Bundesliga - Hoeneß: "Konnte mit den Bayern wachsen"
Im Interview der Woche spricht Uli Hoeneß mit eurosport.yahoo.de über sein Alter, seinen runden Geburtstag und natürlich über Bayern. Der FCB-Präsident, der am 5. Januar 60 Jahre wird, schaut zurück auf seine Anfänge an der Säbener Straße und erklärt, warum er noch lange nicht an Ruhestand denkt.
Aufgezeichnet von Dirk Adam
Man ist so alt wie man sich fühlt. Wie alt fühlen Sie sich?
Uli Hoeneß: Ich muss sagen, dass ich mir in der Vergangenheit nie richtig Gedanken über mein Alter gemacht habe. Wenn ich jetzt mit meiner Frau diskutiere, sagt sie manchmal, mein Mann ist aber alt geworden. Dann schaut sie auf ihr Alter und stellt fest, dass sie selber so alt ist. Ich denke, man führt sich das Alter erst vor Augen, wenn jemand aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis krank geworden oder gestorben ist. Das gebietet einem natürlich, darüber nachzudenken. Ansonsten kann ich mich nicht beklagen, bis auf ein paar kleine Zipperlein und mein Knie.
Können Sie sich mit der Zahl 60 ohne Probleme anfreunden?
Hoeneß: Der einzige Zeitpunkt, als ich mich wirklich mit meinem Alter beschäftigt habe, war mein 30. Geburtstag. Da habe ich gedacht, jetzt werde ich alt. Das war ein Einschnitt. Ich habe damals mit 27 Jahren aufgehört zu spielen und kann mich noch genau an diese Zeit erinnern. Mit 40 oder 50 Jahren hatte ich keine Probleme. Es wäre schlimmer, wenn ich mehr Zeit zum Nachdenken hätte, aber diese Zeit gebe ich mir nicht.
Existiert das Wort Ruhestand überhaupt in Ihrem Vokabular?
Hoeneß: Ich habe mich mit diesem Thema nie beschäftigt, weil ich Spaß an meinem Beruf habe und mich immer wieder neuen Herausforderungen stellen muss.
Welche Rolle spielt das Alter in Ihren Augen?
Hoeneß: Heute werden die Menschen immer älter. Ob sie immer gescheiter werden, sei dahin gestellt. Alle beschäftigen sich mit dem Thema Ernährung, aber wenn ich durch meine Wurstfabrik laufe, dann sehe ich, wie sauber heutzutage Lebensmittel produziert werden. Es geht eigentlich nicht mehr darum, was wir essen. Sondern es geht vielmehr um andere Themen wie Demenz, weil wir zu alt werden.
Sind Ihnen Vegetarier suspekt?
Hoeneß: Vegetarier sind mir nicht suspekt, aber ich kann darin nicht so viel Sinn erkennen. Die Leute geben vor, gesünder zu leben und besser dran zu sein. Ich behaupte, sie leben nicht gesünder. Außerdem verlieren sie viel Lebensqualität. Sie sind oft schlecht gelaunt, weil sie nichts Gescheites im Magen haben.
Wie würden Sie Ihr persönliches Empfinden beschreiben?
Hoeneß: Ich habe im Moment so eine Phase, in der ich sagen kann, besser geht's nicht. Es soll mir nie schlechter gehen als heute, denn ich habe ein Zufriedenheitsgefühl auf Grund meiner Situation, meiner Familie, des FC Bayern und meiner Fabrik. Es gibt natürlich immer Wermutstropfen. Meine Aktienbestände waren schon mal mehr wert als heute. Aber das müssen wir uns alle abgewöhnen, denn dieses Perfekte gibt es nicht mehr, dass es immer höher und immer weiter geht. Damit müssen wir aufhören.
Diese Worte hätte man früher nie aus Ihrem Mund gehört...
Hoeneß: Da hat ein gewisser Entwicklungsprozess stattgefunden, denn ich wollte früher immer höher und weiter. Aber jetzt stelle ich fest, dass es im persönlichen Empfinden eine Phase geben muss, in der man zufrieden ist. Ich höre immer wieder, welche Geschäftsfelder kann der FC Bayern noch erfassen? Wo ist die Grenze? Bei 500 Millionen, bei einer Milliarde? Ich glaube, dass der Tag kommen wird, an dem es gut ist, wenn man seinen Umsatz und seine wirtschaftlichen Situation erhält. Ich werde immer verrückt, wenn ich höre, eine Aktie fällt um zehn Prozent, weil sie statt 1,17 Dollar nur 1,14 verdient hat. Da sage ich mir, Hauptsache sie haben Geld verdient. Da wird sich in Zukunft einiges verändern. Das können Sie mir glauben.
Haben Sie das Gefühl, dass Sie etwas versäumt haben? Wären Sie lieber Manager der Deutschen Bank geworden?
Hoeneß: Da hätte Josef Ackermann jetzt auch mal was zu tun (lacht...). Nein, denn ich würde es immer wieder so machen. Damals hätte sich nicht einmal Paul Breitner vorstellen können, dass wir aus dem FC Bayern mit zehn Millionen Mark Umsatz einen kleinen Konzern mit einem Umsatz von 350 Millionen Euro machen. Nach damaligem Zahlenwerk sind das 700 Millionen Mark. Ob ich diese Entwicklungschance auch in einem anderen Beruf gehabt hätte, weiß ich nicht. Hier konnte ich mit dem FC Bayern wachsen.
Ist Ihnen die riesige Medienpräsenz manchmal zu viel?
Hoeneß: Ich besitze keine Email-Adresse. Wenn Sie mir ein Fax schicken, werde ich Ihre Anfrage beantworten. Aber wenn ich jeden Tag 200 bis 300 Mails zu bearbeiten habe, kann ich mich nicht auf meine eigentlichen Aufgaben konzentrieren. Ich habe damals die Medien ins Boot geholt und die Privatsender forciert. Aber die Geister, die wir riefen, werden wir jetzt nicht mehr los. Ich würde sie manchmal gerne wieder etwas rausdrücken. Aber das ist schwierig.
Was halten Sie von den neuen Kommunikationsformen?
Hoeneß: Wenn ich heute einen Hammer rauslasse, ist die Meldung eine Minuten später im Internet und die ganze Welt weiß davon. Dann geht die Post ab. Und da liegt das Problem, denn davor schützen sich die Menschen, weil nicht so viele die Kraft haben, das zu machen. Wenn ich heute noch Manager wäre, wo ich jeden Tag was sagen muss, würde ich mich auch schwerer tun, meine freche Schnauze loszulassen. Wenn ich heute mit 27 Jahren als Manager anfangen müsste, hätte ich rechts mein Blackberry, links mein Samsung und wahrscheinlich noch ein iPad.
Welche Aufgabe reizt Sie eigentlich noch?
Hoeneß: Ich könnte mir vorstellen, einen Biergarten aufzumachen und mich hinter den Grill zu stellen. Damit wäre ich sehr glücklich. Nur noch Golf zu spielen, wäre mir zu einfach. Außerdem will ich mehr Zeit mit meiner Frau verbringen. Das habe ich ihr schon lange versprochen und davon habe ich zu wenig eingehalten. Sie hat natürlich schon gedacht, nun kommt der Rentner. Morgens mit ihr zwei Stunden frühstücken, dann vielleicht in den Garten oder zum Einkaufen gehen. Das habe ich bis jetzt noch nicht so gut umgesetzt.
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