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Ein Clasico auf der spanischen Familiencouch

Ein Fußballabend in unserem Hause ist ein Spektakel. Obwohl der Großteil der Familie leidenschaftlich mit dem gerade abgestiegenen Verein Deportivo La Coruna fiebert (und leidet), ist der Clasico so etwas wie ein Staatsereignis.

Es ist wie der Gang in die Wahlkabine. Entweder man favorisiert die Staransammlung des berühmtesten Klubs der Welt, Real Madrid, oder man macht das Kreuz für das Jugendkonzept Barcelonas.

Bengalische Feuer aus dem Sofablock

Wir lieben uns alle, sind Brüder, Cousins und Freunde - aber hier ist, wie jetzt wohl Mehmet Scholl oder Gary Lineker sagen würden, für 90 Minuten Schluss mit Freundschaft.

Tortilla, Freixenet und die Trikots liegen bereit, letzte Küsse und Umarmungen werden ausgetauscht. Dann rollt der Ball...

Nach 20 Sekunden "storcht" Benzema den Ball in die Maschen. 1:0 für Real - Wahnsinn! Die Bagage hat noch nicht einmal richtig Platz genommen, da testen erste hysterische "Gooool"-Schreie die Nerven der Nachbarn.

Mein Cousin Jorge kommt mit einer kühlen Cerveza aus der Küche gestürmt und schaut uns alle mit ungläubigen Augen an: Der große Barça-Anhänger fängt an zu fluchen - sein jüngerer Bruder Javier provoziert ihn - stimmt mit einem Feuerzeug Konzert-Feeling an: "Visca Blaugrana!"

Ronaldo und Di Maria jagen in der Folge 28 Minuten lang jeden Ball im Endorphin-Rausch auf das katalanische Gehäuse, dass wir uns alle gemeinsam Fragen: Wie viel Egoismus kann ein Spiel vertragen? Das war allerdings das erste und letzte Mal, dass beide Parteien d'accord gehen sollten

Expertenanalyse via Skype

29. Minute: Wie aus dem Nichts reißt uns Alexis Sanchez aus den Popcorn-Träumen und macht den Clasico wieder zum erwarteten Clasico. Vorhin wurde noch über den unkonstanten Chilenen lauthals gelästert - jetzt scheint er mit seinem Torjubel direkt in unser Wohnzimmer sprinten zu wollen.

Halbzeit. Die Spieler laufen in den Kabinentrakt, wir fahren Skype hoch: Familienschalte nach Madrid, denn auch dort wird gefiebert. Wie habt ihr die ersten 45 Minuten gesehen? Iniesta Totalausfall, Messi macht den Sanchez und keine Rote Karte für Pepe...noch trauen wir dem Ganzen nicht über den Weg.

Zweite Hälfte, keine Wechsel? Doch. Ich bin mittlerweile auf ein Gläschen Wein umgestiegen. Die Spannung im Spiel bleibt hoch, bis Xavi das macht, was er am besten kann: Den Gegner so anschießen, dass der Ball im Zeitraffer über den Pfosten in das Tor kullert. Im Billard ist das ein Trickshot, für meine Cousins einfach nur Weltklasse.

"Leute, es kommt doch so wie immer", tönt die Barca-Fraktion. Die "Madridistas" unter uns protestieren heftig. Gerade als der Schock verdaut ist, bohrt Fabregás einen weiteren Pfeil in das königliche Herz - 1:3.

Eine erschreckend realistische Treterei

Nein, das war es wohl. So realistisch sind selbst die härtesten Madrid-Anhänger geworden, dass das heute nichts mehr wird. Iniesta, der eigentlich schon unter der Dusche war, entdeckt wieder seine Leichtfüßigkeit und Özil hat den Rasen schon lange verlassen.

So bleibt es bei einer erschreckend nüchternen Schlussviertelstunde, die leider nur noch an die Treterei aus dem Vorjahr erinnert.

Endlich: Schiri Fernández Borbalán pfeift ab und wir liegen uns in den Armen. Die weißen und rot-blauen Trikots wurden schon während der Nachspielzeit auf den leeren Sessel verbannt. Wir tragen jetzt kollektiv blau-weiße Farben und feiern "Depors" Heimsieg über Numancia.

Ach lieber Fußball, du kannst manchmal so herrlich launisch sein.

In diesem Sinne ein fröhliches "hasta pronto"!

Elias Rodriguez

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