EM 2008 - Leitwolf Ballack: "Es geht aufwärts"

Eurosport - So 01.Jun. 00:08:00 2008

Kapitän Michael Ballack spricht im Interview über die gelungene Generalprobe für die EM 2008, äußert sich zu den Defiziten des Europameisters von 1996 und gibt einen Ausblick auf die letzte Trainingswoche in Ascona vor dem wichtigen EM-Auftakt gegen Polen.

FOOTBALL 2008 Euro 2008 Germany Ballack - 0

Wie beurteilen Sie die Leistung der Mannschaft?

Michael Ballack: Wir sind froh, dass wir uns beim letzten Test noch einmal steigern konnten und mit einem positiven Erlebnis in die EM gehen. Wir sind noch nicht ganz da wo wir hinwollen. Es fehlt noch ein wenig Frische, aber das ist ganz normal.

Beim Gegentreffer war die Hintermannschaft nicht ganz unschuldig...

Ballack: Wir haben beim Gegentor und beim Lattenschuss zweimal geschlafen. Ansonsten haben wir das Spiel kontrolliert, beherrscht und hatten auch wesentlich mehr Torchancen als der Gegner. Wir müssen darauf eingestellt sein, dass die Mannschaften bei der EM nicht viele Möglichkeiten benötigen. Uns hat immer ausgezeichnet, dass wir hinten gut stehen und selbst wenig Tore erzielen müssen. Da müssen wir auf jeden Fall noch zulegen.

Können Sie an den nächsten beiden freien Tagen übergaupt vom Fußball abschalten?

Ballack: Für uns war es wichtig, dass wir mit einem Erfolgserlebnis in die freien Tage gehen, damit man entspannen und abschalten kann. In den letzten beiden Spielen konnte man in einigen Aktionen erkennen, dass noch nicht alles hundertprozentig funktioniert. Aber es geht auf jeden Fall aufwärts - und das ist gut so. Wenn es anders wäre, hätten wir zu wenig gemacht.

Wo liegen die Schwerpunkte im abschließenden Trainingslager in Ascona?

Ballack: Die Trainingsintensität wird zurückgeschraubt. Wir werden insbesondere an den Feinheiten im technischen und taktischen Bereich arbeiten und ein paar Standartsituationen einüben. Das wird sehr wichtig sein, um die engen Spiele für uns entscheiden zu können. Darauf wird das Hauptaugenmerk gerichtet sein.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Spiel gegen die extrem defensiv eingestellten Serben?

Ballack: Es ist schwer, aus solchen Tests die richtigen Schlüsse zu ziehen, weil man nicht weiß, wie die Serben kurz vor dem Urlaub noch motiviert waren. Sie haben sich in vielen Phasen des Spiels weit zurückgezogen und versucht, das Ergebnis zu verteidigen. Das war nicht leicht. Aber so eine Situation kann bei der EM auch auf uns zukommen, dass wir das Spiel diktieren und trotzdem plötzlich zurückliegen. Wir sind gut mit der Situation umgegangen, ruhig geblieben, haben auf unsere Chancen gewartet und letztendlich auch verdient gewonnen.

Ist die Mannschaft besser vorbereitet, als das damalige Team bei der WM 2006?

Ballack: Ich weiß nicht, ob wir besser vorbereitet sind. Ich denke, dass ein Tick mehr Gelassenheit in der Mannschaft vorherrscht. Viele Spieler haben schon ein großes Turnier hinter sich, wir sind einfach eingespielter - die Mannschaft ist gereift.

Wird intern über die Position von Torhüter Jens Lehmann diskutiert?

Ballack: Nein, die Diskussion um Jens ist in der Mannschaft kein Thema. Wir vertrauen ihm und halten zusammen.

Was ist drin für die DFB-Elf bei der EM 2008?

Ballack: Wenn die EM beginnt, wird man sehen, in welcher Form wir uns befinden und wie wir die Spiele bestreiten. Es kommt auch darauf an, ob wir einen Lauf bekommen. Aber alles in allem kann man das vorher nie hundertprozentig einschätzen.

Aufgezeichnet von Thomas Janz / Gelsenkirchen / Eurosport