Eurosport - Fr 30.Nov. 15:27:00 2007
Sieben Monate vor dem EM-Anpfiff schauen Fans und Organisatoren in der Schweiz und Österreich mit Bangen oder gar mit unverhohlenem Pessimismus in die Fußball-Zukunft des Sommers 2008. Die Ausgangslage könnte in den beiden Gastgeberländern dabei unterschiedlicher kaum sein.
Während sich die Schweiz das hochgesteckte Ziel des EM-Titels gesetzt hat, wären Österreichs Fußballer schon froh, nicht als schlechtestes Team in die Annalen der kontinentalen Meisterschaft einzugehen. Bei der Auslosung der EM-Gruppen am Sonntag in Luzern haben beide Mannschaften eines gemeinsam: Sie sind als "Köpfe" der Gruppen A beziehungsweise B gesetzt.
Österreichs Nationalteam hat sich in der Heimat in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder zum Gespött gemacht. Die Spieler um Nationaltrainer Josef Hickersberger gewannen ganze zwei von zwölf Testspielen: Gegen Trinidad und Tobago sowie die Elfenbeinküste. Sie spielten dabei oft so schlecht, dass eine in Tirol gegründete Initiative den Fußballverband des Landes aufforderte, freiwillig auf die Teilnahme an der EM 2008 zu verzichten.
Verzweiflung, Hohn und Spott
Österreichs Fußballfans reagieren auf die Spiele ihres Teams inzwischen mit blanker Verzweiflung, die Kritiker dagegen mit Hohn und Spott. "Rasenhumpler" nannte der Wiener "Kurier" in dieser Woche die eigenen Spieler. Sind die jungen Nationalkicker der Alpenrepublik doch inzwischen auf Platz 91 der FIFA-Weltrangliste abgerutscht. In Europa liegen sie auf dem 44. Platz, gefolgt von Fußball-Zwergen wie Liechtenstein oder Andorra.
Experten glauben zu wissen, was das österreichische Problem ausmacht. Der Verband habe es über viele Jahre versäumt, eine gezielte Nachwuchsförderung zu betreiben. Nur wenige Nationalspieler werden von ihren österreichischen Vereinen eingesetzt. Im letzten Vorbereitungsspiel (0:1) gegen England verlor Hickersbergers Team - wie "Der Standard" anmerkte - "ohne eine einzige Torchance" zu haben. Und dabei ließen es die Gäste von der Insel sogar gemächlich angehen.
"Hicke" widersteht den Rufen
Doch "Hicke", wie der Trainer genannt wird, widersteht allen Rufen, ältere, erfahrene Spieler in die Mannschaft zu holen. Er baut darauf, dass seine Mannschaft bis zur EM nach deutschem Vorbild noch zusammenfindet. Und bis zur EM wird er wohl auch Trainer bleiben.
Ganz anders ist die Lage bei den Eidgenossen. Trainer Jakob (Köbi) Kuhn ist 64 Jahre alt. Und trotzdem setzen die Schweizer Fans alles auf einen Fußball-Frühling. Denn 2008 soll es mit der "Nati" - wie die Eidgenossen ihr Team liebevoll nennen - wieder aufwärts gehen. Kuhn wird bei der EM noch dabei sein, obwohl er derzeit wirklich viel einstecken muss, und sich danach verabschieden.
Fehlende Angriffslust und Aggressivität
Kritik gab es in letzter Zeit viel und heftig, etwa nach dem 0:1 gegen Nigeria, als Gäste-Trainer Berti Vogts den Eidgenossen die Leviten las: Es mangele den Schweizern an Angriffslust und Aggressivität. Diese soll nun in den kommenden sieben Monaten aufgebaut werden. Denn Kuhn bleibt dabei: Er will Europameister werden, woran derzeit in der Schweiz allerdings kaum jemand glaubt. Schon gar nicht nach fünf Niederlagen bei zehn Freundschaftsspielen in diesem Jahr.
Sorge bereiten vor allem die Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft in Deutschland: Im Achtelfinale schied man gegen die Ukraine aus, obwohl man als einzige Mannschaft ohne Gegentor geblieben war. Im Elfmeterschießen versagten allen Schützen die Nerven.
dpa / Eurosport