Eurosport - Fr 28.Dez. 21:51:00 2007
Sie haben gewählt - der Sieger des Gewinnspiels "Go to Ghana mit Yahoo!Eurosport" wird am 8. Januar bekannt gegeben. Dieser reist dann vom 5. bis 11. Februar als Online-Reporter zum Afrika Cup 2008. Belohnt wird die beste Story der eingesendeten Top-Fünf-Reportagen.
Story Nr. 1: Lauernde Löwen von Michael Restin (Mainz)
Kameruns Mannschaftsaufstellung liest sich seit jeher wie ein Versprechen auf die Schönheit des Spiels: Eto'o, Geremi, Djemba-Djemba Namen, deren Klang allein Hoffnung auf Spektakel, Spaß und Spielfreude weckt. Der Name des Trainers klingt eher nach Ordnung, Disziplin und alter Schule: Otto Pfister. 70 Jahre jung und damit 23 Jahre älter als die Republik Kamerun. Pfister kennt die Fehler im afrikanischen Fußball, er hat sie alle schon erlebt. Fehler machen Spiele kaputt, lassen den Zauber verfliegen, sie bleiben haften wie Blei.
Dabei können Fehler ein Segen sein wenn der Gegner sie macht. Wie damals, als Roger Milla mit Higuita und der Eckfahne den Makossa tanzte. Ein Erweckungserlebnis für Kamerun, zugleich übermächtiges Erbe und Vorbild für Pfister und seine "unbezähmbaren Löwen". Von Milla lernen heißt siegen lernen: Selbstbewusst und wachsam auf Fehler zu lauern. Beute zu machen. Schritt für Schritt. 2008 in Ghana. Um dann, vielleicht 2010, aus dem Schatten der Lichtgestalt zu tanzen.
Story Nr. 2: Die Stachelschweinkrieger - Kumasi Asante Kotoko ist Ghanas Vorzeigeklub von Moses März (Berlin)
Der Mann in dem Anzug, der im ausverkauften Baba-Yara Stadion hinter die Tore pinkelt, ist ein Angestellter von Kumasi Asante Kotoko. Er ist dafür verantwortlich, seinen Klub heute im Spiel vor bösem Zauber zu schützen.
Aber hat Kotoko diese Hilfe überhaupt nötig? Der Klub, dessen beeindruckendes Motto "Akum apem a, apem beba" (Töte tausend von uns, tausend weitere werden kommen) lautet, ist nicht nur der reichste Verein in Ghana, er gehört auch dem mächtigsten König des ganzen Landes, Osei Tutu II. Dieser Umstand ist sicher einer der Gründe weswegen die "Porcupine Warriors", wie sie nach dem Kotoko, dem Stachelschwein genannt werden, heute ihre 20. Meisterschaft gewinnen werden.
Vor einer Woche wurde das entscheidende Saisonspiel wegen Fankrawallen abgebrochen und unter dubiosen Umständen für das Team aus Kumasi gewertet. Was den 51.000 rot-gekleideten Zuschauern jetzt geboten wird, hat also keine sportliche Bedeutung. Es ist ein Fest für die Fans und den König, der Zufrieden unter seinen großen samtenem Sonnenschirm sitzt, während der Rest des Stadions abwechselnd in der Mittagshitze schwitzt, oder von einem tropischen Regensturm durchnässt wird. Ein überraschender fußballerischer Höhepunkt, bietet sich den strapazierten Zuschauern zum Ende der Partie:
Der Schiedsrichter hat sich dazu entschlossen Kotoko einen Elfmeter zu schenken. Der Urin-Zauber scheint zu wirken, als sich der Torwart der gegnerischen Mannschaft nicht in, sondern neben sein Tor stellt. Mit verschränkten Armen sieht er dabei zu, wie der Elfmeter verwandelt wird und das Stadion den Sieg bejubelt. Ist der Kotoko-Hexer in den Torwart gefahren? Es scheint eher der Ärger über den Schiedsrichter zu sein, der sein Handeln bestimmt. Es passiert schließlich immer wieder, dass Kumasi Asante Kotokos furchteinflößende Macht vor allem die Unparteiischen beeindruckt.
