Eurosport - Mo 26.Okt. 11:00:00 2009
Mit seinem Tor für Hoffenheim gegen Nürnberg kommt Franco Zuculini in der Bundesliga an - und wie. Die dritte Partie des jungen Argentiniers lässt einiges erwarten.
4,6 Millionen Euro sind viel Geld für einen 18-Jährigen. So viel Geld hat noch nie ein europäischer Verein für ein Talent aus Argentinien ausgegeben. Franco Zuculini brauchte lediglich 39 Erstligaspiele für den Racing Club de Avellaneda und ein A-Länderspiel, um die Späher aus dem Ausland von sich zu überzeugen. Er, der bisher nur das blau-weiße Trikot des argentinischen Traditionsvereins trug, hätte zu Werder Bremen wechseln und dort Europa League spielen können, aber er entschied sich für die TSG Hoffenheim. Von wegen bessere Perspektive und so. Vielleicht sind Blau und Weiß aber auch nur seine Lieblingsfarben.
Der Liebling des argentinischen Nationaltrainers ist "Zucu", wie sie ihn bei Racing riefen, auf jeden Fall schon. Diego Armando Maradona hält große Stücke auf den Mittelfeldmann. Zuculini könne einer der Stars der kommenden WM werden. Am Samstag machte Zuculini gegen den 1. FC Nürnberg sein drittes Bundesligaspiel und sein erstes Tor zum 3:0-Endstand - "ein Traumeinstand", gab Trainer Ralf Rangnick später zu Protokoll. Es sei ein Genuss, dem Jungen beim Fußballspielen zuzusehen. Rangnick wechselte Zuculini nach der Pause ein. Der 19-Jährige konnte es gar nicht erwarten.
Kurz vor der Explosion
Er stand in der 46. Minute nicht einfach nur da an der Seitenlinie, nein, er hüpfte unruhig hin und her und musste vom Schiedsrichterassistenten regelrecht davon abgehalten werden, das Spielfeld vorzeitig zu betreten. Fast hatte man den Eindruck, als handele es sich bei Zuculini um einen wilden Stier, der nur darauf wartet, dass sich das Tor zur Arena für ihn öffnet. "Man hat gemerkt, er muss jetzt raus, den musst du aus dem Stall lassen", sagte Mannschaftskollege Christian Eichner passend dazu nach der Partie: "Ich glaube, der Trainer hat gesehen, dass der Junge heiß war, kurz vor der Explosion stand."
Eichners Urschrei nach seinem Traumtor aus 30 Metern zum 1:0 war nichts gegen Zuculinis Emotionalität auf dem Platz. Man müsse ihn mal im Training erleben, so Eichner weiter, "der wirkt wie aufgedreht, wie ein kleines HB-Männchen". "Ein bisschen überschießend" - mit diesen Worten beschrieb Rangnick Zuculinis Auftreten und versuchte es wie folgt zu erklären: "Die ersten paar Wochen waren nicht so ganz einfach, die Erwartungshaltung, auch von ihm selbst an sich war groß."
Einer wie Javier Mascherano
Zuculinis erster Ballkontakt in der 47. Minute ist eigentlich keiner. Statt den Ball trifft er in einem Luftduell seinen Gegenspieler Daniel Gygax mit dem Kopf. Diese Szene macht deutlich: Zuculini hat ein großes Kämpferherz. Selbst wenn er fünf Meter vom Ball weg steht, gibt er selbigen nicht verloren. Gygax weiß wahrscheinlich heute immer noch nicht, aus welcher Richtung Zuculini angeflogen kam. Stark im Zweikampf, stark in der Spieleröffnung, wie sein Vorbild Javier Mascherano vom FC Liverpool. Das sieht man auch in der 57. Minute: Zuculini lässt zwei Gegenspieler stehen, wird am Trikot gezogen und gehalten, doch sein Wille auf dem Weg zum Tor scheint ungebrochen. Von zehn Spielern lassen sich zehn in so einer Situation fallen, nicht aber Zuculini. Erst der Pfiff des Schiedsrichters - es gibt Freistoß - zwingt ihn dazu, stehen zu bleiben.
Der Mann ist nicht zu stoppen. Eine argentinische Sportzeitung bildete ihn einst im Ritterkostüm und mit gezücktem Schwert auf der Titelseite ab. Mit Racing hatte er 2008 den Klassenerhalt geschafft. Zuculini wurde mit folgenden Worten zitiert: "Wir haben uns aufgeopfert, wie Raubtiere gekämpft und uns den Respekt aller verdient."
Und ganz nebenbei trifft er auch noch. Gegen Nürnberg befördert er in der 64. Minute den Ball mit Innenseite ins 18 Meter entfernte Tor. Teamkollege Eichner sagte: "Von diesem Jungen werden wir noch einiges hören." Oder sehen.
TV-Tipp:
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