Bundesliga - Cottbus strahlt dank Skelas "Goldfuß"

Eurosport - Mo 31.Mrz. 18:41:00 2008

"Im Osten geht die Sonne auf." Nach dem 2:1 (1:1)-Heimsieg im Derby gegen Hertha BSC Berlin spiegelte das Motto der Cottbuser so ziemlich exakt deren Stimmung wider. Ervin Skela war dabei mit zwei Treffern der Mann des Abends. Die Enttäuschung der Herthaner indes hielt sich in Grenzen.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Cottbus Skela - 0

Der Abend verlief nahezu ideal für die Lausitzer: Die Temperaturen waren mild, die Sonne schien und durch den Sieg kletterten die Cottbuser vom letzten auf den 15. Platz in der Tabelle. Folglich entspannt plauderten Energies Verantwortliche in der Mixed Zone mit den Journalisten.

Manager Steffen Heidrich etwa betonte noch einmal die "immense Wichtigkeit von Standards", zumal sein Team nicht in der Lage gewesen sei, viele Chancen herauszuspielen. Präsident Ulrich Lepsch dagegen lobte die "Moral" der Mannschaft, die "auch nach einem Rückstand noch einmal zurückkommen kann". Lediglich Keeper Gerhard Tremmel wirkte unter all den Strahlemännern etwas miesepetrig: "Ich kann hier nicht freudetaumelnd herumspringen. Das war richtig nervenaufreibend heute."

Bessere Spielanlage vs. Kampfkraft

Und in der Tat gestaltete sich das Berlin-Brandenburg-Derby von Beginn an ausgeglichen und spannend. Die bessere Spielanlage der Berliner hielt sich die Waage mit der Kampfkraft der Cottbuser. Nach Herthas 1:0 durch den starken Mineiro (21.) schien das Pendel schon für die Berliner auszuschlagen, ehe Skela "den Goldfuß" (Daniel Ziebig) auspackte und vier Minuten vor der Halbzeitpause mit einem herrlichen Freistoß den Ausgleich markierte. Der Albaner war es dann auch, der per Elfmeter in der 63. Minute für die Entscheidung sorgte und zum Matchwinner avancierte.

"Dabei habe ich mich heute vor dem Spiel ganz schlecht gefühlt. Nachdem gestern sämtliche Abstiegskandidaten gepunktet haben, mussten wir heute gewinnen. Der Druck war enorm, das ging auch an mir nicht spurlos vorbei", wunderte sich Skela über seine eigene Leistung.

"Der letzte Pass kommt häufig nicht an"

Die Hertha dagegen ist als Tabellenzwölfter in der recht komfortablen Situation, fast keinen Druck zu verspüren. Das Team befindet sich im Umbruch, erst in der nächsten Saison soll die Arbeit des ambitionierten Trainers Lucien Favre Früchte tragen. Und in Ansätzen war gegen die bissigen Lausitzer Favres Handschrift zu erkennen.

Die mit jungen und talentierten Individualisten wie Raffael oder Gojko Kacar gespickte Mannschaft kombinierte mitunter sehr ansehnlich - doch fehlte vor dem Tor noch die letzte Durchschlagskraft. "Wir müssen im Strafraum einfach noch entschlossener werden. Der letzte Pass kommt häufig nicht an. Das ist dann halt alles etwas zu schlampig", ärgerte sich Manager Dieter Hoeneß, fügte aber hinzu: "Man muss jedoch auch sagen: Die neuen Spieler wie Lukasz Piszczek oder Kacar haben heute schon ein starkes Spiel gemacht."

Pantelic bleibt blass

Ähnlich zwiespältig fiel Favres Fazit aus: "Wir haben heute verdient verloren, trotzdem haben wir nicht schlecht gespielt. Das war teilweise guter Fußball. Leider hatten wir viel zu viele Ballverluste." Herthas bester Torschütze Marko Pantelic, dem ein schlechtes Verhältnis zu seinem Trainer nachgesagt wird, blieb nach längerer Verletzungspause völlig blass. Favre wollte die Niederlage jedoch nicht an seinem eigenwilligen Stürmerstar festmachen, sondern wies darauf hin, dass das Spiel "global" analysiert werden müsse.

Bis die Hertha globalen Stellenwert besitzt, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Erst einmal gilt es für die Hauptstädter, die wenigen Punkte, die für den Nichtabstieg noch nötig sind, einzufahren. "Am besten schon in den nächsten Spielen, damit wir unsere Ruhe haben", forderte Kapitän Arne Friedrich.

Die nächste Möglichkeit, für Ruhe zu sorgen, bietet sich den Berlinern am kommenden Wochenende zuhause gegen die kriselnden Bremer. Die Cottbuser dagegen müssen in Duisburg zeigen, dass sie auch gegen Teams aus dem Tabellenkeller gewinnen können - und das hat die Mannschaft von Trainer Bojan Prasnikar in dieser Saison noch nicht ein Mal geschafft.

Aus Cottbus berichtet Martin Einsiedler / Eurosport