autos.
Man stelle sich mal die Wirkung in der Öffentlichkeit vor, wenn eine deutsche Mannschaft geschlossen auf Prämien verzichten und stattdessen erklären würde: "Lasst stecken, wir wollen nur den Titel." Und der DFB würde die Erlöse und Einnahmen an bedürftige Stellen weiterleiten, an den Amateurfußball, an Fanprojekte, an Schulen. Was für eine wunderbare Synergie! Und leider auch nur Wunschdenken...
Wo bleibt die Selbstverständlichkeit?
"Steht der Event-Tourismus des DFB noch in einer vernünftigen Relation oder heben die Spieler inzwischen schon ein wenig ab?", fragt sich Eurosport-Experte Thomas Berthold, Weltmeister von 1990.
Den ausufernden Materialismus als Hauptgrund für das Scheitern am eigenen Anspruch auszumachen wäre eine Respektlosigkeit gegenüber Italien. Allerdings sollte man sich für die Zukunft schon einmal Gedanken darüber machen, ob weniger nicht auch mehr sein kann: mehr Konzentration auf das Wesentliche, mehr Motivation durch Aussicht auf Anerkennung bei sportlichem Erfolg, mehr Selbstverständlichkeit.
An die Mannschaft um Fritz Walter, Helmut Rahn und Toni Turek erinnern wir uns noch heute. Sie haben etwas Unvergessliches hinterlassen und wurden dafür mit historischer Unsterblichkeit belohnt.
Ist das denn nicht genug?
Fazit zum 22. Tag: Für 2014 sollte ein Lederkoffer reichen...
Bis morgen!
Michael
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