EM 2008 - Zehn Mann und ein Ronaldo

Eurosport - Fr 30.Mai. 14:55:00 2008

Im portugiesischen Lager blickt alles auf Superstar Cristiano Ronaldo - gut für die anderen, die dadurch nicht so stark im Fokus stehen. Was der Vize-Europameister in Österreich und der Schweiz erreichen kann, sagt Ihnen eurosport.yahoo.de im EM-Porträt.

FOOTBALL 2008 Euro Portugal Cristiano Rolando - Scolari - 0

Der Trainer:

Obwohl Luis Felipe Scolari die Portugiesen bei großen Turnieren von Erfolg zu Erfolg führt, hat das Image des Brasilianers im Land gelitten. Seine handgreifliche Auseinandersetzung mit Ivica Dragutinovic im Qualifikationsspiel gegen Serbien, als der dem Spieler einen Kinnhaken verpasste, hat dafür gesorgt, dass der 59-Jährige trotz der Vize-Europameisterschaft 2004 und Platz vier bei der WM in Deutschland nicht mehr unantastbar ist. Scolaris Vertrag läuft nach der EM aus, doch der ehrgeizige Taktiker will sich das mögliche Ende mit einem weiteren erfolgreichen Turnier versüßen. "Ich glaube, dass wir das Finale erreichen können, auch wenn wir dazu schwere Gegner schlagen müssen", gibt sich der Coach zuversichtlich. Brasiliens Weltmeister-Trainer von 2002 geht dabei zielstrebig seinen eigenen Weg, auch wenn dazu unpopuläre Maßnahmen gehören, wie beispielsweise die Auswechslung von Nationalheld Luis Figo im WM-Viertelfinale 2006 oder die Nicht-Nominierung Romarios vier Jahre zuvor.

Das Team:

Auch wenn Trainer Scolari großen Wert auf Teamgeist legt, über allen strahlt bei den Portugiesen Wunderstürmer Cristiano Ronaldo von Manchester United. Auch wenn dem 23-Jährigen im Champions-League-Finale vom Elfmeterpunkt die Nerven versagten, mit 42 Pflichtspieltoren für ManU hat der extrem schnelle und ballsichere Angreifer seinen Wert für eine Mannschaft mehr als deutlich gemacht.

Doch der Druck des Erfolges lastet bei den Iberern nicht ausschließlich auf Ronaldo. Auch Barcas Spielgestalter Deco wird maßgeblichen Anteil daran haben, wie weit es der Vize-Europameister von 2004 in den Alpenländern bringen wird. Den kleinen Regisseur, mit dem guten Auge für den finalen Pass, warfen in der Saison immer wieder Verletzungen zurück, nur selten kam er zu längeren Einsätzen in der spanischen Liga. Mit dem ausgemusterten Maniche fehlt zudem ein kampfstarker Spieler an Decos Seite.

In der Abwehr warten die Portugiesen mit geballter Erfahrung auf. Neben dem Stuttgarter Fernando Meira bilden Jose Bosingwa (FC Porto) und Chelseas Ricardo Carvalho eine Defensive von internationalem Format.

Taktik:

Das Spiel der Portugiesen ist offensiv ausgelegt. Im 4-3-3-System ist alles auf Flügelflitzer Cristiano Ronaldo und Spielmacher Deco als klassischer "Zehner" zugeschnitten.

Bundesliga-Legionäre: 2

Fernando Meira (VfB Stuttgart)

Hugo Almeida (Werder Bremen)

EM-Teilnahmen: 4

1984 Halbfinale

1996 Viertelfinale

2000 Halbfinale

2004 Finalist

Bilanz gegen Deutschland: 15 Spiele, drei Siege, fünf Unentschieden, sieben Niederlagen, 14:21 Tore

Vorrundengegner Gruppe A: Türkei (7. Juni), Tschechien (11. Juni), Schweiz (15. Juni)

eurosport.yahoo.de-EM-Tipp: Aus im Halbfinale

Mit ihrem erfahrenen Kader sind die Portugiesen in der Gruppe A die stärkste Mannschaft. Wie das Team schon bei den letzten Großereignissen bewiesen hat, können sich Scolaris Mannen im Turnierverlauf noch steigern. Das Erreichen des Halbfinales ist damit allemal wieder drin.

Der Kader:

Tor: Quim (Benfica Lissabon), Ricardo (Real Betis Sevilla), Rui Patricio (Sporting Lissabon)

Abwehr: Bruno Alves, Bosingwa (beide FC Porto), Fernando Meira (VfB Stuttgart), Jorge Ribeiro (Boavista Porto), Pepe (Real Madrid), Miguel (FC Valencia), Paulo Ferreira, Ricardo Carvalho (FC Chelsea London)

Mittelfeld: Deco (FC Barcelona), Petit (Benfica Lissabon), Raul Meireles (FC Porto), Joao Moutinho, Miguel Veloso (beide Sporting Lissabon)

Sturm: Cristiano Ronaldo, Nani (beide Manchester United), Hugo Almeida (Werder Bremen), Helder Postiga (Panathinaikos Athen), Nuno Gomes (Benfica Lissabon), Ricardo Quaresma (FC Porto), Simao (Atletico Madrid)

Fabian Kunze / Eurosport