Eurosport - Sa 31.Jan. 13:29:00 2009
Der Kampf gegen Fernando Verdasco hatte Rafael Nadal bis an die Grenze des Möglichen getrieben. Vor seinem ersten Australian-Open-Finale stehen die Vorzeichen gegen Roger Federer nun eher schlecht. Dass sich der Schweizer dabei einen Tag länger erholen konnte, fand der Spanier unfair.
Am Freitagabend musste Roger Federer seine Pläne ändern. Temperaturen von bis zu 45 Grad im Schatten hatten die Stromversorgung in weiten Teilen Melbournes lahmgelegt und auch das schicke Crown Hotel, in dem der Schweizer nächtigt, war betroffen. Die elektronischen Türschlösser versperrten ihm den Zugang zu seiner Suite, die Fernseher in der Lobby funktionierten nicht, also fuhr Federer mitsamt seiner Entourage in Richtung Melbourne Park. Dort machte er es sich dann in der Players Lounge gemütlich und schaute sich entspannt an, welcher Gegner ihn am Sonntag im Finale der Australian Open erwarten würde.
Dass es aber so lange dauern würde, hatte selbst Federer nicht ahnen können. Rafael Nadal und Fernando Verdasco standen sich fünf Stunden und 14 Minuten lang gegenüber. Doch nicht nur aufgrund der Dauer hat dieses Halbfinale Tennishistorie geschrieben, es war wohl auch das beste Match, das jemals in der Rod Laver Arena ausgetragen wurde. Intensiver, hochklassiger und spannender hätte es nicht zugehen können, beide Akteure trieben sich Schlag für Schlag auf immer höheres Niveau und gingen physisch und mental an ihre Grenzen.
"Roger konnte sich jetzt schon ausruhen"
Als um 1:10 Uhr morgens Verdasco ausgerechnet per Doppelfehler sein Schicksal besiegelte, sackte Nadal an der Grundlinie zu Boden, erschöpft und vor allem erleichtert. Er wusste, dass er diese Partie auch hätte verlieren können, nur Nuancen hatten darüber entschieden. Und ebenso wusste Nadal, dass er es am Sonntag sehr schwer haben würde, Federer in bester Verfassung gegenüber zu treten. "Es wird sehr hart für mich werden, in anderthalb Tagen das Finale zu spielen", erklärte Nadal, "ich werde alles dafür tun, um mich so gut wie möglich zu erholen. Aber nach so einem Match fühlt man sich in den Tagen danach unheimlich schwer."
Dass Federer bereits tags zuvor seine Halbfinalpartie gegen Andy Roddick bestritten hatte, und damit mehr Zeit zur Erholung hatte, nervte den Weltranglistenersten: "Roger konnte sich jetzt schon ausruhen und hat einen Tag mehr. Das ist sehr unglücklich für mich nach so einem Match. Er ist jetzt klar im Vorteil. Es wäre fairer gewesen, wenn wir am selben Tag gespielt hätten."
Erstes Duell im Melbourne Park
Nur bei den Australian Open werden die Herren-Halbfinals an zwei Tagen angesetzt. Im letzten Jahr hätte Nadal als Nummer zwei der Setzliste diesen Vorteil nutzen können, als eben er es war, der donnerstags spielte. Doch Nadal unterlag Jo-Wilfried Tsonga. "Ich denke nicht, dass Rafael große Probleme haben wird, sich zu erholen, entgegnete Federer, "er hatte bisher ein sehr leichtes Turnier und er ist fit. Ich glaube nicht, dass es unfair ist."
Auf das Traumfinale zwischen den beiden Dauer-Rivalen, die sich zum siebten Mal in einem Grand-Slam-Endspiel gegenüberstehen und damit einen neuen Rekord aufstellen, wurde vom Turnierbeginn an hingefiebert. Denn noch nie hatten die beiden Ausnahmespieler in Melbourne ihre Kräfte gemessen, zum letzten Mal trafen sie sich im inzwischen legendären Finale von Wimbledon im vergangenen Sommer. Dass ihnen ein ähnliches Match wie damals noch einmal gelingen wird, steht zu bezweifeln, allein weil Nadals Akku vermutlich arg verbraucht sein dürfte.
"Als ich die Matchbälle hatte, kamen mir die Tränen"
"Ich weiß gar nicht, wann ich heute ins Bett komme. Wie spät ist es eigentlich?", fragte Nadal in die Runde der Medienvertreter. Es war inzwischen fast drei Uhr morgens. "Ich habe hier die spanische Zeit auf meiner Uhr", sagte er und musste lachen. Doch weniger amüsierte Nadal die Vorstellung, wie die Vorbereitung auf Finale ablaufen würde: "Ich werde heute gar nicht schlafen können, die Intensität war einfach zu hoch. Als ich die Matchbälle hatte, sind mir die Tränen gekommen, weil es zu emotional für mich war. Ich werde morgen wohl nur schlafen und dann abends um sieben vielleicht trainieren. Ich muss alles versuchen."
Nadal könnte der erste Spanier werden, der bei den Australian Open triumphiert, doch Federers Rendezvous mit der Geschichte ist noch um einiges gewichtiger: Er könnte mit seinem dann 14. Grand-Slam-Titel mit Pete Sampras in der Bestenliste gleichziehen. Sicherlich würde ihn das über einige bittere Niederlagen gegen Nadal hinwegtrösten. Doch der sieht seine Mission "Down Under" trotzdem schon erfüllt, nicht nur, weil er auch nach dem Turnier die Nummer eins bleiben wird: "Das ist auf jeden Fall der beste Saisonstart meiner Karriere, egal wie es am Sonntag ausgeht."
Kommentare 1 - 2 of 42
Was waren das noch Zeiten als Steffi und Boris spielten.
Hier treffen sich wohl die hirnlosesten Federer/Nadal Fans überhaupt, die von Tennis genausoviel verstehen wie von Quantenphysik.
Die Federer-Fans prophezeien wie schon in 2008, dass Federer alle Titel u. Grandslams hollt und dass er locker gegen Nadal gewinnt - das Resultat kennen wir schon (Die Ausrede Federer krank, Nadal doppt - mit Tennis hat das wenig zu tun). Die Nadal-Fans wünschen Federer Tod und eine schöne Reise auf die Spitze der Top100....
Zu blöd, dass durch die 90% aller Kommentare hier - Eurosport als eine drittklassige Sportseite aussieht, hoffe es ändert sich!!!!
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