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    Bronchial-Stau zu “Cannibal Corpse”

    Nach Olympia geht die Post ab!Nach Olympia geht die Post ab!

    Das olympische Feuer ist gelöscht.

    Aber in den vergangenen Wochen hat sich daran eine erhellende Erkenntnis entzündet: So ein bisschen Bewegung schadet nicht.

    Ich radle regelmäßig mit dem Fahrrad in die Arbeit. Aus dem Münchner Norden durch den Englischen Garten entlang der Isar Richtung Ostbahnhof. Das sind zehn Kilometer. Abgerundet... :-D

    Vor Olympia ist man auf dieser Strecke immer den gleichen sportlichen Frühaufstehern in Laufschuhen und Funktionstextil begegnet. Aber schon zwei Tage nach der Eröffnungsfeier hatte sich das Bild krass gewandelt. Und bis heute Früh hat sich daran auch nichts geändert. Meine Radlstrecke gleicht einem eng gesteckten Slalom-Parcour - überall Jogger. Oder sowas ähnliches.

    Ich sitze also auf dem Drahtesel und mache mir vom hohen Ross herunter so meine Gedanken.

    Olympia hat nämlich die seltsamsten Geschöpfe aus den Sitzmulden der Fernsehsofas gehebelt. Menschen, die beim Zappen schon flachatmig werden. Männlein und Weiblein, denen "Sport" nur in süßer Kombination mit "Ritter" ein Begriff war, oder einfach nur ganz Mutige, die aerobe Grenzerfahrungen machen wollen, indem sie die extreme Welt jenseits des Schritttempos betreten.

    Folgende Techniken habe ich in meiner empirischen Feldstudie herausarbeiten können:

    Casual: Nach Olympia sehr häufig. Lange Jeans, Schlabberpulli, Lederschuhe und Stirnband. Akut-akustischer Bronchial-Stau auf der frisch geteerten Lungen-Trasse kündigt den Athleten schon auf 600 Metern Entfernung an. Reichweite: ca. 400 Meter.

    Bottling: In Hüftgürtel und Schulterriemen stecken je drei Trinkflaschen mit lebensrettenden Elektrolytgetränken. Sechs Liter Isostar sind zudem im Trinkrucksack gebunkert. Nach drei Kilometern sind die Vorräte restlos weggesoffen. Reichweite bis zum unerträglichen Seitenstechen: ca. 3 Kilometer.

    Cat-Walking: Die Hufe in nagelneuen "Gel Kinsei 4" von Asics, leicht hüpfender Schritt, weiße Leggins, die Oakley mit Haarlack quer über den Scheitel fixiert, der weiße Sport-BH betont untenrum den straffen Bauch und obenrum... den Rest (siehe hüpfender Schritt). Alle 300 Meter ausgiebige Dehnübungen im Bereich Brust, Beine, Po. Reichweite: je nach Publikum zwischen 600 und 650 Metern.

    iWalking: Völlig der Welt entrückt, Stecker im Ohr, iPhone in der Hand. Im ständigen Kampf mit dem pendelnden Kopfhörer-Kabel. Schwere Lauf-Rhythmus-Störungen beim Übergang von "Cannibal Corpse" auf "Bruno Mars". Reichweite: variiert je nach BPM zwischen 5 und 500 Kilometern.

    Dog-Kiting: Neudeutsch auch "extreme gassi going". Der Köter gibt das Tempo vor und schleift Herrchen an der langen Leine gnadenlos hinter sich her. Reichweite: Je nach Hundegröße zwischen 2 und 6 Kilometer.

    Kite-Dogging: Neudeutsch auch "most extreme gassi going". Herrchen macht mächtig Meter und zerrt die bis zum bersten gefüllte Großstadt-Töle an der kurzen Leine hinter sich her. Ziel ist es, jegliche Pfützen- und Häufchen-Bildung durch konstant hohes Tempo zu unterbinden und dadurch sukzessive den Widerstand am anderen Ende der Leine zu erhöhen. Reichweite: Je nach Dringlichkeit zwischen 6 und 10 Kilometer.

    Und welche Lauf-Techniken kennt Ihr?

    Bis denne,

    Michael

    Folgt mir auf Twitter: @Michael_Wollny

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