Noch deutlich steigern, dann wird's schon, Jungs...
Mittags in der Redaktion hat schon das Telefon geklingelt.
Die Göttergattin: "Pauli will mit dir sprechen."
Die Kleine, heiß wie Frittenfett. "Papa, wann kommst du?"
"Gegen sechs...".
"Erst?"
Eine erstaunliche Ungeduld für eine Dreieinhalbjährige. Aber sie wusste, heute darf sie für die erste Halbzeit aufbleiben. In ihrem ersten Deutschland-Trikot, Größe 104. Stolz wie Oskar!
Seit dem Frühstück bearbeitet sie meinen "Teamgeist". Und der "Teamgeist" bearbeitet die Inneneinrichtung: Lampenschirm, Blume, CD-Schrank, Nerven der Mama.
Kurz vor Anpfiff nietet sie mir das Augustiner vom TV-Tisch, der IKEA-Teppich wird amtlich getauft. Die Mama zeigt Rot! Ich mach' Laola: geiler Schuss, Baby!
Tja, Oranje...
Schließlich hatte die Kleine schon Stunden zuvor alles richtig gemacht. Als Michael Krohn-Dehli Oranje-Keeper Maarten Stekelenburg die Kugel durch die Hosenträger geschoben hatte, da hatte sie spontan schon laut gejubelt.
Ok, ich geb's zu, wahrscheinlich hätte sie später auch bei einem Ronaldo-Tor den Bobby-Car-Korso durchs Wohnzimmer gestartet. Aber Gomez sei Dank kam ja alles ganz anders.
Man soll zwar nicht mit dem Finger auf andere zeigen, aber da jede Regel ein paar Ausnahmen benötigt, kann man schon mal mit dem Gestreckten auf die Jungs mit der Anhängerkupplung deuten: "Tja Oranje, das war wohl Käse!" Die viel gerühmte Super-Offensive konnte vor dem Dänen-Kasten nicht mal ein Kressekissen wässern.
Aber so ist Fußball eben. Immer gut für das Überraschende, für was Kurioses. Vor Niederlande gegen Dänemark gab's schon Polen gegen Griechenland und Russland gegen Tschechien - Spiele, die man eigentlich auch getrost im Teletext verfolgen könnte. Eigentlich.
Warum? - Weil's muss!
Denn das erste halbwegs ernüchternde Gekicke lieferten bei dieser EM Deutschland und Portugal. Das konnte man so ja jetzt echt nicht zwingend erwarten. Erstaunlich, wie das kreativste Mittelfeld der Welt unter einem solchen Mangel an Kreativität leiden kann.
Stimmt, die Hälfte dieses Potenzials saß auf der Bank, speziell jene Spieler, die das festgefahrene Offensivspiel auch mal im 1-gegen-1 hätten auflösen können. Dennoch fragte man sich, wieso die spielerische Inspiration so beharrlich durch Statik ersetzt wurde.
Und nun, am Morgen danach, nachdem man eine unruhige Nacht über das Spiel schlafen konnte, da fällt's einem wieder ein, da bekommt man die Antwort auf das "Warum?". Na klar Junge!
Weil Deutschland natürlich eine Turniermannschaft ist. Weil's eben nun mal etwas zäh anlaufen muss, um sich ins Ekstatische steigern zu können. Deshalb. "Basta", schreit da der Wunsch, der Vater des Gedanken.
Und deshalb sind wir nach dem ersten Spiel tabellarisch eben auch dreimal besser als Holland, diese punktuellen Nullen.
Fazit zu Tag 2:
"Papa, wer hat gewonnen?"
"Wir."
"Ok."
Bis morgen!
Michael
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Tag 1: From Hell(as)!
