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    Drei Trümpfe, kein Stich, nur eine Pointe

    Zum Haareraufen! Bayern droht der Super-GAUZum Haareraufen! Bayern droht der Super-GAU

    Den Witz gab es schon länger. Schon lange vor Anpfiff des Pokalfinals in Berlin.

    Wahrscheinlich wurde er irgendwann rund um dem 30. Spieltag im lästerlichen Fanvolksmund geboren.

    Er überlebte also bis zum Endspiel in Berlin, allerdings nur im Konjunktiv. Erst gegen 21:55 Uhr des 12. Mai wurde der Witz konkret und somit zur schadenfrohen Botschaft.

    Ich habe ihn schon in München gehört, von Kollegen. Später natürlich auch im Freundeskreis. Dann vergangenes Wochenende, eine Reihe vor mir im Anflug auf Tegel. Dann von der Dame an der Hotel-Rezeption. Unzählige Male am und im Olympiastadion. Sogar noch drei Stunden nach Schlusspfiff in einer Currywurst-Bude am S-Bahnhof Charlottenburg, eher gerülpst als gesprochen.

    Die Pointe verdient den Tod

    Zuletzt am Tag danach, früh morgens auf dem Weg zum Flughafen. "Naja, dit Triple könnse ja noch hol'n wa?", leitete der Taxifahrer seine Pointe ein, die sich schon längst zum Tinnitus des deutschen Humors entwickelt hatte. "Ja", war meine Antwort. "Ich weiß." War ihm aber egal. Er kicherte diebisch. Was raus muss, musste eben raus. "Vize-Meisda", er zeigt mir seinen rechten Daumen, "Vize-Pokal", der Zeigefinger wurde lang, "un Vize-Dings... wa.... hier... inner Königsliga, wa?", er streckte den Mittelfinger.

    Da musste ich tatsächlich lachen. So sympathisch schlecht hatte noch nie jemand die Pointe versaut. Ich sagte ihm, dass er so gut Witze erzählt, wie Hertha kickt. Da wiederum schmiss er sich weg.

    Bayerns Vize-Triple. Man wird diesen nervtötenden Schenkelklopfer bis Samstag noch viel zu oft hören. Er allein wäre schon Grund genug, dem BVB-Vize gegen Chelsea den Sieg zu wünschen - und der Pointe damit den verdienten Tod. Dazu muss man den FC Bayern nicht zwingend mögen. Aber um auf Abramowitschs blaues Spielzeug zu stehen, muss man die Roten schon unbedingt hassen - oder diesen beknackten Witz lieben. Soll's ja auch geben.

    Unglaubwürdiges Mantra

    Bayern spielt nach dieser Saison in Deutschland zurecht die zweite Geige. Aber sie können auch anders. Das haben sie in Europa bewiesen. Das Finale in München ist die verdiente Konsequenz. Doch die nationale Vizerei hat den Druck brutal erhöht. Bayern 2012 droht ein Bayer 2002. Drei Hochzeiten und am Ende ein sportlicher Todesfall.

    Für Bayer 04 war das damals in der Gesamtbetrachtung nach Abzug von Hohn und Spott unterm Strich tatsächlich noch eine fantastische Saison. Für Bayern wäre es der Super-GAU. Nach Abzug von Hohn und Spott kann man es ihnen unterm Strich nicht wünschen. Meisterschaft und Pokal? - Nun, der Wille war sicherlich da, aber der Gegner einfach zu stark.

    Borussia Dortmund spielt auf einem Niveau, das auch die Bayern physisch und psychisch in einer Kompromisslosigkeit fordert, die sie gegen Ende der Saison einfach nicht mehr abrufen konnten. Gebetsmühlenartig haben die Spieler zwar erklärt, dass der 19. Mai nicht von den nationalen Hausaufgaben ablenken würde. Aber diesem Mantra fehlte die Glaubwürdigkeit. Das Gegenteil war einfach viel naheliegender, weil einfach viel menschlicher.

    Die Gedanken sind frei!

    Jupp Heynckes wusste das, als er am Tag vor dem Finale in Berlin über das Finale in München sagte: "Man kann es nicht aus den Köpfen der Spieler streichen". Über Zürich, Villarreal, Neapel, Manchester, Basel, Marseille und natürlich Madrid ins Endspiel der Champions League. Und das im eigenen Stadion. Das gab's noch nie. Eine historische Chance. Nein, da lässt sich nichts aus dem Großhirn streichen.

    Doch jetzt sind die Gedanken endlich frei, alle Ablenkung beseitigt. Die legitime Schadenfreude hat ihre Zeit gehabt. Die gesenkten Daumen sollten sich wieder heben, um am Samstag gedrückt zu werden, damit es am Sonntag nicht heißt: Drei Trümpfe, kein Stich, nur eine Pointe - und die ist auch noch so lustig wie ein offener Schienbeinbruch.

    Auf geht's Ihr Roten, holt Euch diesen Traum in die Wirklichkeit!

    Sportliche Grüße von einem Nicht-Bayern-Fan,

    Michael Wollny

    P.S. Wer den Bayern am Samstag die Daumen drückt: Drückt Daumen hoch im Eurosport-Post unter diesem Blog, danke!

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