Eurosport - Fr 30.Mai. 11:57:00 2008
Einen Tag nach dem Tagessieg durch den High Road-Fahrer Andre Greipel hat Jens Voigt auf der 18. Etappe des Giro für den zweiten Etappensieg eines Deutschen gesorgt. 34 Kilometer vor dem Ziel attackierte der CSC-Profi und verteidigte seine Führung verbissen bis über die Ziellinie in Varese.
Lange Ausreißversuche sind das Markenzeichen des 36-jährigen Berliners - und genau das hat Jens Voigt auf der 18. Etappe wieder bewiesen. "Ich musste aus der zwölfköpfigen Gruppe angreifen und es auf eigene Faust versuchen, weil ich im Spurt gegen Bettini und Bennati keine Chance gehabt hätte", sagte Voigt. In der zweiten der beiden Abschlussrunden des WM-Kurses habe er gespürt, "dass ich es schaffen kann".
Rechtzeitig mit Überfahren der eigentlichen Ziellinie nahm sich der CSC-Profi ein Herz und attackierte aus der zwölfköpfigen Spitzengruppe heraus. Zwei Runden à 17,4 Kilometer hatte Voigt also noch als Solist auf dem Kurs der im September stattfindenden Rad-WM zu absolvieren - und das bei einsetzendem Regen. Der zweimalige Träger des Gelben Trikots bei der Tour de France biss sich jedoch durch und riss bereits einige hundert Meter vor dem Ziel voller Freude die Arme in die Luft - der erste Einzelerfolg beim Giro war perfekt. Mit einem Rückstand von 1:07 Minuten sicherte sich Giovanni Visconti (Quick Step) im Zielsprint den zweiten Platz vor Rinaldo Nocentini (ag2r) und Gabriele Bosisio (LPR). Der italienische Weltmeister Paolo Bettini (Quick Step) musste sich mit einem undankbaren sechsten Platz hinter seinem Landsmann Daniele Bennati (Liquigas) zufrieden geben.
WM-Feeling auf Etappe 18
Der 147 Kilometer lange und wellige Tagesabschnitt vom schweizerischen Mendrisio bis nach Varese war eigentlich prädestiniert für den amtierenden Weltmeister Paolo Bettini, denn die Etappe stand ganz im Zeichen der WM. In Mendrisio kamen die 146 verbliebenen Fahrer in den Genuss, eine Runde auf der WM-Strecke des Jahres 2009 zu drehen, kurz vor dem Ziel musste der Giro-Tross dann in Varese noch zwei Runden auf dem WM-Kurs dieses Jahres absolvieren. Dieses weltmeisterliche Spektakel ließ sich Bettini nicht entgehen und attackierte bereits nach acht Kilometern. Elf Fahrer, darunter auch Voigt, der Träger des "maglia ciclamino" - Bennati -, sowie Bettinis Teamkollege Visconti konnten zum Weltmeister aufschließen und den Vorsprung auf das Peloton durch gute Teamarbeit ausbauen. Nach 29 Kilometern endete der Abstecher in die Schweiz, und die zwölfköpfige Ausreißergruppe hatte bereits einen Vorsprung von über vier Minuten auf das Hauptfeld herausgefahren, in dem das Team Astana des "maglia rosa" die Tempoarbeit leistete.
Nach der Attacke von Voigt kam es in der elfköpfigen Verfolgergruppe immer wieder zu Tempoverschärfungen - das Peloton hatte zu diesem Zeitpunkt bereits keine Chance mehr, die Ausreißer zu stellen. Der 34-jährige Bettini konnte dem hohen Tempo bei der Aufholjagd nicht mehr folgen und musste eine Gruppe mit den drei Italienern Visconti, Nocentini und Bosisio ziehen lassen. Während der Siegeswille des Deutschen auf den regennassen Straßen von Varese nicht zu bremsen war, konnten sich die Verfolger in der Tempoarbeit nicht einigen.
Contador rettet Rosa in die Alpen
Das Hauptfeld erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 7:51 Minuten - das Rosa Trikot des Gesamtführenden Alberto Contador (Astana) geriet jedoch zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Der 25-jährige Spanier verteidigte seine Spitzenposition und hat vor den letzten beiden schweren Bergetappen und dem abschließenden Einzelzeitfahren in Mailand weiterhin einen Vorsprung von 41 Sekunden auf den Zweiten, Riccardo Ricco (Saunier-Duval) sowie 1:21 Minuten auf Gilberto Simoni (Diquigiovanni). Teamkollege Andreas Klöden liegt mit einem Rückstand von 8:44 Minuten auf Rang 15. Im Kampf um das "maglia ciclamino" sicherte sich Daniele Bennati weitere wichtige Punkte und führt nun uneinholbar mit 180 Punkten vor den punktgleichen Mark Cavendish (High Road/106) sowie Paolo Bettini (Quick Step).
Hinweis:
Mit dem Giro d'Italia steht die erste der drei großen Landesrundfahrten an - und Eurosport präsentiert Ihnen den dreiwöchigen Kampf um das "maglia rosa" vom 10. Mai bis 1. Juni täglich LIVE im TV sowie im Ticker auf eurosport.yahoo.de!