French Open - Postkarte aus Paris: Ballett & Niki-Wahn

Eurosport - Mi 28.Mai. 21:00:00 2008

Petra Philippsen ist für eurosport.yahoo.de als Kolumnistin bei den French Open und berichtet regelmäßig aus Paris. Skuril, kurios und informativ - der etwas andere Blick auf das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres in der "Postkarte aus Paris".

TENNIS 2008 Roland Garros Philippsen - 0

Wieder zurück am alt ehrwürdigen Bois de Boulogne und - ja okay, es war zwischenzeitlich etwas feucht hier in den ersten Tagen. Aber was lohnt es, sich darüber aufzuregen? Das schlechte Fernsehprogramm lässt sich schließlich auch nicht ändern. Doch während man dabei einfach lieblos den Aus-Knopf betätigt, ist beim Schauerwetter in Roland Garros noch echte Kreativität gefordert. Wen interessieren schon Wassermassen von oben - da setzt man eben per La Ola einfach zur Gegenbewegung an! Alles, was eine bunte Regenjacke trägt oder sich unter einem farbenfrohen Schirm auf der Tribüne vergräbt, macht hier gut gelaunt die Welle.

Und wenn man schon keine Spieler auf dem Platz anfeuern kann, feiert man kurzerhand sich selbst oder wahlweise die tapferen Helfer, die mit Schrubbern versuchen, der Überschwemmung auf den Regenplanen Herr zu werden. Sie scheinen dabei einer bestimmten Choreographie zu folgen und es sieht ein bisschen aus wie ein lustiges Ballett - oder besser ein Wasserballett. Und das nicht nur, weil auf den Rängen dazu fröhliche Lieder angestimmt werden. Wer braucht schon einen Sir Cliff Richard, hier singt sich der Fan noch selbst warm. Und glücklicherweise hatte Roberto Blanco den Weg nach Roland Garros nicht gefunden ...

Die Videostudien des Rafael Nadal

Auch die Spieler präsentierten sich von Beginn an gut gelaunt und entspannt. Rafael Nadal zum Beispiel. Da wurde er im Vorfeld natürlich mal wieder zu Björn Borg befragt. Klar, der hat ja auch tatsächlich dreimal öfter in Paris gewonnen als das spanische Kraftpaket. Ob er sich denn mal ein paar seiner Matches auf DVD angeschaut hat, wollte jemand wissen. "Nein, nur in Wimbledon habe ich mir ein paar Highlights angeschaut. Da waren die Regenpausen ja so lang", sagte Nadal da noch mit einem breiten Grinsen. Am Montag und Dienstag hat er wohl nicht mehr gelacht. Aber da hatte er dann viel Zeit für lange Videostudien ...

Dann musste Nadal natürlich noch erzählen, ob er denn die Siege von Publikumsliebling Gustavo Kuerten damals im Fernsehen gesehen hätte. Sicher, habe er. Aber vor allem hätte er die spanischen Finalisten geschaut. Und natürlich Kuerten gegen Corretja 2001, Kuertens ersten Sieg aber nicht. Warum nicht? Klar, da war Nadal ja erst zehn Jahre alt und hat vermutlich draußen mit einem Fußball rumgekickt.

Ninja-Kämpfer auf dem Tennisplatz?

Während wir uns plötzlich leicht beschämt unseres eigenen fortgeschrittenen Alters erinnern, widmen wir uns lieber zügig dem Weltranglistenersten. Der vertrat eher ungewöhnlich die "Harter-Mann-Tour", als er gefragt wurde, ob die Spieler am Ende der Sandplatzsaison ausgelaugt und deshalb so viele verletzt seien: "Jeder weiß doch, wie viele Turniere er spielen kann. Und dass man sich manchmal vor den wichtigsten verletzt, ist eben auch Pech. Wir machen ja keinen Kontaktsport." Obwohl, Nadal würde inzwischen locker als Ninja-Kämpfer durchgehen.

Durchgehen lassen konnte man allerdings auf keinen Fall das neue Outfit von Serena Williams. Da hat die Nachwuchsdesignerin aber mal ordentlich daneben gegriffen. Der dunkelblaue Niki-Schlaf-oder-Jogginganzug war schon grenzwertig, aber in welchem Schneiderhandbuch steht denn, dass weiß schlank macht? Hüllen wir lieber den Mantel des Schweigens darüber und sagen uns, so lange es da hinten schon wieder hell wird, man auf der Anlage im Vorbeigehen von Martina Navratilova freundlich angelächelt und man nur, weil man mit einem Sportrucksack herumläuft, immer noch mit einer Spielerin verwechselt wird, kann doch alles eigentlich gar nicht so schlimm sein.

Aus Paris berichtet Petra Philippsen / Eurosport