Eurosport - Mi 30.Jan. 14:31:00 2008
Während Jan Ullrich im sportlichen Ruhestand um seinen Ruf kämpft, arbeitet Ivan Basso konzentriert an einem Comeback. Noch bis Ende Oktober 2008 läuft seine Doping-Sperre, doch nun mehren sich in Italien Stimmen, die eine Verkürzung fordern und Basso so einen WM-Start ermöglichen wollen.
Alcide Cerato, der Präsident der italienischen Profi-Liga, soll ebenso wie Ex-Profi Felice Gimondi und Vittorio Adorni, u.a. Vorsitzender des UCI-ProTour-Rates, zu den Anhänger dieser Idee gehören, meldete die italienische Sportzeitung "Tuttosport".
Als Begründung für die Verkürzung wird zu Gunsten Bassos angeführt, dass andere Fahrer, die in die "Operacion Puerto" verwickelt seinen, weitaus kürzere Sperren als er erhalten hätten. Zudem seien viele verdächtige Sportler im Unterschied zum einstigen CSC-Star bislang gar nicht bestraft worden und dieser habe auch während seiner Sperre keine Dopingkontrolle verpasst.
Über eine verkürzte Sperre für Basso war allerdings bereits zum Zeitpunkt der Verurteilung des Publikumslieblings diskutiert worden. Mit guter Begründung wurde dies seinerzeit abgelehnt, denn im Unterschied zu echten Kronzeugen wie Jörg Jaksche oder Patrik Sinkewitz packte der Italiener weder über Hintermänner noch Strukturen des Doping-Systems aus und behauptet auch weiterhin, nie tatsächlich gedopt zu haben. Zwar habe er sich für die Tour de France 2006 Blut zu Dopingzwecken abnehmen lassen, zu einer Transfusion sei es aber nicht mehr gekommen, weil die Affäre vor Tourstart aufflog. Alle seine Siegen seien sauber, auch der höchst überlegene Triumph beim Giro d'Italia kurz zuvor, hatte Basso stets betont.
Da sich an dieser Ausgangslage nichts geändert hat, muss man bezüglich der Spekulationen über eine Amnestie Gilberto Simoni zustimmen. Der Intimfeind Bassos, einst selbst in eine Kokainaffäre verwickelt, hält nichts vom Vorschlag einer Reduktion: "Basso muss für seine Taten bezahlen - basta! Er hat einen Fehler gemacht und für den muss er geradestehen, bis zum Schluss. Alle im Radsport bezahlen für den bitteren Beigeschmack, den der Sport durch die Dopingskandale erhalten hat. Viele haben dabei ihre Liebe zum Radsport verloren und Basso hat seinen Teil zu diesem Problem beigetragen."
Andreas Schulz / Eurosport