EM 2008 - Buffon: "Sind bereit, uns zu quälen"

Eurosport - Di 29.Apr. 08:22:00 2008

Auf dem Weg zur EURO 2008: Die Stars des Turniers in Österreich und der Schweiz äußern sich exklusiv bei Eurosport über ihr Team, ihre Ambitionen, die Gruppengegner und ihre Titel-Träume. Folge III: Italiens Torhüter Gianluigi Buffon.

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In Italien ist er eine lebende Torwart-Legende - jetzt will sich Weltmeister Gianluigi Buffon mit dem EM-Titel bei den Azzurri unsterblich machen. Der Keeper spricht über seine Ambitionen, die Gruppengegner und das Aufeinandertreffen mit "Intimfeind" Frankreich.

Herr Buffon, die Europameisterschaft steht vor der Tür. Ist die italienische Mannschaft 2008 noch stärker als das Weltmeisterteam 2006?

Gianluigi Buffon: Das werden wir leider erst nach dem Turnier wissen. Wenn wir erfolgreich sind, kann man sagen: Ja. Wenn wir aber enttäuschen, müssen wir zugeben: Nein. Die EURO wird darüber entscheiden.

Welche Unterschiede und auch Ähnlichkeiten gibt es zur Weltmeister-Mannschaft?

Buffon: Die größte Ähnlichkeit ist mit Sicherheit, dass in unserem Kader immer noch sehr viele Spieler stehen, die auch bei der WM in Deutschland dabei waren. Ein Unterschied zu 2006 ist, dass wir uns taktisch weiterentwickelt haben. Aber der entscheidende Faktor ist gleichgeblieben: Der "Teamspirit". Das ist es, was uns auszeichnet: Wir sind eine verschworene Gemeinschaft. Der Charakter der Mannschaft ist unverändert. Wir sind bereit, uns für den Erfolg zu quälen.

Sehen Sie sich in dieser Gemeinschaft ein wenig als Führungsspieler?

Buffon: Das Wort "Führungsspieler" sagt meiner Ansicht nach nicht viel aus, denn was viel mehr zählt ist der Respekt deiner Mitspieler als der Anspruch, die "Führung" zu übernehmen und seinen Willen durchzusetzen. Entscheidend ist, dass deine Mitspieler Achtung und Respekt vor dir haben. Ich denke, dass ich und drei, vier weitere Spieler aufgrund unserer Erfahrung Orientierung bieten. Wir sind die Ansprechpartner, wenn es eng wird, Referenzpunkte für jüngere Spieler in Schlüsselmomenten, wenn es zählt.

Nach der Weltmeisterschaft gab es einen Wechsel auf der Trainerbank. Marcello Lippi wurde von Roberto Donadoni abgelöst. Was macht Donadoni anders?

Buffon: Insbesondere im taktischen Bereich hat er einige Änderungen vorgenommen. Lippi und Donadoni sind zwei unterschiedliche Persönlichkeiten. Lippi ist der erfahrenere der beiden. Aber Roberto hat ein gutes Händchen in kritischen Situationen bewiesen. Das hat sein Ansehen als Trainer enorm gesteigert.

Bei einem Blick auf die Gruppe C: Welcher Gegner bereitet Ihnen am meisten Kopfzerbrechen?

Buffon: Wenn man sich die Namen der Gegner anschaut scheint natürlich Frankreich der stärkste Gegner zu sein. Gemeinsam mit uns haben die Franzosen in den vergangenen Jahren die größten Erfolge erzielt. Allerdings darf man Rumänien und die Niederlande auf keinen Fall unterschätzen. Unterm Strich befinden sich in der Gruppe vier Teams, die alle die Chance besitzen, ins Viertelfinale einzuziehen.

Freuen Sie sich auf das Duell mit Frankreich?

Buffon: Freuen? Worüber soll ich mich da freuen? Lassen Sie mich es so formulieren: Wenn ich sicher sein könnte, dass wir die Partie gewinnen, würde ich mich sicherlich freuen. Das ist aber leider nicht der Fall. Wir haben großen Respekt vor den Franzosen, genauso wie die Franzosen vor uns, trotz der Nicklichkeiten, die es in der Vergangenheit hin und wieder gab.

Sie meinen die Provokationen von Frankreichs Coach Raymond Domenech?

Buffon: Welche Provokationen? Ich habe mich nie provoziert gefühlt. Aber abgesehen davon: Letztlich ist immer der Provokateur der Schwächere. So gesehen freue ich mich fast schon, wenn jemand versucht, mich zu provozieren.

Wie schätzen Sie Rumänien ein?

Buffon: Es ist ein junges Team mit drei, vier Supertalenten von Weltformat. Wenn wir, oder Frankreich und die Niederlande, den Fehler begehen, sie zu unterschätzen, können wir unser Blaues Wunder erleben.

Die Niederländer dürften auch ein gewichtiges Wörtchen mitreden...

Buffon: Die Niederlande stellt immer ein Top-Team, sehr stark im Angriff, mit vielen erfahrenen Akteuren. Es ist schon lange her, dass sie einen Titel errungen haben. Sie werden also heiß sein. Es ist eine Mannschaft, vor der man großen Respekt haben muss. Es ist natürlich schade für uns, dass wir schon so früh im Turnier auf solch starke Teams treffen, aber: Wenn man den Titel erringen will, muss man jeden schlagen; und wer weiß: Vielleicht erwarten uns nach der schweren Vorrunde ja einfachere Gegner.

Zum Abschluss die Frage: Wie stehen die Chancen für Italien, den Europameistertitel zu holen?

Buffon: Als Weltmeister sieht man alles lockerer. Ziele scheinen leichter erreichbar, das Toreschießen fällt einem leichter. Ich denke schon, dass wir den Titel holen können, aber das einzige, was ich sicher weiß ist, dass man eine Menge Glück braucht, um solch ein Turnier zu gewinnen.

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