Bundesliga - Slomkas schwerer Gang

Eurosport - Fr 29.Feb. 13:58:00 2008

Die Euphorie zum Rückrundenstart ist dahin - in Gelsenkirchen bahnen sich entscheidende Tage für Trainer Mirko Slomka an. Der sympathische Coach ist gegen Bayern München und den FC Porto zum Siegen verdammt.

FOOTBALL 2007-2008 Bundesliga Schalke Slomka - 0

Er gibt sich gewohnt locker, versucht es zumindest - Mirko Slomka fühlt die neue Atmosphäre in Gelsenkirchen und ihre persönliche Brisanz. "Die Erwartungen sind natürlich immens. Gegen Bayern und Porto muss das Team alles geben", so der Schalke-Trainer. Denn ansonsten muss Slomka nach zwei Jahren seinen Sessel räumen, so vermuten es schließlich immer mehr Kritiker und Experten.

Erfolg ist die einzige Rettung

Der Treueschwur von Manager Andreas Müller ("Ich habe in keinster Weise über den Trainer nachgedacht. Er hat mein volles Vertrauen, ein Ultimatum an ihn ist völliger Quatsch.") ist wie ein Segen, aber auch nicht ganz aussagekräftig. Zuviel wird in und um Schalke herum diskutiert, debattiert und am nächsten Tag wieder in Frage gestellt.

Erfolg muss her, das ist die einzige Rettung für Mirko Slomka. Er weiß es und auch die Spieler wissen es. In sich gekehrter als ohnehin schon absolviert Slomka dieser Tage die Übungseinheiten. Ab und an mal ein herzhaftes Lachen mit den Spielern, aber der "alte" Slomka scheint verschwunden zu sein. Kein Wunder, "solch ein Druck auf eine Person ist doch unfair", sieht Mittelfeldspieler Carlos Grossmüller seinen Trainer in einer unglücklichen Lage. Doch Slomka zeigt sich kämpferisch: "Das gehört doch alles zum Trainergeschäft dazu. Ich bereite mich jetzt nur auf das Bayern-Spiel vor, denn da können wir Wiedergutmachung für die letzten beiden Liga-Pleiten schaffen."

Trainerschutz mit Hintertürchen

Ein Sieg über Bayern und das Erreichen des Champions-League-Viertelfinales gegen den FC Porto - die Aufgaben für Schalke sind bekannt. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies relativierte zwar die Aussage von Präsident Josef Schnusenberg, der sich schon verbal auf Trainersuche begab, doch scheint er im Nachschuss ebenfalls den Druck zu steigern: "Es kommt auf die nächsten beiden Spiele an. Die sollten wir erfolgreich bestreiten."

Ein Schutz des Trainers sieht anders aus. Vor allem, da Schnusenberg seit seiner Kritik aus der Hinrunde, als er ebenfalls Slomka während eines Schalke-Tiefs indirekt anzweifelte, offensichtlich kein Slomka-Fan ist. "Jeder kann seine Meinung haben", bleibt der Schalke-Coach dennoch gelassen und fügt hinzu: "Es geht doch hier um den Erfolg von Schalke 04 und nicht um meine Person."

Besserer Fußball für Schalke und Slomka

Auf Schalke ist man nervös geworden. Die Millioneneinkäufe vor der Saison und während der Winterpause verlangten auch eine starke Saison, doch derzeit drohen die "Königsblauen" ihre Ziele aus den Augen zu verlieren. So wichtig das 1:0 gegen Porto daheim war, es braucht keinen Hellseher, um zu wissen, dass Schalke mit seinen spielerischen Mitteln in Porto kräftig durchgeschüttelt wird. "Wir müssen da richtig aufpassen. Die spielen einen technischen verdammt guten Fußball", weiß Angreifer Peter Lövenkrands. Motivation soll ausgerechnet ein Dreier über den deutschen Rekordmeister Bayern München bringen. "Wir haben schon im Hinspiel sehr gut dagegen gehalten. Ich denke schon, dass wir einem Sieg näher sind als die", gibt sich Kapitän Marcelo Bordon zuversichtlich.

Unterstützung erhält der Schalke-Coach auch vom nächsten Gegner: Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld hat eine Lanze für Slomka gebrochen. "Ich habe kein Verständnis, dass ein Trainer so in der Kritik steht, der in der Champions League Großartiges geleistet hat. Mirko Slomka hat bislang einen Super-Job bei Schalke gemacht", sagte Hitzfeld, der der Schalker Vereinsführung empfahl, "Ruhe zu bewahren".

In der Startelf wird Slomka mit Sicherheit einige Änderungen vornehmen. Beim Testspiel in der Woche gegen Dynamo Moskau (5:0) gab Albert Streit von Beginn an sein Debüt und überzeugte. Er könnte ebenso wie Vicente Sanchez in die Startelf rücken, da Lövenkrands und Halil Altintop in den letzten Partien enttäuschten. Wichtig für Slomka ist gegen die Bayern aber wichtig, dass sein Team nicht nur Kampf und Dynamik bietet: "Wir müssen besser Fußball spielen." Nicht nur für Schalke, sondern auch für ihn.

Aus Gelsenkirchen berichtet Hakan Uzun / Eurosport