Bundesliga - Streitereien & raue Töne in Bremen

Eurosport - Mo 31.Mrz. 21:04:00 2008

Standpauke, Videoanalyse, Straftraining - die beschaulichen Tage sind bei Werder Bremen nach der blamablen Vorstellung gegen Duisburg endgültig passé. Das Ziel ist weiterhin Platz zwei, doch Streitereien in der Mannschaft sorgen für Unruhe.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Bremen Sanogo - 0

Ein normaler Sonntag nach einem Bundesligaspiel war es für die Bremer Profis definitiv nicht. Anstatt sich gemütlich im Laufe des Vormittags am Weserstadion zur Pflege und Massage einzufinden, mussten sie allesamt um Punkt 9:30 Uhr in der Kabine antreten: "Wir konnten heute nicht zur Normalität übergehen. Wenn man so eine Leistung abliefert, dann ist es Zeit, dass man sich unterhält", machte Trainer Thomas Schaaf deutlich und seine Spieler gehorchten.

Bis um Viertel nach elf dauerte die Schaafsche Gardinenpredigt, unterstützt wurden seine deutlichen Worte durch Sportdirektor Klaus Allofs. Akribische Videoanalysen mussten die Spieler über sich ergehen lassen, die sich am Vortag gegen den Tabellenletzten aus Duisburg erschreckend schwach präsentiert und die fünfte Rückrundenpleite kassiert hatten.

"Mannschaft hat Dinge leichtfertig verschenkt"

Im Fokus der Kritik: mangelnde Laufbereitschaft, schlechtes Kombinationsspiel, eklatantes Zweikampfverhalten, fehlende Tempowechsel und fatale Chancenausbeute. "Wir haben der Mannschaft verdeutlicht, dass sie viele Dinge leichtfertig verschenkt und so unsere gute Position abgegeben hat", betonte Schaaf verärgert.

Sichtlich beeindruckt und nachdenklich verließen die Profis die Kabine und trotteten zum Trainingsplatz. 35-minütiges Laufen für das komplette Team war angesagt. "Alle sind an unserer Lage beteiligt, deshalb sind auch alle gelaufen, erklärte Schaaf: "Da konnten die Spieler verinnerlichen, was besprochen wurde und noch mal untereinander drüber reden."

Interner Streit lähmt die Leistung

Geredet wurde in den letzten Wochen immer wieder bei den Bremern, doch angekommen ist es bei vielen Profis offenbar nicht. Intern toben zudem immer wieder Querelen und Streitigkeiten unter einigen der Führungsspieler - das Mannschaftsgefüge ist seit langem nicht intakt, soviel verlautet inzwischen aus dem Umfeld der Grün-Weißen. Vize-Kapitän Torsten Frings fordert deshalb: "Wir müssen ab jetzt alle persönlichen Dinge hinten anstellen und wer mit wem nicht kann. Wenn wir das nicht abstellen, gewinnen wir in den kommenden Wochen kein Spiel mehr. Ich gehe nicht auf einzelne Leute ein, denn wir haben als Team versagt."

Wie schlecht es um die Harmonie im Kader steht, zeigte die Trainingsprügelei zwischen Carlos Alberto und Boubacar Sanogo, die Handgreiflichkeiten zwischen Diego und Aaron Hunt und das jüngste Revanchefoul von Sanogo an Naldo, der eine Fleischwunde am Bein davontrug.

Öffentlich möchte sich kein Spieler zu den internen Vorgängen äußern, doch neuerdings geraten diese Dinge dennoch bewusst nach außen. Ein weiteres Indiz, dass es mit dem Zusammenhalt in der Mannschaft nicht weit her ist. "Hier ist nicht jeder mit jedem befreundet", bestätigte auch Mittelfeldmann Daniel Jensen. Die Grüppchenbildung könnte den Bremern in der wichtigen Phase nun zum Verhängnis werden.

"Wir haben keine Stinkstiefel"

Frings hält dagegen: "Wir haben einen guten Charakter in der Mannschaft und keine Stinkstiefel. Duisburg ist jetzt abgehakt. Wir schauen nach vorne und wollen immer noch Zweiter werden." Ob es Frings, der durch seine Verletzungen fast die gesamte Saison verpasst hat, noch gelingt, eine gesunde Hierarchie in der Werder-Elf herzustellen, bleibt abzuwarten. An der Weser wird der Ton der Führungsriege zumindest rauer: "Wer unser Unternehmen, die Qualifikation für die Champions League gefährdet, wird die Folgen zu spüren bekommen", betonte Allofs. Inwieweit dieses letzte Druckmittel noch Wirkung bei den verunsicherten und angesäuerten Profis zeigt, um den Absturz ins Niemandsland der Tabelle zu verhindern, scheint ebenso fraglich.

Fest steht nur, dass unruhige Tage auf die Bremer zukommen. Und das nicht nur, weil ab Dienstag Trainer-Hospitant Lothar Matthäus seinen Dienst bei Werder antritt. Begeistert ist Schaaf vom Timing des Rekordnationalspielers nicht. Denn eines kann seine Mannschaft jetzt nicht mehr gebrauchen: jegliche Form von Ablenkung.

Aus Bremen berichtet Petra Philippsen / Eurosport