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Knüppel raus zur Robben-Jagd!

Wenn der FC Bayern am Abend in Manchester gegen die "Citizens" aufläuft, dann muss Arjen Robben wieder mal in die Rolle des gefrusteten Zuschauers schlüpfen. Das dürfte ihn verdammt wurmen, da er keine Chance bekommt, die jüngste Kritikwelle mit Leistung zu kontern.

Wobei sich das aktuelle Robben-Bashing ohnehin weniger an seiner Leistung entzündet als vielmehr an seinem Wesen. Eine medial konstruierte Robben-Jagd. Knüppel raus und alle druff!

Die Medien funktionieren nun mal so. Folglich sollte man sich über die jüngste  Ego-Debatte wohl auch einfach nicht wundern. Tue ich auch nicht. Ich ärgere mich eigentlich eher. Anhand der Schlagzeilen zu Wochenbeginn konnte man nämlich den Eindruck gewinnen, die Bayern hätten gegen Bremen verloren. Wegen Robben. Weil er von fünf Elfmetern sechs selber schießen wollte und dabei sieben Mal übers Ziel hinausgeballert hatte. Die Mega-Giga-Ego-Show!

Dass die Sache anders verlaufen war... Naja, Sie wissen's ja selber.

Schweinsteiger macht jetzt den Robben

Dennoch richtet man den Zeigefinder auf den Niederländer, als wäre sein Verhalten die exzentrische Ausnahme von der selbstlosen Regel im Profi-Fußball. Das ist insofern recht lustig, da die Bayern ohne Robben von den Medien schon mal gnadenlos abgewertet wurden. Als wäre Robben ein Rettungsschirm und die Presse Standard & Poor's.

Als es ohne Robben nicht lief, beschrieb man ihn als unersetzbar. Als es ohne Robben lief, schrieb man ihn auf die Transferliste. Ein Beleg für die Halbwertszeit von medialem Heldenstatus und die aberwitzige Skurrilität des Profi-Fußballs. Insofern ist es eigentlich nur logisch, dass Bastian Schweinsteiger nun Arjen Robben abgelöst hat. Als verhinderter Messias und personifizierte Erklärung für temporären Leistungsabfall.

Robben hingegen wird nun auf seine Exzentrik reduziert. Dabei ist die Erkenntnis keineswegs neu, dass der 27-Jährige gerne eigene Wege geht. Schließlich muss er die riesigen Erwartungen an ihn auf dem rechten Flügel meist auch im Eins-gegen-Alle lösen. Robben wird getrieben von verbissenem Ehrgeiz und hat darauf in seinem Metier sicherlich kein Motivationsmonopol.

Echte Freundschaften, erklärte auch schon Philipp Lahm, hätten im Profi-Fußball Seltenheitswert.

"Aleinikows" Image-Problem

Auch der FC Bayern ist eine Zweckgemeinschaft aus Berufs-Kickern. Der Erfolg steht über allem. Dabei bedingen sich individuelle Ziele mit den kollektiven. Und Robben erfüllt seinen Zweck. Er selbst sein, das vermitteln seine emotionalen Aussagen vom Wochenende, sich fallen lassen, Kraft tanken, das kann er nur im privaten Refugium. "Meine Familie war immer für mich da."

Entgegen mancher Kritik war er bei seinen beiden Toren gegen Bremen nicht zum Solo-Jubel mit den Fans abgedreht. Er suchte den Blickkontakt mit seiner Frau auf der Tribüne. Der Kuss des Eherings, ein Dankeschön für die Unterstützung in einer "harten Zeit."

Robben "Aleinikow" ist nicht das teamintern isolierte Charakterschwein, als das er zuletzt häufig beschrieben wurde. Doch er muss in der Tat an seinem Image arbeiten. Wenn er nach einem geschenkten Tor vor den gratulierenden Kollegen abdreht, dann macht ihn das noch nicht zu einem schlechten Menschen.

Es macht ihn vielmehr zu einem "schlechten" Selbstdarsteller im Show-Business Fußball.

Sportliche Grüße

Michael Wollny

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2 Kommentare

  • oldwalk  •  vor 4 Monaten
    Mein Glückwunsch! Selten einen so objektiven und desto guten Artikel zu einem fußballverwandten Thema gelesen.
  • Victor  •  vor 2 Monaten
    Kann mich Oldwalk nur ohne wenn und aber anschließen, Respekt!

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