Champions League - Ciudad rüttelt am "Kieler Thron"

Eurosport - Di 29.Apr. 13:25:00 2008

Ein Champions-League-Finale, auf das ganz Handball-Europa gewartet hat - mit BM Ciudad Real, dem Sieger von 2006, und Titelverteidiger THW Kiel stehen sich die Topteams der beiden stärksten Ligen der Welt in den Endspielen am 4. und 11. Mai gegenüber.

HANDBALL 2007-2008 Bundesliga THW Kiel Karabatic Hintergrund - 0

Balonmano Ciudad Real ist mit einem Jahresetat von etwa 13 Millionen Euro der reichste Handballverein der Welt und kann es sich daher leisten, alle Positionen mit nationalen und internationalen Ausnahmespielern doppelt zu besetzen. Diese "Übermannschaft", wie sich THW-Manager Uwe Schwenker vor der Saison ausrückte, rüttelt nun am Kieler Thron. Die "Zebras", die mit rund 6,5 Millionen Euro pro Saison wirtschaften, werfen ihren unnachahmlichen Tempohandball und das Heimrecht im Rückspiel in die Waagschale.

Was den Kader anbelangt, ist aber zumindest die Start-Sieben des Titelverteidigers ebenbürtig. Selbst wenn Rückraum-Superstar Nikola Karabatic ausfällt - so geschehen beim Halbfinal-Hinspielerfolg gegen Barcelona (41:31) - sind Spieler wie Filip Jicha in der Lage, die Lücke sofort zu schließen und einen Leistungsabfall zu verhindern.

In Punkto Selbstvertrauen dürfen sich beide Mannschaften zu Gute halten, alles getan zu haben. Sowohl Ciudad als auch die "Zebras" gewannen vor kurzem den Landespokal und führen die nationale Liga an.

Stefansson dabei, Metlitic fraglich

Großes Aufamten herrschte in Ciudad Real, als der europäische Verband (EHF) entschied, dass der zuletzt überragende rechte Rückraum-Spezialist Olafur Stefansson auflaufen darf. Der Isländer hatte sich im Halbfinal-Rückspiel beim HSV Hamburg eine Rote Karte eingefangen und wäre eigentlich gesperrt gewesen. Die EHF entschied allerdings, dass sich HSV-Keeper Johannes Bitter, der von Stefansson durch Foul am Wurf gehindert wurde, zum Zeitpunkt des Wurfes in einer nicht regelgerechten Position befunden habe.

Fraglich ist dagegen der Einsatz von Rückraum-Shooter Petar Metlitic. "Ich weiß nicht, ob Petar im Finale spielen kann, befürchte aber, dass ich zumindest für das erste Spiel mein Team umstellen muss", erklärte Real-Coach Talant Dujshebaev.

Ciudad schon einmal ganz oben

Der Stern von Ciudad ging mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger 2002 auf. Im Jahr darauf verteidigten die Spanier den Titel. Nach der nationalen Meisterschaft 2004 folgte 2006 mit dem Triumph in der Champions League der Höhepunkt der Vereinsgeschichte.

Hinter den Erfolgen des amtierenden spanischen Champions steht Vereinspräsident Domingo Diaz de Mera. Der Milliardär gibt dem Klub einen für Handball-Verhältnisse fast unbegrenzten finanziellen Rahmen. Dazu haben die Spanier mit Talant Dujshebaev einen Trainer an der Seitenlinie, der für Erfolg steht. Der 39-Jährige spielte früher selbst in der Rückraum-Mitte bei Real und übernahm schon während seiner aktiven Zeit 2005 das Traineramt. Es heißt, Diaz de Mera habe den Olympiasieger von 1992 sein Gehalt selbst bestimmen lassen.

Beim bisher einzigen Duell der beiden Finalisten, bei der Vereins-EM 2002, stand Dujshebaev noch selbst auf dem Platz. Damals gewannen die Südeuropäer klar mit 32:20 (14:11). Wie man sich gegen die "Übermannschaft" durchsetzt, können die Kieler bei Portland San Antonio erfragen - das Team warf in der letzten Saison Ciudad Real im Viertelfinale aus der Champions League.

TV-Tipp: Verfolgen Sie die beiden Finalspiele zwischen Kiel und Ciudad Real (4. Mai ab 19:00 Uhr / 11. Mai ab 18:00 Uhr) live im TV bei Eurosport. Im Internet bieten wir Ihnen zu beiden Begegnungen einen Live-Ticker und einen Live-Videostream.

Tobias Laure / Eurosport