Eurosport - Di 29.Apr. 19:22:00 2008
Nach den Klassikern beginnt nun mit der Tour de Romandie die Rundfahrt-Saison: Das Rennen in der Schweiz ist für die einen Fahrer der letzte Test vor dem Giro d'Italia, für andere der Abschluss vor einer Rennpause - und für manche Profis wie Andreas Klöden sogar einer der großen Saison-Höhepunkte.
Nachdem sein Astana-Rennstall bei den dreiwöchigen Rundfahrten ebenso wie bei etlichen weiteren Top-Rennen nicht eingeladen wurde, rücken Wettbewerbe wie jener in der Westschweiz in der Hierarchie nach oben. Mit Wut im Bauch strebt der Wahl-Schweizer bei der 62. Austragung der sechstägigen Tour de Romandie den ersten deutschen Podiumsplatz an.
Dabei wird sich Klöden allerdings mit starker Konkurrenz duellieren müssen: Rabobank schickt neben Titelverteidiger Thomas Dekker (Niederlande) auch den Russen Denis Menchov an den Genfer See, aus spanischer Sicht sind Oscar Pereiro (Caisse d'Epargne), Haimar Zubeldia (Euskaltel) sowie Igor Anton und Jose Angel Gomez Marchante (Saunier Duval) und im Auge behalten muss er auch die beiden Franzosen Sandy Casar (Francaise des Jeux) und David Moncoutié (Cofidis). Chancen auf einen Spitzenplatz dürfte sich aber auch Markus Fothen (Gerolsteiner) ausrechnen - und auch Jens Voigt (CSC) ist angesichts der neuen Streckenführung nicht zu unterschätzen.
Mehr Spannung durch neuen Kurs
Denn die Veranstalter haben die "klassische Formel" der letzten Jahre modifiziert, um die Spannung zu erhöhen: Das schon traditionelle Abschluss-Zeitfahren in Lausanne wurde gestrichen, um die Asse aus der Reserve zu locken, wie Chef-Organisator Richard Chassot erklärte. Der Kampf gegen die Uhr wurde auf die 3. Etappe nach vorne verlegt, damit die Top-Favoriten am nächsten Tag mit Abständen in die Königsetappe gehen und niemand seine Kräfte aus taktischen Gesichtspunkten bis zuletzt schont.
Den Auftakt macht weiterhin ein Prolog, der zwar nach Genf zurückkehrt, dort aber diesmal nicht in der Altstadt, sondern auf topfebenem Kurs am See ausgetragen wird. Die 200m am "Lac Leman" werden keinerlei nennenswerte Abstände bringen, was ganz im Sinne der Veranstalter ist. Anders dürfte das schon auf der 1. Etappe aussehen, die auf bergigem Terrain durch den Jura führt und 20 Kilometer vor dem Ziel einen Anstieg der 1. Kategorie aufweist.
Die wohl einzige Chance für die Sprinter wie Robbie McEwen (Silence) wird die 2. Etappe bringen, bevor das Zeitfahren über 18,8 Kilometer in Sion das Klassement "bereinigt". Im Kampf gegen die Uhr ist ein Anstieg mit 200 Höhenmetern zu meistern, was die Abstände deutlich erhöhen sollte.
Klarheit über die tatsächlichen Anwärter auf den Gesamtsieg bringt dann die Königsetappe: Das vierte Teilstück ist nur 127 Kilometer lang, doch vier Gipfel der ersten Kategorie und eine weitere Rampe zum Ziel auf 1677m Höhe stellen eine Prüfung von höchster Schwierigkeit dar. Damit werden aber die Plätze auf dem Podium noch nicht unbedingt vergeben sein, denn auch am Schlusstag sind nach Lausanne nochmals 2000 Höhenmeter zu erklimmen - eventuell geben sogar die Zeitgutschriften im Ziel letztlich den Ausschlag.
Am Start zu den 659 Kilometern und rund 10.000 Höhenmetern werden 19 Teams stehen - neben den 18 Mannschaften der ProTour (diesmal inklusive Astana) noch der BMC-Rennstall. Dieser fährt zwar mit US-Lizenz, hat aber etliche Schweizer unter Vertrag und wird vom einstigen Phonak-Patron Andy Rihs unterstützt.
Andreas Schulz / Eurosport