Unterstützung für Pechstein wächst

Eurosport - Fr 30.Okt. 12:51:00 2009

Die Stimmung ist gekippt, aus Kritikern sind Daumendrücker geworden: Obwohl die gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin bei den deutschen Meisterschaften nicht startberechtigt ist, bestimmte das "Thema Claudia Pechstein" in Berlin abseits des Eises alle Diskussionen.

2007 eisschnelllauf Pechstein (vo), Anschütz-Thoms (l) und Opitz laufen in Salt Lake City zu Bronze. - 0

Die Betroffene zog es hingegen vor, im Sportforum wie an jedem Tag ihre Trainingsrunden zu drehen und auf einen Besuch der Meisterschaftsrennen zu verzichten.

Der Trend der Diskussionen im deutschen Lager geht eindeutig dahin, der Team-Gefährtin nicht mehr mit Distanz, sondern eher aufmunternden Worten gegenüberzutreten.

Während sich allein Anni Friesinger in Berlin nicht zur Causa Pechstein äußern wollte, ging Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms offensiv mit dem Fall um: "Wir haben die Chance, in Vancouver Team-Gold zu gewinnen. Aber das geht nur mit Anni und Claudia. Ich hoffe auf ein gutes Ende, aber ich bin kein Richter", meinte die Erfurterin. Und Sprint-Weltmeisterin Jenny Wolf fügte hinzu: "Jeder, der an der Spitze steht, wird beargwöhnt. Mich wird das aber nicht belasten."

Hoffen auf schnelles Ende

Ihre Zurückhaltung und kritischen Worte abgelegt haben auch die deutschen Männer, mit denen Pechstein trainiert. Der Berliner Tobias Schneider sandte Pechstein eine SMS zur Verhandlung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS mit aufmunternden Worten. Der Chemnitzer Marco Weber versucht, sich in ihre Gefühlswelt zu versetzen: "Der Fall Pechstein ist allgegenwärtig. Ich bin sogar doppelt betroffen, denn mit der Bundespolizei haben wir beide den gleichen Arbeitgeber", sagte der Langstreckler.

Einig sind sich alle Athleten, dass die Affäre nun ein möglichst schnelles Ende finden sollte. "Der Verband war zuletzt vollkommen auf den Fall fokussiert, das hat vom Ziel Olympia abgelenkt", äußerte Weber verhaltene Kritik. Verbands-Präsident Gerd Heinze gibt ihm Recht: "Die Causa Pechstein hat Kraft gekostet in einem Ausmaß, wie es keiner abschätzen konnte. Ich bedaure auch die anderen Sportler, die das mit ausbaden mussten."

Nur ein Ergebnis möglich?

Der Präsident macht keinen Hehl daraus, dass das CAS-Urteil, das nicht vor dem 5. November erwartet wird, aus seiner Sicht nur ein Ergebnis haben kann. "Der EPO-Missbrauch konnte nicht nachgewiesen werden. Es gibt keine Veranlassung, die Sperre aufrechtzuerhalten", sagte Heinze. Er fürchtet aber, dass das Image des Verbandes Kratzer bekommen hat. "Wir machen uns keine Hoffnungen, ein Makel bleibt in jedem Falle an Claudia Pechstein, dem Verband und dem Eisschnelllauf- Sport insgesamt hängen", fügte er hinzu.

Auch auch an Schadensersatz im Fall eines Freispruchs glaubt Heinze trotz extrem hoher Kosten für die DESG nicht. "Das könnte nur gelingen, wenn durch den Weltverband ISU nachweislich ein Vorsatz vorliegt. Und das ist offensichtlich nicht der Fall."

Start schon nächste Woche

Heinze meinte jedoch, die Aktiven aller Sportarten könnten der Berlinerin dankbar sein. "Was da durch den Fall Claudia Pechstein mit Blick auf die Wissenschaft und das Prozedere von indirekten Beweisen angeschoben wurde, hat der Wahrheitsfindung für einen sauberen Sport gedient", erklärte der DESG-Präsident. Er hofft auf ein schnelles Urteil, damit Pechstein schon kommende Woche beim Weltcup in Berlin starten kann. Dabei wäre sie aufgrund ihrer Vorjahresergebnisse für die A-Gruppe über 1500 und 3000 Meter gesetzt.

Die neuen Ausführungsbestimmungen zum Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA haben laut Heinze die Haltung des Verbandes gestärkt. "Hätte es diese früher gegeben, hätten wir uns den Gang nach Canossa sparen können", meinte er. Damit werde eine Anleitung gegeben, wie künftig mit dem indirekten Beweis - der Sperre auf Grundlage von Indizien - verfahren werden muss. "Wir sind für den indirekten Beweis, aber jeder Prozess bedarf einer Nachbesserung. Das Urteil wird einen gewaltigen Schritt nach vorn im Sinne der Objektivierung beinhalten", sagte DESG-Sportdirektor Günter Schumacher.

dpa / Eurosport

Kommentare 1 - 1 of 1

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  1. eine einzige katastrophe !!! die medien berichten über­ jeden dopingfall im ausland und fordern strafen aber­ die deutschen ??? für mich ist der gesammte deutsche­ wintersport gedopt ausnahme vielleicht die alpinen­ sonst sind solche leistungssteigerungen wie es z.b. die­ langläufer (waren bis 1992 nicht einmal zweitklassig)­ nicht zu erklären. wenn im biathlon mal wieder eine­ sportlerin ne grippe hatte kommt sie nach 2 wochen­ zurück und läuft alles in grund und boden . andrea­ henkel ist das beste beispiel die konnte am anfang nur­ schiessen und auf einmal gehörte sie in der letzten­ saison oft zu den 5 besten läuferinen . das problem bei­ Pylewa und co. ist nur das der verband nicht so gut­ funkioniert wie in deutschland ich gucke bald nur noch­ skispringen dort kann nur gehungert aber schwierig­ gedopt werden.

    Von zwerger72, am Sa 31.Okt. 14:37
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