Story Nr. 3: Mach's noch einmal Jay! von Oliver Zils (Hofheim)
Lagebesprechung in Lagos. Zwei bleiche, kleingewachsene Fußballhelden und ein zur Großmäuligkeit neigender Ex-Keeper suchen nach der Mixtur, mit der sie die Super Eagles fit bekommen für das große Turnier. Wer Nigerias Trainertroika Vogts, Häßler und Stein bei ihren ersten Schritten über die Trottoirs der Hauptstadt gesehen hat, wurde zwar nicht gerade von der Gewissheit übermannt, dass sie die richtigen für den Job sind. Aber was heißt das schon? Berti wurde schon oft unterschätzt, Icke kann das Bällchen immer noch so tanzen lassen wie Taiwo und Co und Uli Stein wird einige in diesen Tagen hoch im Kurs stehende Tipps für Torhüter parat haben.
Man ist fast geneigt, das Trio allein zu lassen mit seinen Problemen, wenn sich nicht immer wieder diese Szene ins Gedächtnis drängen würde hartnäckig, wie eine Vogtssche Grätsche.
August 1993, Waldstadion Frankfurt. Eintracht gegen den KSC, es steht 2:1. 32.000 Zuschauer sehen, wie Trainer Klaus Toppmöller den Polen Jan Furtok vom Feld holt und Jay-Jay Okocha einwechselt. Elf Minuten später ist Stoff satt für eine Legende produziert. Der Nigerianer hat eine gefühlte Halbzeit lang den Ball im Sechzehner hin und hergezogen, die Karlsruher Abwehr liegt waidwund auf dem Rasen. Erst als der Zauberer seinen Trick ausgekostet hat, darf Oli Kahn die Kugel aus dem Netz holen. Auf der Tribüne fallen Tabus ob des Gesehenen. Unbekannte küssen sich.
Jay-Jay Okocha hat noch oft Wundersames vollbracht, auch wenn seine Karriere so verlief wie sein Spiel manchmal aussah. Hier und da ein Schlenker zu viel, aber am Ende bleiben diese Leichtigkeit, diese Unbekümmertheit im Gedächtnis und dieses schelmische Grinsen.
Auch Ex-Stürmer Henry Nwosu hat sich daran erinnert und bekniet Berti Vogts dieser Tage, Okocha zu reaktivieren, um den Super Eagles einen spielenden Supervisor an die Seite zu stellen. Dieser Mann muss einfach noch mal wirbeln für Nigeria! Berti, denk an Roger Millas italienische Wochen! Und Uli, red mit Berti! Du warst doch dabei 1993, an diesem Sommerabend im Frankfurter Waldstadion...
Story Nr. 4 von Jean Péré - ' Juanito' (Köln)
Der Namibier an sich verreist selten. Er fürchtet sich entweder um sein Portemonnaie in Südafrika, seine Freiheit in Zimbabwe oder um seinen Kopf im Kongo. Fußballerisch reisen "The Brave Warrios" sowieso ungern. Nur einmal waren sie schon beim Afrika Cup dabei- und das liegt bereits zehn Jahre zurück. Für diesen qualifizierten sie sich 1998 trotz einer Niederlage gegen Lybien, die auch ohne den Sohn Kadhafis eine schlechte Mannschaft war.
Durch einen "last minute" Auswärtssieg gegen die eher läuferisch starke Mannschaft der Äthiopier, die in ihren Reihen keine technisch versierten Rasta Spieler hatten, wurde die viel umjubelte Teilnahme sichergestellt.
Nach langer Abstinenz ist die Reise nach Accra daher eine große Herausforderung für die Truppe um den holländischen Trainer Arie Schans. Deswegen ist die Taktik klar: ähnlich wie Schottland bei uns in Europa- hinten dicht stehen und lange Bälle nach vorne schießen. Sehr realistisch gibt sich der Trainer: "Unsere einzige Hoffnung auf Erfolg besteht im Elfmeterschiessen oder durch Fehlentscheidungen des Schiedsrichters".
