Liga - Malagas Millionäre im freien Fall
Do 26.Jan. 13:22:00 2012
Der FC Malaga um die ehemaligen Bundesliga-Stars Ruud van Nistelrooy, Joris Mathijsen und Martin Demichelis befinden sich auf dem Weg nach unten. Dabei hatte sich die Klubführung vor der Saison weit aus dem Fenster gelehnt und mit Transferkrachern für Aufsehen gesorgt.
Von Nico Eichelbrönner
Seit Juni 2010 ist Malaga im Besitz des katarischen Scheichs Abdullah Bin Nasser Al Thani, einem millionenschweren Verwaltungsratsmitglied der Bank von Doha und Angehörigen der katarischen Königsfamilie.
Für rund 36 Millionen Euro kaufte er den FC Malaga und übernahm auch eine Schuldenlast in Höhe von 70 Millionen Euro. Seine Vision ist es, die dritte Macht in Spanien zu werden.
Noch im Sommer hatte der Scheich große Visionen. "Unser Budget hat kein Limit", betonte Al Thani und fügt eine Kampfansage an Real und Barca an: "Der Clásico wird die Leute bald langweilen." Betrachtet man die Situation ein halbes Jahr später, macht sich Ernüchterung breit.
60 Millionen in eineinhalb Jahren
Malaga gab in den vergangenen eineinhalb Jahren rund 60 Millionen Euro aus. Die Verpflichtungen von Martin Demichelis und Julio Baptista im Winter vergangenen Jahres hatten nicht das gebracht, was sich die Klubführung erhofft hatte. Die Andalusier beendeten die abgelaufene Saison auf dem elften Platz - zu wenig für den neureichen Verein.
Im Sommer öffnete Al Thani die Geldschatulle dann richtig. Internationale Stars sollten den Klub schnellstmöglich an die Spitze der spanischen Primera Division führen. Also verpflichtete man Stars wie Ruud van Nistelrooy, Jeremy Toulalan, Joaquin und Santi Cazorla. Mit Joris Mathijsen kam nach Demichelis ein weiterer erfahrener Innenverteidiger.
Klassenunterschied zu Barcelona
Doch weiter dümpelt Malaga im grauen Mittelfeld der Tabelle. Die Saison begann sehr ordentlich für den momentanen Tabellenzehnten. Mit zehn Zählern in fünf Partien schien man sich zunächst oben zu etablieren. In der Folgezeit lies das Team von Manuel Pellegrini allerdings die Konstanz vermissen. Real Madrid und Barcelona zogen frühzeitig einsam ihre Kreise an der Spitze, und auch zum Tabellendritten Valencia wurde der Abstand immer größer.
Nach sechs sieglosen Begegnungen kam am Wochenende der FC Barcelona ins "Rosaleda" und zeigte den Andalusiern die Grenzen auf. Lionel Messi erzielte beim 4:1-Erfolg des Meisters einen Dreierpack und spielte die Abwehr um die beiden ehemaligen Bundesliga-Akteure teilweise schwindelig.
Damit wartet die Elf des früheren Real-Madrid-Trainers seit neun Pflichtspielen auf einen Sieg. Denn auch im Pokal musste der FC die Segel streichen. Im Achtelfinal-Hinspiel lag man bei Cristiano Ronaldo und Co. bereits mit 2:0 in Führung und alles sah nach einer Top-Ausgangssituation für das Rückspiel aus. Das so erfahrene Team ließ sich die Butter aber noch vom Brot nehmen und verlor mit 2:3 im Bernabéu. Zu Hause musste man sich Real mit 0:1 geschlagen geben.
Suche nach einem Torjäger
Entsprechend steht Pellegrini vor dem Duell am Sonntag gegen den FC Sevilla unter Druck. Der Rückstand auf einen Europa-League-Rang beträgt zwar lediglich zwei Zähler, jedoch kämpfen unter anderem eine Vielzahl von arrivierten Mannschaften (Sevilla, Atletico Madrid, Athletic Bilbao) um diesen Platz. Die Partie gegen den Mitkonkurrenten aus Sevilla ist eine willkommene Chance, den Schalter wieder umzulegen und die lange Durststrecke zu beenden. Eine gehörige Portion Druck ist allerdings auch dabei. Setzt es eine erneute Pleite, dürfte es für Pellegrini langsam aber sicher eng werden und der Blick dürfte erst einmal nach unten gerichtet sein.
Dem FC fehlt vor allem ein Knipser. Van Nistelrooy fand sich häufig auf der Bank wieder, hat erst zweimal getroffen. Mit gerade einmal vier Treffern führt Carzorla die interne Torschützenliste an. 22 Treffer in 19 Spielen sind mager. Man hätte also erwarten können, dass im Winter in einen neuen Angreifer investiert wird. Es gab unter anderem Gerüchte um BVB-Stürmer Lucas Barrios. Ob es allerdings konkretes Interesse gab, ist fraglich. In wenigen Tagen schließt das Transferfenster. Bisher wurde lediglich der ablösefreie Torhüter Idriss Kameni von Espanyol Barcelona unter Vertrag genommen.
Keine Jungstars mehr
Hat in der Klubführung bereits ein Umdenken stattgefunden und verändert man die Strategie in der Zukunft? Der Kader ist nicht so zusammengestellt worden, dass man in Ruhe eine Mannschaft aufbauen kann, mit der es Jahr für Jahr eine Stufe höher geht. Van Nistelrooy ist bereits 35 und das Innenverteidiger-Duo Demichelis und Mathijsen ist 31 Jahre alt.
Auch Baptista (30) dürfte seine stärksten Leistungen bei den Stationen in Sevilla, Madrid und Rom gebracht haben. Toulalan (28) und Cazorla (27) sind aktuell im besten Fußballeralter, werden aber in naher Zukunft um Titel bzw. in der Champions League spielen wollen. Dass in der nächsten Zeit die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte möglich ist, scheint aufgrund der Dominanz von Madrid und Barcelona nahezu ausgeschlossen. Auch der FC Valencia ist noch einige Schritte voraus.
Noch hat Malaga in der laufenden Spielzeit zumindest die Chance auf den Europa-League-Platz, denn sechs Zähler und sechs Plätze Rückstand auf den vierten Champions-League-Platz klingen bei der aktuellen Form des Teams alles andere als realistisch. Will der FC Malaga nicht im Mittelfeld versinken, wird es höchste Zeit, dass der freie Fall gestoppt wird. Am besten am Sonntag gegen Sevilla...
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