Euro 2012 Qualifikation - Eine Rakete mit Startproblemen
Er ist der Pechvogel der Nationalelf. Bereits drei Mal wurde Marco Reus von Joachim Löw in den Kader berufen, drei Mal konnte er verletzungsbedingt nicht mitwirken. Zuletzt verhinderten muskuläre Probleme das Debüt gegen Uruguay. Gegen Österreich klappt es schon wieder nicht.
Es steht aber außer Frage, dass die Zeit kommen wird, in der Reus sein Nationalelf-Debüt feiert. Nach mehrfachem verletzungsbedingtem Ausfall ist nur noch das "wann" offen.
Gegen Österreich muss das Top-Talent erneut passen. Die medizinische Abteilung des DFB arbeitete fieberhaft daran, den Gladbacher zum EM-Qualifikationsspiel am Freitag fit zu bekommen (20:30 Uhr im Live-Ticker von eurosport.yahoo.de). Doch die Mühen waren vergeblich, Reus reiste ab.
Schade für den Spieler, schade für die Fans und schade für den Bundestrainer. Denn Joachim Löw hält viel von Reus, der heute seinen 22. Geburtstag feiert.
Einzelkönner wie der Mönchengladbacher, so Löw, könnten Spiele im Alleingang entscheiden.
Einer wie Messi?
Der deutsche Nationaltrainer vergleicht Reus gar mit dem Größten seiner Zunft: "International wird es immer wichtiger, solche Spieler wie Marco zu haben, die das direkte Duell suchen. Messi ist ja auch so ein Spieler, der ins Tempodribbling geht." So weit wie Messi ist der Tempo-Dribbler zwar noch nicht, dennoch ist er auf einem guten Weg.
Löw verspricht sich von Reus neue Möglichkeiten für die deutsche Taktik: "Früher sind wir mehr über Kombinationen zum Erfolg gekommen. Spieler wie Müller, Podolski oder Gomez kombinieren, Reus und Schürrle suchen die Eins-gegen-eins-Situation." Der Flügelstürmer kann Abwehrspieler binden, ausdribbeln und vor allem sucht er aus der Distanz den Abschluss.
Zehn Treffer gelangen ihm so in der zurückliegenden Bundesligasaison. Dazu kommen zehn Vorlagen. Die Gladbacher "Nummer elf" war maßgeblich am Klassenerhalt beteiligt. Längst sind die großen Namen der Bundesliga hinter Reus her. Das Interesse der Bayern ist verbrieft. Dazu lehnte die Borussia vor der Saison ein 15-Millionen-Angebot aus Wolfsburg ab. Auch der deutsche Meister aus Dortmund ist an Reus interessiert. Manchester United und der SSC Neapel sollen ihre Fühler ebenfalls ausgestreckt haben.
Reus einst mit Großkreutz in Liga zwei
Doch Reus, der von den Boulevard-Medien den Spitznamen "Rakete" verpasst bekam, will von einem Wechsel nichts wissen: "Ich bleibe auf jeden Fall in Gladbach." Auch Präsident Rolf Königs sieht keinen Grund, die Gladbacher Lebensversicherung ziehen zu lassen: "Wir verkaufen unser Tafelsilber nicht. Er ist unsere Entdeckung."
Entdeckt haben ihn die Borussen einst in der zweiten Liga. Gemeinsam mit Kevin Großkreutz wirbelte er bei Rot-Weiß Ahlen in der Saison 2008/2009 die gegnerischen Defensivreihen durcheinander. Großkreutz, wie Reus ein gebürtiger Dortmunder, wechselte zum BVB und feierte die deutsche Meisterschaft und das Nationalelf-Debüt. Reus entschied sich für die "andere Borussia", die eine Million Euro für den Transfer nach Ahlen überwies. Heute wird sein Marktwert auf zehn Millionen Euro taxiert.
Körperlich hat er aber noch Nachholbedarf. Sein ehemaliger Trainer Christian Wück sagte 2010 über ihn: "Marco weiß selbst, dass er ein Hänfling ist." Doch vielleicht gerade deswegen ist er so wendig, von den Gegenspielern kaum zu fassen.
Medizinische Abteilung des DFB gefordert
Löw freut sich auf einen zukünftigen Einsatz des Flügelstürmers: "Marco ist frech, zielstrebig, dribbelstark und selbstbewusst." Dazu kommen laut Nationaltrainer noch der Zug zum Tor und die individuelle Klasse in "Eins-gegen-eins-Situationen".
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Irgendwann wird Reus das langersehnte Nationalmannschafts-Debüt feiern können.




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