Eurosport - Di 29.Apr. 15:47:00 2008
Nach seinen ersten beiden Rennen in der FIA WTCC zieht BMW-Pilot Franz Engstler ein positives Fazit. "Es macht unheimlich Spaß, sich mit den internationalen Fahrern zu messen", erklärte der 47-Jährige aus Kempten gegenüber eurosport.yahoo.de.
Sie sind bereits seit Anfang der 80er Jahre im Motorsport aktiv. Warum sind Sie damals eingestiegen?
Franz Engstler: Mein Vater hat viele, viele Jahre Motorsport betrieben und ich war als Kind immer dabei. Damit ist das Interesse bei mir automatisch gewachsen. Der große Einstieg ist mir damals gelungen, als mich Willi Weber in den 80er Jahren zu einem Formel-3-Test geholt hat und ich die erste Saison gemeinsam mit Michael Schumacher fahren durfte.
Besonders erfolgreich waren Sie 2005 und 2006 in der Asian Touring Car Championship (BMW 320i), wo Sie zweimal Meister wurden. Kann man diese beiden Erfolge als vorläufige Karrierehöhepunkte bezeichnen?
Engstler: In meinen Augen gibt es verschiedene Höhepunkte. Das ging 1988 los mit der Vizemeisterschaft in der Formel 3. Das war für mich damals ein Riesenerfolg und ich habe von BMW die Chance bekommen, in der DTM zu fahren. Damit begann für mich ein ganz anderer Lebensabschnitt. Zum ersten Mal für ein Werksteam zu fahren gegen solche hochkarätigen Gegner wie Johnny Cecotto oder Roberto Ravaglia, das war natürlich auch ein großer Höhepunkt.
Im letzten Jahr sind Sie ADAC Procar Champion geworden. Wie wichtig war Ihnen dieser Erfolg?
Engstler: Im Prinzip sind alle Erfolge etwas Schönes und eine besondere Herausforderung zugleich. Die asiatische Meisterschaft war für uns natürlich ein Riesenerfolg. Erstmals konnten wir diese Serie zweimal hintereinander gewinnen und zudem war es ein komplett fremdes Land. Deshalb war es schon ein besonderer Erfolg. Die Procar-Serie war für mich natürlich eine Bestätigung, dass wir in Deutschland wieder Fuß gefasst haben.
2008 stehen Sie zum ersten Mal in der FIA WTCC am Start. Was hat Sie zu diesem Wechsel bewogen?
Engstler: Der Einstieg in die WTCC war eigentlich schon länger geplant. Wir sind ein reines Privatteam und müssen für die Finanzierung komplett selbst sorgen. Somit haben wir den ganz großen Vorteil, einen Top-Sponsor mit Liqui Moly gefunden zu haben. Diese Zusammenarbeit haben wir uns über Jahre aufgebaut, der uns nun den Einstieg in die WTCC ermöglicht, den wir eigentlich schon für 2007 geplant hatten.
Wieviel Geld muss man in die Hand nehmen, um eine erfolgreiche WTCC-Saison zu bestreiten?
Engstler: Man braucht mindestens 1,5 Millionen Euro, was natürlich ein sehr großes Budget für uns ist. Es ist aber nicht nur die finanzielle Seite ausschlaggebend, sondern man braucht auch einen guten Partner wie BMW, der sich um die technische Unterstützung kümmert. Das geht weiter über die Logistik bis zum Transport, wenn es mit den Containern zu den Übersee-Rennen geht. Die ganze Infrastruktur vom Team muss stehen und das braucht alles eine gewisse Vorlaufzeit.
Bereits zum Saisonauftakt in Curitiba haben Sie gezeigt, dass Sie mit der Weltspitze mithalten können. Sehen Sie das als Bestätigung Ihrer fahrerischen Leistungen?
Engstler: Die Bestätigung liegt für uns vor allem darin, dass wir den Rennspeed mitgehen können. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Reifen und die Strecken neu für uns sind. Somit denke ich, dass es auch eine große Bestätigung für unser Team ist, dass wir relativ schnell im Handling mithalten können. Damit wir die guten Leistungen auch im Qualifying bringen können, bedarf es aber noch einiger Tests.
Sie sind 2008 gemeinsam mit Andrej Romanow in einem Team am Start. Wie kam der Kontakt zustande?
Engstler: Wir sind letztes Jahr zusammen in der Procar-Serie gefahren. Wir haben nicht nur ein geschäftliches Verhältnis, wir sind auch befreundet. Das hat sich einfach im Lauf der Zeit entwickelt. Wir liegen auf der gleichen Wellenlänge und verfolgen das gleiche Ziel. Das lautet, so schnell wie möglich den Anschluss an die Spitze zu finden.
Nach dem Rennen in Curitiba erreichten Sie viele Glückwunsch-Mails. Wie wichtig ist der Kontakt zu den eigenen Fans?
Engstler: Der ist für mich ganz, ganz wichtig. Erstens, weil solche Dinge einem Fahrer und dem ganzen Team einen riesigen Auftrieb geben. Denn es ist einfach schön, wenn die Leute wahrnehmen, was wir als Privatteam leisten. Zweitens wäre der Motorsport ohne Fans überhaupt nicht denkbar. Ich kenne keinen Fahrer, der vor leeren Tribünen fahren will. Deshalb finde ich es gut, dass in der WTCC ein Pitwalk für die Zuschauer organisiert wird und dass die Fans noch an die Fahrer herankommen.
Wenn Sie die DTM und die WTCC vergleichen, würden Sie sagen, dass die WTCC auf dem richtigen Weg ist?
Engstler: Ich würde sagen, dass sich die WTCC gut entwickelt. Man sollte die Rennserie national nur ein bisschen bekannter machen, dass wir zum Beispiel auch eine regionale Fernsehpräsenz haben. Überregional funktioniert das schon sehr gut. In Deutschland wird die WTCC mit der Procar-Serie gestartet, was ich als gute Ergänzung ansehe.
In der Privatfahrer-Wertung liegen Sie momentan auf Platz fünf, nur sieben Punkte hinter der Spitze. Welche Ziele haben Sie sich für 2008 gesteckt?
Engstler: Die ersten zwei Rennen waren erst einmal wichtig, dass die Autos ganz bleiben. Am 5. und 6. Mai haben wir die ersten Tests in Oschersleben. Das ist für mich eigentlich der wichtigste Test, den wir machen. Da kennen wir die Strecke und die Gegebenheiten. Dort können wir direkt am Setup des Autos arbeiten. Ich denke, dass uns die nächsten Rennen zu Gute kommen, weil uns die Strecken nicht absolut fremd sind. Wenn ich am Ende der Saison unter die ersten drei der Privatfahrer-Wertung komme, dann würde sich für mich ein Traum erfüllen.
Das Interview führte Dirk Adam / Eurosport