Champions League - Die Krise ist da: "Werdet wach!"

Do 23.Feb. 11:50:00 2012

Nach der Niederlage beim FC Basel wird es richtig ungemütlich beim FC Bayern. Boss Rummenigge richtet einen Appell an die Mannschaft, Präsident Hoeneß flippt vor der Kamera aus und der "Kaiser" zürnt. Jetzt ist die Krise da.

2011-2012 Champions League Basel Bayern Lahm Timoschtschuk Streller - 0

Aus Basel berichtet Daniel Rathjen

Sie hatten auf ein Erfolgserlebnis gehofft, auf einen Befreiungsschlag, der das 0:0 in Freiburg zum Ausrutscher schrumpfen lässt.

Doch daraus wurde nichts. Die Profis des FC Bayern stecken nach dem 0:1 im Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League in einer handfesten Krise. Die Stimmung auf dem Bankett im "Swissotel Le Plaza" war dementsprechend frostig.

Stellungsfehler von Rafinha

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge richtete in seiner Rede einen Appell ans Team: "Werdet wach!", forderte er sie eindringlich auf. "Für die nächsten Wochen müsst ihr böse sein..." Das "böse sein..." wiederholte er noch einmal, ehe er anfügte: "Es ist ein wichtiger Moment für den FC Bayern in dieser Saison gekommen."

Er wolle kein Ergebnis schönreden, aber auch nicht draufhauen. Dennoch fragte er: "Was ist seit Weihnachten passiert?" Die Antwort blieb aus. Klar ist: Der große Traum droht zu platzen. Am 19. Mai findet das Finale der "Königsklasse" in der heimischen Arena statt, nach dem Resultat von Basel ist es weiter entfernt denn je.

"Alle hatten sich schon mit einem Unentschieden abgefunden, aber wenn man so viele Fehler in der Abwehr macht, darf man sich nicht wundern", wetterte Franz Beckenbauer. Das spielentscheidende Tor war erst in der 86. Minute durch Valentin Stocker gefallen - im Anschluss an einen groben Stellungsfehler von Rafinha.

Kein Champions-League-Format

In der Kabine soll es daraufhin laut geworden sein, die Spieler hatten sich offenbar lautstark Vorwürfe an den Kopf "gedonnert", Sportdirektor Christian Nerlinger soll der Mannschaft sofort eine Standpauke gehalten haben. "Das stimmt nicht", stellte Nerlinger später zwar klar. Er merkte jedoch mit eisigem Blick an: "Natürlich ist das ein enttäuschendes Ergebnis."

Parallel explodierte Präsident Uli Hoeneß vor der TV-Kamera. Franck Ribéry hatte Trainer Jupp Heynckes nach seiner Auswechslung den Handschlag verweigert. Darauf angesprochen polterte Hoeneß los: "Hört doch mal auf mit eurem scheiß Handschlag. Jedes Mal dasselbe! Wir sind ja nicht im Mädchenpensionat!"

Der kleine Franzose meldete sich noch in der Nacht via Twitter zu Wort und klärte auf: "Bevor alle nachfragen, ich habe keinen Streit mit Jupp Heynckes. Ich war nur unzufrieden mit unserem Spiel."

Zu harmlos waren die Bayern jedoch. Nur in der Anfangsphase war der deutsche Rekordmeister gefährlich, vergab durch Ribéry aber beste Chancen. Die Defensive wackelte indes gehörig. Weder Jerome Boateng noch Holger Badstuber erreichten Champions-League-Format - Rafinha erst recht nicht. Auch Philipp Lahm agierte ungewohnt schwach.

Vom Triple spricht vorerst niemand

"Der Wille war da, aber man merkt, dass wir momentan eine schwierige Phase haben", bilanzierte Mario Gomez, der erneut komplett blass blieb. "Wir müssen es dringend schaffen, nachzulegen - sonst werden wir in dieser Saison nicht mehr glücklich."

In der Liga kommt am Sonntag der FC Schalke, wenn der Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Dortmund noch weiter anwächst (derzeit vier Punkte), ist in München gar nichts mehr sicher. Auch der Job von Heynckes nicht.

Noch sind die Möglichkeiten da - und die Verantwortlichen bemühen sich trotz aller Unruhe, die nun auf sie hereinbrechen wird, einen kühlen Kopf zu behalten. "Wir haben engagiert gespielt und wenig zugelassen", filterte Kapitän Lahm das Positive heraus.

Nach der Niederlage beim FC Basel wird es richtig ungemütlich beim FC Bayern. Boss Rummenigge richtet einen Appell an die Mannschaft. - 2 Und Nerlinger fügte an: "Es ist ein Ergebnis, das für das Rückspiel alles offen lässt und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in München die Partie drehen werden und weiterkommen." Hoeneß sieht das ähnlich. "Wir sollten jetzt nicht nur Trübsal blasen. Wir müssen Ruhe in den Verein bringen und an uns glauben."

Doch genau dort liegt das Problem - und das ist tiefgründiger als die Bosse wohl glauben mögen. Das Selbstvertrauen ist vollkommen dahin. "Wir haben wieder ein Auswärtsspiel vergeigt. Es ist nicht leicht zu sagen, dass wir ja noch einen Rückspiel haben und das Spiel drehen werden. Denn das haben wir schon öfter gesagt..."

Verunsicherte Spieler, nervöse Bosse, Ideenlosigkeit auf dem Feld, verletzte Leistungsträger und eine wackelige Abwehr - die Krise ist jetzt da und könnte die Saison, in der natürlich immer noch alles möglich ist, komplett zerstören. Vom Triple spricht beim FC Bayern vorerst niemand mehr.

Video - Die Höhepunkte und Stimmen zur Schmach von Basel

Champions League : Basel -

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