DFB: Zwanziger macht's noch einmal

Eurosport - Fr 30.Jul. 15:32:00 2010

Die Amtsmüdigkeit ist verflogen: Theo Zwanziger will den DFB weitere drei Jahre als Präsident führen. "Ich freue mich auf die künftigen Aufgaben", sagte der 65-Jährige nach der Präsidiumssitzung in Frankfurt am Main, der sich beim Bundestag im Oktober in Essen dem Votum der Delegierten stellen wird.

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Bundestrainer Joachim Löw und weitere führende deutsche Fußball-Funktionäre lobten die "gute Nachricht", aber Zwanziger geht bei einer Wiederwahl nicht unbelastet in die dritte Amtszeit.

"Intensive Gedanken über Lebensplanung"

Die Schiedsrichter-Affäre um Michael Kempter und Manfred Amerell könnte ein juristisches Nachspiel haben. Das Präsidium beschloss einstimmig, die von Amerell geltend gemachten Schadenersatzansprüche nicht anzuerkennen. Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär fordert diese Erklärung bis zum 2. August. Ansonsten würde Klage gegen den DFB erhoben. Das Gremium hält die Ansprüche in keiner Weise für nachvollziehbar und lässt die neuen Vorwürfe durch Kontroll-Ausschuss und Schiedsrichter-Kommission prüfen. Erst danach will das Präsidium entscheiden, ob und in welcher Form Kempter als Schiedsrichter in Zukunft eingesetzt wird. Kempter soll bis zur Klärung nicht mehr pfeifen, teilte der DFB mit.

"Es muss legitim sein, sich am Ende einer Legislaturperiode intensive Gedanken über die zukünftige Lebensplanung zu machen", erklärte Zwanziger. Gespräche mit der Familie, der große Rückhalt aus den unterschiedlichsten Bereichen des Fußballs, der Politik und Gesellschaft sowie die anstehenden Herausforderungen des Verbandes hätten ihn zur festen Überzeugung geführt, noch einmal für das Ehrenamt zu kandidieren.

Der Jurist aus dem rheinland-pfälzischen Altendiez führt den größten Sportverband der Welt seit 2004. Zuerst gemeinsam mit Gerhard Mayer-Vorfelder, seit dem 8. September 2006 als alleiniger Präsident.

Löw-Verlängerung ein wichtiger Faktor

Nicht unwesentlich in der Entscheidungsfindung sei auch die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw gewesen. "Das Verhalten des Bundestrainers hat mir gezeigt, das mein Vertrauen gerechtfertigt war. Auf dieser Basis können wir weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten", sagte Zwanziger.

"Sein gesellschaftspolitisches Engagement kommt auch unserer Nationalmannschaft zugute. Der Präsident hat uns immer den Rücken gestärkt", erklärte Löw. Auch Teammanager Oliver Bierhoff fand lobende Worte: "Das ist eine gute Nachricht. Viele neue Ideen hat er unterstützt und dabei wichtige Weichen gestellt." Die Deutsche Fußball Liga DFL freut sich ebenfalls über das Weitermachen des obersten Fußball-Funktionärs. "Der Liga-Verband begrüßt den Wunsch nach einer weiteren Amtszeit ausdrücklich", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

Seine zentrale Aufgabe sieht Zwanziger in dem zuletzt forcierten gesellschaftlichen Engagement des Verbandes. "Die hohe Identifikation der Menschen mit dem Fußball muss für uns Verpflichtung und Auftrag sein, soziale Verantwortung wahrzunehmen", meinte der DFB-Boss. Die Themen Integration, Prävention, Gleichberechtigung und Umweltschutz würden immer mehr an Gewicht gewinnen. So soll auf dem Bundestag in Essen erstmals ein Nachhaltigkeitskonzept vorgestellt werden.

Wieder Wirbel um Kempter

Allerdings droht Zwanziger noch Ungemach im Schiedsrichter-Skandal: Der ehemalige Bundesliga-Referee Kempter hatte im Februar Amerell der sexuellen Nötigung bezichtigt, die der Beschuldigte stets bestritten hat. Zwanzigers Aufklärungsarbeit wurde heftig kritisiert. Ihm wurde vorgehalten, er fahre einen Zickzack-Kurs und habe sich allzu schnell auf die Seite Kempters geschlagen.

Mit der Affäre beschäftigte sich auch das DFB-Präsidium. Ergebnisse teilte der Verband aber nicht mit. Amerells Anwalt Jürgen Langer hatte jedem der 19 Präsidiumsmitglieder einen 24 Seiten langen Schriftsatz zukommen lassen. Bis zum 2. August sollen die Funktionäre die Schadenersatzansprüche gegen den Verband anerkennen. "Wenn in dieser Zeit nichts passiert, werden wir Klage gegen den DFB einreichen", hatte Langer erklärt.

Gegen Kempter hat der Anwalt bereits vor dem Amtsgericht Hechingen wegen übler Nachrede und Verleumdung Klage erhoben. Der inzwischen von der FIFA-Liste gestrichene Kempter hatte im Februar angezeigt, der 63-jährige Amerell habe ihn und andere Schiedsrichter sexuell genötigt. Langer beklagt, dass Amerell entgegen den Statuten "zu keiner Zeit das ihm zustehende rechtliche Gehör gewährt worden ist". Der DFB hätte "erheblichen Schaden von ihm abwenden können".

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dpa / Eurosport

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