Berlin (dpa) - Monique Angermüller feierte ihren Premieren-Titel mit einem Jubelschrei, Jenny Wolf sprach von einem «eher gemütlichen» Auftakt: In Abwesenheit der gesperrten Claudia Pechstein und der verletzten Anni Friesinger-Postma haben zwei weitere Olympia-Hoffnungen den Saison-Auftakt der Eisschnellläufer dominiert.
Freude gab es jedoch auch für Anni Friesinger, denn ihr Bruder Jan meldete sich mit dem 1000-m-Titel in der Spitze zurück. Die WM-Neunte Monique Angermüller bezwang in 1:17,86 Minuten auf der 1000-Meter-Distanz die Team-Olympiasiegerin Anschütz-Thoms, die wie in den vergangenen Jahren einen Ausflug auf die Kurzstrecke unternommen hatte, diesmal aber in 1:18,32 das Nachsehen hatte. «Ein schönes Gefühl: Ich hatte mir fest vorgenommen, dass die Sprintstrecke in diesem Jahr von einer Sprinterin und nicht von einer Mehrkämpferin gewonnen wird», meinte Angermüller und riss vor Freude im Ziel die Arme in die Luft. Noch bis vor zehn Tagen hatte sie nach einem Virusinfekt Antibiotika schlucken müssen.
Weltmeisterin Jenny Wolf deklassierte mit der Einstellung ihrer Saisonbestzeit von 38,35 Sekunden über 500 Meter die Konkurrenz. «Im Vorjahr war ich schneller, mir fehlt nach dem harten Training noch die Frische. Aber ich habe in diesem Jahr einen anderen Saisonaufbau: Der Höhepunkt mit Olympia kommt erst im Februar», meinte die Berliner Weltrekordlerin und haderte zugleich damit, dass nicht wie bei Olympia beide 500-Meter-Läufe unmittelbar nacheinander ausgetragen wurden. Erst am 31. Oktober kann die 30 Jahre alte Berlinerin nun ihren elften Titel und den Hattrick über die 500 Meter perfekt machen.
Für die größte Überraschung sorgte Jan Friesinger, der nach fünfjähriger Abstinenz in 1:10,88 über 1000 Meter seinen insgesamt sechsten Titel erkämpfte. «Ich bin total happy. Er hat so hart trainiert und das so verdient», freute sich Anni Friesinger-Postma über ihren Bruder, der seinen Lebensmittelpunkt inzwischen in Oslo hat und nicht mit der deutschen Auswahl in Berlin trainiert. Am 4. Oktober war er Vater geworden. «Die Familie und mein Sohn Ola haben mir den letzten Motivationskick gegeben», meinte der 28-Jährige, der nun beim Berliner Weltcup in der A-Gruppe starten darf. Über 5000 Meter holte Titelverteidiger Marco Weber und gewann in 6:35,64 Minuten sein achtes Meisterschafts-Gold. Allerdings wäre er bei den parallel laufenden niederländischen Meisterschaften damit nur auf Platz 13 gelandet.
Nico Ihle erfüllte sich in 35,96 Sekunden sein Ziel, über 500 Meter unter der 36-Sekunden-Marke zu bleiben. «Das war mit 9,89 Sekunden der beste Angang meiner Karriere, dennoch war der Lauf noch nicht perfekt», meinte der Chemnitzer. Mitfavorit Samuel Schwarz (Berlin) stürzte in der Zielkurve und zeigte sich auch nach seinem dritten Platz über 1000 Meter sehr enttäuscht. Er muss nun beim Weltcup in der B-Gruppe antreten.


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