Australian Open - Djokovic bändigt "Zick-Zack" Tsonga

Eurosport - Mo 28.Jan. 09:11:00 2008

Novak Djokovic hat die Erfolgsserie von Newcomer Jo-Wilfried Tsonga beendet und zum ersten Mal die Australian Open gewonnen. Der 20-jährige Serbe setzte sich im Finale des ersten Grand-Slam-Turniers des Jahres mit 4:6, 6:4, 6:3 und 7:6 (7:2) gegen den zwei Jahre älteren Franzosen durch.

TENNIS 2008 Australian Open NOvak Djokovic Trophy - 0

In einem überaus spannenden Match hatte der Weltranglisten-Dritte in den entscheidenden Situationen seine Nerven besser unter Kontrolle als der ungesetzte Mann aus Le Mans, übernahm wenn es darauf ankam das Kommando auf dem Platz und stand somit nach drei Stunden und sechs Minuten als verdienter Sieger fest. "Ich bin sehr glücklich, hier meinen ersten Grand Slam gewonnen zu haben. Danke an all die serbischen Fans, die mich unterstützt haben. Ich bin sehr stolz darauf und bin sicher, zu Hause werden jetzt alle aus dem Häuschen sein", sagte Djokovic.

Verlierer Tsonga, der im Halbfinale kurzen Prozess mit dem Spanier Rafael Nadal gemacht hatte, wird trotz der Niederlage in der Weltrangliste einen großen Sprung machen und von Position 38 auf Platz 18 nach vorne rücken. Das nimmermüde französische Power-Paket hatte sich nicht nur durch den Erfolg über Nadal, sondern auch durch seine Siege gegen Andy Murray, Richard Gasquet und Michail Juschni in die Herzen der Fans gespielt, die ihn wegen seiner großen Ähnlichkeit mit dem größten Boxer aller Zeiten "Muhammad Ali" nennen. "Ich weiß, dass Ihr lieber ihn hättet gewinnen sehen", witzelte Djokovic in seiner Siegeransprache. "Aber macht nichts, ich liebe euch trotzdem noch."

Nervöser Auftakt

Djokovic erwischte den besseren Start in die Partie, konnte dem Franzosen gleich im ersten Spiel den Aufschlag abnehmen. Doch der 22-Jährige, der vor den Australian Open nie mehr als drei Matches in Serie bei einem Turnier auf der ATP-Tour gewinnen konnte, ließ sich davon nicht beirren. Unter den frenetischen Jubelrufen des größten Teils der 15.000 Fans in der ausverkauften Rod Laver Arena gelang Tsonga das sofortige Re-Break. In einer spannenden aber nicht hochklassigen Partie mit vielen Fehlern auf beiden Seiten war es dann der Franzose, der mit einem spielerischen Highlight zum Satzgewinn kam: Aus vollem Lauf überlobte Tsonga sein Gegenüber und holte sich den ersten Durchgang mit 6:4.

Der Makel des ersten Satzverlustes während des Turniers hinterließ Spuren in Djokovics Spiel. Der Serbe hatte ungewohnt große Probleme beim Service, kompensierte diese jedoch mit viel Ballgefühl und Geduld bei langen Ballwechseln. Bis zum 3:3 blieb der Satz ausgeglichen, doch im siebten Spiel drehte Djokovic auf. Es war förmlich zu spüren, wie ein Ruck durch den 20-Jährigen ging, dem man anmerkte, dass er das Break in diesem Spiel unbedingt erzwingen wollte. Der eiserne Willen des Belgraders wurde belohnt, und nach 88 Minuten hatte Djokovic den Durchgang mit 6:4 und somit den Satzausgleich in der Tasche.

Nervenstarker Djokovic

Ein schnelles Break zum 2:1 im dritten Satz ebnete "Nole" früh den Weg zum Gewinn des Durchgangs. Der Weltranglisten-Dritte, der auf seinem Durchmarsch ins Finale auch "König" Roger Federer, gegen den er im Endspiel der US Open 2007 noch unterlag, keine Chance ließ, spielte den Vorsprung gegen einen nie aufsteckenden Tsonga routiniert nach Hause, schaffte im neunten Spiel sogar das zweite Break des Satzes. Mit 6:3 holte er nicht nur die 2:1-Satzführung auf seine Seite, sondern auch den psychologischen Vorteil.

Beim Stand von 5:5 im vierten Satz hatte der Franzose die große Möglichkeit, das Match wieder offen zu gestalten. Doch der 22-Jährige vergab seine einzige Breakchance in diesem Durchgang, als er einen Stop von Djokovic zwar erlief, aber anstatt den Ball mit Wucht zu versenken, traf er genau den Schläger des darauf spekulierenden Serben und die Chace war dahin. Im Tiebreak fehlte Tsonga dann die Nervenstärke: Ein Netzball und ein Doppelfehler brachten Djokovic die schnelle 4:1-Führung. Beim Stand von 6:2 nutzte der Serbe seinen ersten Matchball zum achten Turniersieg seiner Karriere und zum ersten Triumph in seinem zweiten Grand-Slam-Finale.

Fabian Kunze / Eurosport