Australian Open - Djokovic: "Unbeschreiblich"

Eurosport - Mo 28.Jan. 10:58:00 2008

Nach seinem historischen Triumph im Finale der Australian Open, mit dem er sich einen Kindheitstraum verwirklichte, blickt Novak Djokovic noch einmal auf das Endspiel zurück: Offen spricht er über seine Nervosität, die Klasse des Gegners und die Dimension seines Sieges.

TENNIS 2008 Australian Open NOvak Djokovic - 0

Haben Sie immer daran geglaubt, einen solchen Sieg holen zu können?

Novak Djokovic: Ich habe davon geträumt. Ich habe die Legenden des Tennis mit solchen Trophäen gesehen und wollte das so gerne selbst einmal erleben. Ich habe immer daran geglaubt und nie einen negativen Gedanken zugelassen. Meine Ergebnisse als Junior haben mir das Selbstvertrauen gegeben, dass ich es schaffen könnte. Für manche war es realistisch, für andere nicht - gerade weil wir in Serbien über keine Infrastruktur verfügen.

Was waren Ihre ersten Gedanken nach dem Triumph?

Djokovic: Es war unbeschreiblich. Jeder Spieler träumt davon, denn ein Grand Slam ist etwas ganz besonderes. Das Turnier dauert zwei Wochen, die besten Spieler der Welt sind dabei - und am Ende bleibt einer übrig. Ich habe noch nicht begriffen, was mir da gelungen ist - aber ich bin natürlich stolz auf mich.

Wie ging es Ihnen vor dem Finale?

Djokovic: Ich war nervös! Es ist eine komische Sache, als Favorit in ein so wichtiges Finale zu gehen. Aber ich habe diesem Druck standgehalten. Es ist gefährlich, gegen jemanden zu spielen, der nichts zu verlieren hat. Tsonga war von Beginn an aggressiv, ich musste mich erst beruhigen und neu konzentrieren. Dabei hat es mir geholfen, schon bei den US Open ein großes Finale bestritten zu haben.

Wie haben Sie direkt vor dem Match versucht, mit dieser Nervosität umzugehen?

Djokovic: Ich habe mich bemüht, an etwas anderes zu denken, habe Blödsinn gemacht, Musik gehört und lustige Videoclips geschaut. Es hat funktioniert, aber kaum dass ich auf dem Platz war, hat sich alles wieder geändert: Ich war wieder nervös und der Druck war wieder da. Aber ich bin glücklich darüber, wie ich damit fertig geworden bin.

Waren Sie nach dem verlorenen ersten Satz beunruhigt?

Djokovic: Ich wusste, dass ich es mit einem starken Aufschläger zu tun hatte und ich auf meine Chancen warten musste. Er hat sehr stark begonnen und anfangs besser gespielt als ich. Ich habe versucht, auf hohem Niveau zu agieren, meine Chancen abzuwarten und dann auch zu nutzen.

Wie verlief der vierte Satz aus Ihrer Sicht?

Djokovic: Es gab Höhen und Tiefen. Wir waren beide müde und haben uns nicht mehr sehr gut bewegt. Ich musste sogar den Masseur rufen, weil ich Schmerzen am Oberschenkel hatte.

Wie beurteilen Sie die Leistung von Tsonga?

Djokovic: Ich wusste, dass er seine Chance suchen würde. Es war sein erstes großes Finale und er hat ein fantastisches Turnier gespielt. Es war ein enges Match zwischen uns und es hätte auch anders ausgehen können. Am Ende haben einige wenige Ballwechsel entschieden und den Unterschied ausgemacht.

Hat Sie die Unterstützung der Zuschauer für Tsonga gestört?

Djokovic: Das darf man nicht an sich heranlassen. Es gilt, auf das Match fokussiert zu bleiben. Das Publikum war für ihn und das ist verständlich - er ist jung, sympathisch und war ungesetzt. Ich hatte immerhin auch ein wenig Unterstützung - in meiner Loge und drum herum: Sie haben viel geschrien und das hat mir ordentlich geholfen.

Ist dieser Sieg ein Wendepunkt in der Tennis-Geschichte?

Djokovic: Ich glaube nicht, dass ein einzelnes Turnier die Geschichte ändern wird. Ich habe Roger Federer geschlagen und er hat seine Niederlage eingestanden - aber er wird zurückkommen, das ist sicher.

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