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    Voralpen-Klitschko trifft Lady Gaga

    Das Original bleibt auf der Wiesn friedlich, die strammen Kopien dagegen nicht immerDas war's also wieder mal: die Wiesn 2012 ist zu Ende.

    Und es soll ja tatsächlich auch dieses Jahr wieder Menschen gegeben haben, die beim Münchner Oktoberfest noch an Traditionspflege dachten und dem Wahnsinn deshalb einen Besuch abstatteten. Tradition, ja klar.

    Leute, vergesst das mal ganz schnell. Die "Wiesn", das ist Ballermann im Trachtenjanker!

    Und über die Hälfte aller "Trachten" sieht so aus, als hätte sie Lady Gaga nach drei Maß Liquid Ecstasy mundgeschneidert.

    Das Münchner Oktoberfest ist vielmehr die Olympischen Spiele der Durchgeknallten. Die Königsdisziplin ist selbstverständlich die klassische Druckbetankung. Hier sind auf der Wiesn quasi alle Leistungsklassen und Stil-Richtungen vertreten. Von der Kreisklasse bis zur Champions League, im Freistil sowie Rücken und Lagen.

    Maßkrüge statt Box-Handschuhe

    Während die "Nipper" aus Nippon und China meistens schon vor die Qualifikationshürde von 1,5 pro Mille reiern, kübeln die mitfavorisierten Amerikaner, Australier und Neuseeländer völlig dehydriert gegen den bayrischen Heimvorteil an und torkeln in präkomatösem Zustand unaufhaltsam Richtung Finale.

    Am zweiten Wiesn-Wochenende rollt dann auch noch traditionell die italienische Ragazzi-Stampede im Cinquecento-Korso über die Alpen, um dann ebenso traditionell im Viertelfinale nach dramatischem Elfliter-Schlucken in alle Richtungen unappetitlich auszuscheiden.

    Währenddessen heißt es in nahezu allen Zelten "Ring frei!". Im Fliegengewicht zieht sich die Münchner Schickeria Prosecco-Gläser durch die Botox-Fassade und im Schwergewicht schützen halb volle Maßkrüge die Faustknöchel vor ernsthafteren Verletzungen.

    Handball ist bei den Männern allerdings immer noch die beliebteste Wiesn-Disziplin. Nach der Druckbetankung versteht sich. Doch bedingt das eine das andere. Nicht selten wird Wiesn-Handball dabei zum Vollkontakt-Sport, sobald die strammen Player merken, dass die Bälle in ihren Händen zu einem ausreichend empörten Dirndl gehören.

    Prominez in der hintersten Ecke

    Und wenn sich dann neben der kreischenden Trachten-Maid ihr eisenbiegender Leibwächter aus Ramsau im Format des Watzmann-Massivs in die Höhe stemmt, dann ertönt schon mal schnell der Gong zur ersten Runde. In der Regel beendet der Voralpen-Klitschko den ungleichen Kampf mit einem gläsernen "Haymaker", bevor "Team Green" am Ring erscheinen und Punkte zählen kann.

    Währenddessen entdeckt der Wiesn-Debütant zwischen dem ganzen Wahnsinn, wie in der hintersten Ecke des Zeltes Steve Urkel in Lederhosen mit der Reinkarnation von Jimi Hendrix schunkelt. Von spontanen Autogrammwünschen getrieben, wird er vom testosterongesteuerten Security in höchstmöglicher Unfreundlichkeit darauf hingewiesen, dass Jerome Boateng und Dante grad nicht können...

    7,4 Millionen Besucher kamen in diesem Jahr nach London zu den Olympischen Spielen der Neuzeit. Rund 7 Millionen im vergangen Jahr auf die "Wiesn" zu den Olympischen Spielen der Durchgeknallten.

    2012 werden es wohl kaum weniger sein. Nach dem Schankschluss werde ich aber schon bald wissen, wie viele außer mir sich diesen sportlichen Ballermann-Fasching noch gegeben haben.

    Wart Ihr vielleicht einer von Ihnen? Na dann los: Ich bin gespannt, über welche "Disziplinen" Ihr berichten könnt.

    Michael

    Folgt mir auf Twitter: @Michael_Wollny

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