Eurosport - Di 29.Jan. 16:22:00 2008
Der Staub von Melbourne hat sich gelegt. Zeit, einen Rückblick zu wagen. Das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres faszinierte mit sportlichen Highlights, Überraschungen und Kuriositäten. eurosport.yahoo.de fasst für Sie die eindrucksvollsten Momente der Australian Open in zwei Teilen zusammen.
Nachtschicht: Ein Weltrekord mit bitterem Beigeschmack war das Match zwischen Lleyton Hewitt und Marcos Baghdatis. Erst um 4:33 Uhr morgens durften die beiden Kontrahenten die Schläger beiseite und sich selbst auf die Matratze legen. Da konnten selbst die Nachtschwärmer Andreas Seppi und Bobby Reynolds anno 2007 nicht mithalten, die an selber Stelle beim Sieg Seppis exakt 59 Minuten früher ins Bett gehen durften. Der unterlegene Baghdatis hat seinen Biorhythmus im Schongang wieder in Takt gebracht, Hewitt hingegen musste nur kurz darauf gegen Djokovic antreten - und der "Nachtschicht" in der dritten Runde Tribut zollen. Und wer trägt die Schuld? Der Regen, der den Terminplan durcheinander brachte, sagen die Veranstalter. Venus Williams, die ihr Match gegen Sania Mirza partout nicht auf einem Außencourt spielen wollte und damit für zusätzliche Zeitverzögerung sorgte, sagen viele Fans. Tatsache ist: Hewitt war das Opfer. Vielleicht lässt es sich aber mit der Gewissheit, gegen den besten Spieler und Gewinner des Turniers verloren zu haben, leichter leben. Allerdings nicht mit der, dass auch künftig "NIghtsessions" dieser Art nicht auszuschließen sind.
Blau: Ein Blick auf die Courts des Melbourne Parks machte klar - die Veranstalter müssen sich ob ihrer Farbwahl sehr sicher gewesen sein. Denn nicht nur der neue Bodenbelag, der auf die marktschreierische Bezeichnung "Plexicushion" hört, erstrahlt in einem grellen blau, die gesamte Anlage schien in einen Farbtopf gefallen zu sein. Blau, wohin das Auge blickt. Schön für denjenigen, dem die Farbe gefällt. Weniger schön für Menschen, die Kontraste bevorzugen. Aber bevor die Farboffensive der Macher zu sehr infrage gestellt wird: Turnierdirektor Craig Tiley und sein Team bewiesen mit ihrem Vorstoß ins Blaue etwas, dass sich wohltuend vom Rest des Tennis-Zirkus abhebt: Innovationsfreude. Die inneren Werte des Bodenbelags mussten bei den Spielerinnen und Spielern zwar zunächst Überzeugungsarbeit leisten, waren damit aber offenbar erfolgreich - nach anfänglichen Beschwerden, der Untergrund sei zu langsam, freundeten sich alle Beteiligten nach und nach mit dem "Plexikissen" an.
Pfefferspray: Als beim Match zwischen dem Griechen Konstantinos Economidis und Fernando Gonzalez aus Chile Polizisten die Tribüne stürmten und mit Pfefferspray auf die offenbar zu ausgelassen feiernden und anfeuernden Fans Economidis' losgingen, wähnten sich viele Zuschauer wohl eher bei einem Fußballspiel als bei einem gepflegten Tennis-Match. Falscher Alarm? Womöglich. Nach Angaben der Sicherheitskräfte jedoch ein völlig angebrachter Präventiv-Einsatz. Zuschauer beschwerten sich über die helenischen Fans und so rückte die Polizei an. Nachdem sich ein griechischer Anhänger dem Drängen eines Sicherheitsmannes, den Court zu verlassen, offenbar widersetzte, gab es Pfeffer obendrauf - doch nicht nur die Störenfriede kamen in den "Genuss" des Sprays. Nach dem Einsatz klagten zahlreiche Unbeteiligte über Beschwerden. Die lokale Presse war voll, der Einsatzleiter kam in Erklärungsnot - und wir zu der Erkenntnis, dass die Sicherheits-Schmerzgrenze beim Tennis offenbar schnell erreicht ist.
Stefan Zürn / Eurosport