Das Trainingslager in Deutschland, welches man nach einem Tipp von HSV-Star Benjamin buchte, verlief vollständig nach sportlichen Aspekten. Nach langen Überlegungen wurde auf Zauberei verzichtet und die Verantwortlichen räumten mehr Zeit für Prämiengespräche ein. Und so war der "sportliche" Ablauf des Trainingslagers:
8:00 Uhr: Prämiengespräche zwischen den Spielern
9:00 Uhr: Prämiengespräche zwischen den Spielern und dem Verbandsfunktionären
10:00 Uhr: Eckballtraining
11:00 Uhr: Prämiengespräche zwischen den Spielern und dem Trainer
12:00 Uhr: Training der Viererkette
13:00 Uhr: Mittagessen
14:00 Uhr: Prämiengespräche mit den Verwandten
15:00 Uhr : Freistoss Training (aus 40 bis 50 Meter Entfernung, mit Ronald Koeman als Stargast)
16:00 Uhr : Prämiengespräch mit der FIFA
17:00 Uhr : Elfmeterschiessen ( mit deutschem Co-Trainer)
18:00 Uhr : Videoanalyse (meistens Schottlandspiele)
19:00 Uhr : Simulieren, Fehlentscheidungen provozieren (mit italienischen Co-Trainer)
20:00 Uhr Prämiengespräch mit den Zuschauern
21:00 Uhr : Abendessen
22:00 Uhr : Extrarunde laufen für diejenige, welche die 50m-Freisstösse nicht ins Tor geschossen haben
Der HSV-Star Collin Benjamin gab sich zufrieden: "Ich hätte nicht geglaubt, dass ich an einem internationalem Turnier teilnehmen würde. Ich dachte immer, dass ich nur die Champions League gewinnen kann."
Das "Enfant Terrible" der Fußballszene Razundara Tjikuzu gab sich pragmatischer: "Jetzt da wir qualifiziert sind, kehre ich zurück. Ich habe sowieso nie daran gezweifelt."
Profispucker Henrico Botes, der wegen seiner Lama-Attacken schon mal 6 Spiele gesperrt wurde, äußerte sich gelassener: "Der Trainer hat mich schon wegen meiner Spuckerei angesprochen. Er meinte ich wäre nicht Franck Rijkaard. Das weiß ich nun auch und will zukünftig einfacher spielen." Der Routinier George Hummel drückte sich philosophischer aus: "Im Rugby sind wir immer bei der WM dabei (und zwar fast immer letzter, Anm. d. Red). Im Fußball soll es auch so werden".
Namibia wird in der Vorrunde auf Guinea, Marokko and Gastgeber Ghana treffen. Das erste Spiel findet am 21 Januar statt. Die Quote für den Titelgewinn Namibias liegt bei 251:1.
Story Nr. 5: Die Mischung macht's von Daniel von Wintzingerode (Kulmbach)
Das waren noch Zeiten, als ein Roger Milla sämtliche Abwehrreihen der weltgrößten Fußballnationen mit seinen Dribbelkünsten nur dumm aus der Wäsche schauen lies und "Les Lions indomptables" bei der WM '90 im Viertelfinale nur knapp scheiterten. Wie ein Schatten liegt die ruhmreiche Vergangenheit auf den Geschicken von Chefcoach Otto Pfister und dem Team, das aus einer Mischung aus arrivierten Spielern und einer neuen aufstrebenden Spielergeneration, den "jungen Wilden Kameruns" besteht.
Einen riesigen Erfolg landeten erst kürzlich die Nachwuchsfußballer der Kamerunischen Nationalmannschaft, die sich für Olympia qualifizieren konnten. Den Halt bekommt die Mannschaft von ihren erfahrenen Spielern, wie Samuel Eto'o und Geremi, um nur einige wenige zu nennen.
Das sich ständig drehende Trainerkarussell bewirkte eine Stagnation ihrer Leistungen, deshalb gilt es nun mit den begeisterungsfähigen Fans in der Hinterhand eine zukunftsorientierte Mannschaft aufzubauen, mit einer Mischung aus Jung und Alt. Dies möchten sie nun beim Afrika-Cup in Ghana 08 unter Beweis stellen. Wer Kamerun nicht auf seinem Zettel hat ist selber schuld!
Yahoo!Eurosport, 11 Freunde, Bolzen / Eurosport