Eurosport - Sa 31.Mai. 14:36:00 2008
Obwohl Bundestrainer Joachim Löw im letzten Testspiel gegen Serbien zum größten Teil auf seine DFB-Stammelf setzt, gibt es dennoch ein Experiment im Sturm. Neben Mario Gomez soll Kevin Kuranyi eine Chance bekommen und sich im Kampf um die heiß begehrten Offensivplätze ein letztes Mal bewähren.
Bevor es für die deutschen Kicker für zwei Tage in den Kurzurlaub geht, müssen Ballack & Co. noch einmal ran. Im letzten Test gegen Serbien (am Samstag ab 17:30 Uhr im Live-Ticker bei eurosport.yahoo.de) hofft vor allem der Kapitän der Nationalmannschaft auf einen starken Gegner.
"Wir erwarten eine gute Mannschaft, die uns nochmal alles abverlangt, das brauchen wir", erklärte Mittelfeldstar Ballack, der für die EM-Generalprobe den Einsatz aller Stammspieler gefordert hatte. Diesem Wunsch ist der Bundestrainer nachgekommen, wenn auch nicht zu einhundert Prozent.
Lehmann in der Kritik
Denn mit Kuranyi bringt er aller Voraussicht nach die aktuelle Nummer vier im deutschen Sturm nach Klose, Gomez und Podolski. "Gegen Weißrussland haben Klose und Podolski gespielt. Dieses Mal beginnt ein anderes Pärchen", so Löw-Assistent Hansi Flick. "Wenn man die Sturmbesetzung mit den letzten Turnieren vergleicht, haben die Trainer eine richtig große Auswahl", fügte Team-Manager Oliver Bierhoff an und prophezeite: "Das wird eine schwierige Aufgabe, Zwei aus Fünf auszuwählen."
Wenn es nach den Worten von Kuranyi geht ("Bin bereit für England"), dann ist diese Aufgabe eine lösbare, denn der für das Serbien-Spiel von Löw Auserwählte sieht den Vertrauensbeweis des Bundestrainer als vollauf gerechtfertigt an. "Jeder muss sich beweisen und jeder will zeigen, was er kann", meinte der Schalker Angreifer, der genau weiß, dass er nicht nur mit starken Sprüchen, sondern vor allem mit Toren überzeugen muss. Die Zeichen stehen gut, denn der letzte EM-Test findet ausgerechnet in Gelsenkirchen statt - ein "Heimspiel" also für Kuranyi.
"Wir sehen das Spiel auch als Dank an die Fans und als Verabschiedung, bevor wir zum Turnier in die Schweiz reisen", äußerte sich Löw, der nach dem schwachen Weißrussland-Spiel neben Torhüter Jens Lehmann und der wackeligen Abwehr um Christoph Metzelder sowie Per Mertesacker leicht in die Kritik geraten war. Nun müssen seine Jungs zeigen, dass sie reif für die EM und vielleicht auch für den Titel sind.
Pantelic verspricht Spannung
"Ich will den Druck nicht erhöhen, aber ich gehe trotzdem davon aus, dass wir Europameister werden", sagte DFB-Sportdirektior Matthias Sammer. Seine Worte wirken aber eher aufmunternd, als überzeugend. Vielleicht hat Sammer noch die müde Vorstellung beim letzten Länderspiel in Kaiserslautern vor Augen. "Wenn wir in unserem eigenen Hause nicht an unsere Mannschaft und Wege glauben, dann können wir eigentlich direkt nach Hause gehen", so der ehemalige Nationalspieler, der mit seinem ungeheueren Einsatzwillen die deutsche Nationalelf 1996 mit zum EM-Titel führte.
Doch Deutschland sollte gewarnt sein, denn die Serben haben noch eine Rechnung offen. Zwei Jahre nach der 0:6-Niederlage bei der WM 2006 gegen Argentinien will die Mannschaft von Trainer Miroslav Djukic dieses Debakel in der Schalker Veltins-Arena vergessen machen. "Wir werden spielen, als ob es sich um ein Qualifikationsspiel handelt", versprach Hertha-Torjäger Marco Pantelic. "Deutschland ist ein schwerer Gegner, aber ich fürchte mich nicht. Wir werden ein gutes Spiel zeigen." Eine klare Ansage des Serben, dem das Sturmduo Gomez/Kuranyi acht Tage vor Beginn der Europameisterschaft jetzt nur die richtige Antwort geben muss.