Eurosport - Mo 31.Mrz. 14:49:00 2008
Kolumnen-Klartext: Eurosport-Experte Rudi Brückner rechnet mit den so genannten "Verfolgern" ab und zeigt dabei das ganze Dilemma um Werder Bremen auf.
Wenn die Bayern-Konkurrenz überhaupt noch eine kleine Chance gehabt hat, den Rekordmeister beim Titelgewinn in dieser Saison zu gefährden, dann hat dieser absurde 26. Spieltag gezeigt, dass die Hamburger, Bremer, Schalker und Leverkusener allesamt keine wirkliche Siegermentalität besitzen.
Einfach erschreckend war die Vorstellung der so genannten "Großen". Einzig das kleine Cottbus schaffte einen Heimsieg gegen Hertha. Klasse! Dort in der Lausitz wird plötzlich wieder gebissen und gekämpft, das ist Fußball zum Hinschauen, weil die Akteure sich reinhängen, um jeden Ball kämpfen, das Risiko eingehen, Fehler zu machen, mit dem Wissen, die Nebenleute bügeln es im Zweifel aus. Cottbus hat wieder Energie!
Überhaupt fand an diesem Spieltag ein Aufstand gegen den Abstieg statt mit zwei Siegern, neben Cottbus noch Duisburg. Der MSV spielte, die Betonung liegt auf "spielte", Bremen endgültig in eine gefährliche Krise. Vier Spiele ist Werder Werder ohne Sieg, das Klima gereizt, alle Stürmer außer Form und die Defensive - allen voran Naldo - unkonzentriert. Der Brasilianer kickte so aufreizend lustlos, dass Trainer Thomas Schaaf ihm eigentlich eine Denkpause verpassen müsste. Doch da beginnt das Dilemma. Schaaf hat keine Alternativen. Auch Frings war bemüht, aber nach der langen Pause ist weit von früherer Länderspielform entfernt. Was also tun? Nächstes Wochenende tritt Bremen in Berlin an. Sollte es dort keinen Sieg geben, vermasselt Werder womöglich auch noch den UEFA-Cup.
Irgendwie fing in dieser Saison alles schon schief an mit dem völlig misslungenen Transfer von Carlos Alberto, der Brasilianer ist längst wieder in der Heimat. Dann fingen sich die Werderaner, schienen den abgewanderten Klose mit Sanogo gut kompensiert zu haben und der Teamgeist glich das Übrige aus. Bremen trotzte den Bayern, aber der Schein trog. Während die Münchner schwächelnd weiter Richtung Meisterschaft punkteten, ging den Bremern kontinuierlich die Luft aus. Der Tiefpunkt war definitiv das 1:2 gegen den Tabellenletzten!
Allofs als Krisen-Manager
Selbst der "Spitzenreiter des Mittelfeldes", wie sich Eintracht Frankfurt selbst gerne bezeichnet in dieser Saison, kann Werder am Ende noch überflügeln. Und Klaus Allofs, der gerade erst seinen Vertrag verlängert hat, sieht sich plötzlich als Krisen-Manager statt als Champion-Organisator. Da sein Verein aber, im Gegensatz zu Dortmund vor einigen Jahren, solide gewirtschaftet hat, wird Bremen einen Absturz wohl verkraften.
Aktuell müssen sie an der Weser nur ihre beste Tugend pflegen: die Geduld! Was anderes wird den Verantwortlichen dort auch kaum übrig bleiben. Denn im Gegensatz zum Rekordmeister Bayern München, der nach einer verkorksten Saison einfach das Festgeldkonto geplündert hat, wird der Weg aus der Krise bei den Hanseaten nur mit der Fortsetzung solider Arbeit bestritten. Und das ist doch irgendwie sympathisch...
Rudi Brückner / Eurosport