London 2012 - Pechstein will zu Olympia 2012

Di 28.Jun. 15:02:00 2011

Claudia Pechstein will ihr Olympia-Comeback schon im Sommer 2012 als Bahnradsportlerin in London geben. Wie die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin der "Sport Bild" sagte, wird sie sich bereits bei den deutschen Meisterschaften vom 6. bis 10. Juli in Berlin in der Einzelverfolgung versuchen.

- 0

Zudem plant sie einen Start im Sprint oder im 500-Meter-Zeitfahren. "Ich traue mir das zu, denn als Eisschnellläuferin habe ich viel auf dem Rad trainiert. Ich habe doch nichts zu verlieren. Ich weiß ja gar nicht, wie so ein Wettkampf abläuft, alleine das ist schon spannend."

Bereits vor zwei Monaten waren Überlegungen bekanntgeworden, wonach die 39-Jährige nach dem Ablauf ihrer Sperre nicht bis zu den Winterspielen 2014 in Sotschi auf eine Olympia-Rückkehr warten will. «Ich habe schon einige Male darüber nachgedacht, auch schon vor ein paar Jahren. Aber irgendwie wollte ich im Sommer nie Wettkämpfe bestreiten», sagte Pechstein zu ihren Radsport-Ambitionen.

Auf den Spuren von Luding-Rothenburger

Sie hat nach eigenen Angaben acht Wochen lang jeweils zweimal pro Woche auf der Bahn trainiert. "Ich habe mich wohl ganz gut angestellt, denn ansonsten hätten die Trainer mit Sicherheit gesagt: 'Lass mal lieber sein.'", erklärte Pechstein. Auch einige Funktionäre hätten ihr das Gefühl gegeben, dass es für den Radsport aufgrund ihres Namens eine große Sache wäre, bei den Meisterschaften zu starten.

Der zum 1. Oktober scheidende BDR-Sportdirektor Burkhard Bremer hatte indes bereits vor einigen Wochen erklärt: "Ich habe meine Zweifel. Im Bahnradsport handelt es sich um eine komplexe technische Disziplin. Ich weiß nicht, ob das im Handumdrehen zu lernen wäre, auch, wenn man vielleicht ständig auf dem Rad trainiert."

Christa Luding-Rothenburger war dies gelungen. 1988 holte sie in Calgary erst Eisschnelllauf-Gold über 1000 Meter und Silber über 500 Meter. Im selben Jahr schaffte sie das Kunststück, auf dem Rad in Seoul zu Silber auf der Bahn zu sprinten. US-Idol Eric Heiden fuhr nach seiner Eisschnelllauf-Karriere Straßenrennen und nahm 1986 an der Tour de France teil, die er nach einem Sturz aber nicht beendete. Schwester Beth gewann 1980 auf dem Eis Olympia-Bronze über 3000 Meter und wurde im selben Jahr auf dem Rad Straßen-Weltmeisterin.

Osaka-Regel außer Kraft setzen

Sprint-Bundestrainer Detlef Uibel steht Pechsteins Plänen eher skeptisch gegenüber: "Ich denke, für die Kurzzeit-Disziplinen ist das Unterfangen aussichtslos. Da fehlen Claudia Pechstein die Grundlagen. Und sie kommt ja eher von den Ausdauer-Disziplinen. Zudem hat sich der Frauen-Radsport in den letzten Jahren international sehr stark entwickelt.» Paralellen zu Christa Luding-Rothenburger sieht er nicht: «Die kam von den kurzen Strecken."

Die sogenannte Osaka-Regel des Internationalen Olympische Komitees (IOC) bereitet Pechstein unterdessen keine Sorgen. Sie verbietet Athleten nach Ablauf einer mindestens sechsmonatigen Dopingsperre den Start bei den folgenden Sommer- und Winterspielen. "Diese Regel gilt also nicht für mich, denn ich habe nie gedopt", sagte Pechstein, die wegen erhöhter Retikulozytenwerte gesperrt war und deswegen Olympia 2010 verpasste.

"Ich werde alles dransetzen, dass die Osaka-Regel für mich außer Kraft gesetzt wird", betonte Pechstein, die auch 2014 nach Sotschi will. Das IOC lässt die Regel ohnehin vom Internationalen Sportgerichtshof CAS überprüfen, weil viele Athleten eine Doppelbestrafung für rechtswidrig halten.

Robert Semmler / dpa

Kein Yahoo!-Nutzer? Kostenlos .