Ligapokal - Der Spaßfußball macht Pause

Eurosport - So 29.Jul. 20:18:00 2007

Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel - eine Binsenweisheit vielleicht, passend jedoch für den Auftritt des FC Bayern im Ligapokal. Ohne den angeschlagenen Franck Ribery machte der Spaßfußball der Münchner Pause, doch mit Ze Roberto sprang ein Defensivspieler für ihn in die Bresche.

FOOTBALL 2007 Ligapokal Schalke Ernst Bayern Roberto - 0

Am Ende war eigentlich nur das Konfetti so richtig in Feierlaune. In Unmengen wirbelten und zwirbelten die rot-weißen Papierschnipsel durch die Luft und begruben die Protagonisten des Abends unter sich. Zuvor hatte Bayern-Kapitän Oliver Kahn den ersten Pokal der Saison etwas lustlos in den Leipziger Himmel gereckt. Und kaum hatte sich das letzte Konfetti auf dem frisch verlegten Rasen im Zentralstadion gesenkt, verließen die Spieler auch schon das Siegerpodest.

"Das war ein Arbeitssieg", resümierte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld und nannte das Fehlen vieler Stammkräfte als Grund für das eher dürftige Auftreten seiner Mannschaft: "Man kann nicht immer glänzen, aber dafür standen auch nicht die Spieler auf dem Platz, die den Unterschied durch ihre Extraklasse ausmachen." Gedacht hat der 54-Jährige dabei vor allem an Ribery, der die Münchner mit seinen drei Toren gegen Bremen (4:1) und Stuttgart (2:0) fast im Alleingang ins Endspiel geführt hatte.

Sonderlob für Ze Roberto

Ohne den Franzosen konzentrierte sich der Rekordmeister, der wegen einer Grippe kurzfristig auch auf Bastian Schweinsteiger verzichten musste, auf die Defensivarbeit, bei der Rückkehrer Ze Roberto eine tragende Rolle spielte und vom Trainer ein Sonderlob erhielt: "Wir haben mit ihm einen überragenden Mittelfeldspieler engagiert, der unheimlich viel Laufarbeit verrichtet und ein Gewinn für die Mannschaft ist."

Auch Neuzugang Marcell Jansen war nach dem Spiel voll des Lobes für seinen Teamkollegen: "Er hat eine wichtige Rolle vor der Abwehr. Er erkämpft die Bälle, beruhigt das Spiel und läuft sehr viel." Das Konzept der Bayern ging auf: Vizemeister Schalke kam trotz offensiver Aufstellung mit Halil Altintop, Peter Lövenkrands und Kevin Kuranyi kaum zu echten Torchancen. Die Bemühungen der Schalker, ein Tor zu erzielen, wurden meist schon im Mittelfeld erstickt - häufig genug durch Ze Roberto.

Duseltor durch Klose

Bei den "Königsblauen" hielt sich der Frust über die Finalniederlage trotzdem in Grenzen. Trainer Mirko Slomka hatte schon vor dem Spiel angekündigt, nach dem angestrebten Erreichen des Endspiels, vor allem den Zuschauern im Stadion eine gute Partie zeigen zu wollen.

Dies misslang, so der Coach, weil die Qualität, die Genauigkeit und das Tempo im Spiel gefehlt haben. "Wir haben viel zu lang den Ball gehalten und den Bayern ein Tor geschenkt. Schade, dass das Spiel durch so einen Treffer entschieden wurde." Vor dem inneren Auge sah Slomka da wohl noch einmal Torhüter Manuel Neuer und Verteidiger Mladen Krstajic im kolossalen Missverständnis den Ball an Nationalstürmer Miroslav Klose verlieren. Der Neu-Bayer zeigte Durchsetzungsvermögen und Kaltschnäutzigkeit, als er in der 29. Minute den Ball zum Goldenen Tor in die Maschen spitzelte.

Zufriedener Manager

Einer war dann am Ende doch noch so richtig glücklich über den Titel. Bayern-Manager Uli Hoeneß maß dem Sieg einen hohen Stellenwert für den Saisonverlauf bei. "Ein Titel vor der Saison ist gut für das Selbstvertrauen", erklärte Hoeneß, der dabei bestimmt auch ans Geld gedacht hat. Denn mit dem Sieg spielte seine Millionentruppe die ersten zwei Millionen Euro zurück in die geplünderten Kassen des Rekordmeisters.

Aus Leipzig berichtet Tobias Winzer / Eurosport